11 Dezember 2007

DFG fördert Transferbereich “Energiepflanzen, Wirtschaft und Umwelt”

Universität und Energieversorger erforschen Folgen verstärkter Bigasnutzung

Der Startschuss für eine Forschungskooperation zwischen der Universität Gießen und dem südhessischen Energieversorger HSE ist gefallen. Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Transferbereich “Energiepflanzen, Wirtschaft und Umwelt” untersucht die mit einer verstärkten Energiepflanzenproduktion verbundenen wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen des Baus von Biogasanlagen. Die Ergebnisse werden für die Entwicklung nachhaltiger Anbauverfahren von Energiepflanzen sowie für die umweltverträgliche Standortbestimmung zukünftiger Biogasanlagen verwendet.

Der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel betonte bei der offiziellen Auftaktveranstaltung zum Transferbereich: “Hessen setzt auf Biorohstoffe, denn schon heute deckt Bioenergie in Hessen ca. 75 Prozent der regenerativen Energieerzeugung ab. Der neue Transferbereich an der Universität Gießen wird uns helfen, den Ausbau der Biomassenutzung in Hessen planvoll voranzutreiben.”

Das Land Hessen will bis zum Jahr 2015 den Anteil der erneuerbaren Energien an der Primärenergieerzeugung auf bis zu 15 Prozent steigern. Der größte Teil davon soll durch Bioenergie gedeckt werden. “Vor dem Hintergrund aktuell hoher Agrarmarktpreise und einer Nutzungskonkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelerzeugung stellt sich die Frage nach den ökonomischen Risiken eines verstärkten Anbaus von Energiepflanzen für landwirtschaftliche Betriebe”, so Prof. Dr. Hans-Georg Frede, Sprecher des neuen Transferbereichs.

Auch ökologische Belange der Umnutzung landwirtschaftlicher Flächen zum Energiepflanzenanbau werden kontrovers diskutiert. Neben möglichen Risiken seien je nach durchgeführtem Anbauverfahren auch positive Wirkungen möglich, so Frede weiter. Für die Bewertung derartiger Fragen wurden im Sonderforschungsbereich 299 der Universität Gießen computergestützte Methoden entwickelt. Diese werden zur Analyse der vielfältigen Funktionen von Landschaften im Rahmen des Transferbereichs angewendet, um privatwirtschaftliche Investitionsentscheidungen sowohl bezüglich agrarökonomischer Belange als auch hinsichtlich Artenvielfalt, Gewässerschutz und Stoffhaushalt zu bewerten und zu optimieren.

Der Transferbereich kooperiert mit der HEAG Südhessische Energie AG (HSE). Die HSE plant, bis Ende 2012 rund 13 Millionen Euro in den Ausbau der Nutzung von Bioenergie zu investieren. In Südhessen gibt es nach einer Analyse der HSE rund 3.600 Hektar stillgelegte Ackerfläche, die für die Erzeugung von Bioenergie genutzt werden können. “Die HSE geht beim Bau von Biogasanlagen mit Augenmaß und Umsicht vor, weil wir negative Nebeneffekte verhindern wollen. Wir wollen nicht die Umwelt schädigen, während wir das Klima schützen”, sagte der Vorstandsvorsitzende der HSE, Albert Filbert.

Im Transferbereich wird die Leistungsfähigkeit der Computermodelle unter den Anforderungen und Einsatzbedingungen einer konkreten Anwendungssituation, nämlich dem Bau von Biogasanlagen in der Region Südhessen durch die HSE, demonstriert. Die Zusammenarbeit des Transferbereichs mit der HSE stellt eine viel versprechende Möglichkeit dar, die Ergebnisse der Grundlagenforschung in die Praxis zu übertragen. Dabei steht neben der Bewertung bestehender Anbauverfahren auch die Entwicklung ökonomisch und ökologisch nachhaltiger Bewirtschaftungsmethoden im Vordergrund, um die bezüglich des Klimaschutzes positiven Aspekte der Biogaserzeugung durch geeignete Landbewirtschaftung zu unterstützen.

Kontakt
Prof. Dr. Hans-Georg Frede
Institut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement
Sonderforschungsbereich 299
Heinrich-Buff-Ring 26-32, 35392 Gießen
Tel.: 0641- 99-373 80
E-Mail: hansgeorg.frede@agrar.uni-giessen.de

Weitere Informationen
“Sonderforschungsbereich Landnutzungskonzepte für periphere Regionen

Source: Informationsdienst Wissenschaft (idw), 2007-12-07.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email