14 August 2009

Deutschlands größter Verarbeiter stellt Wollkämmerei ein

Rückschlag für Verarbeitung – Einblick in den Markt für Schafschurwolle

Rund 2,1 Millionen Schafe in Deutschland – und der einzige große Rohwollverarbeiter des Landes stellt nach 125 Jahren Betriebszeit in diesem Jahr die Produktion ein. Wie Unternehmenssprecher Thomas Bolte von der Bremer Woll-Kämmerei AG dem Nachrichten-Portal mitteilte, beruht der Beschluss auf einer strategischen Entscheidung des Anteilseigners Elders, einem australischen Großunternehmen des Agribusiness.

Über die Hälfte der gesamten deutschen Rohwollproduktion von ca. 8.000 Tonnen hatte das Unternehmen nach Angaben von Bolte bisher in der Kämmerei zu Kammzügen (dem Inputmaterial für die Kammgarnspinnerei) verarbeitet, dazu kamen Importe von rund 20.000 Tonnen. Künftig, so vermutet Bolte, wird die Rohwolle von deutschen Schafen wohl vermehrt im Ausland verarbeitet werden, vor allem in Nejdek (Tschechien) bei einer Produktionsstätte der G. Modiano Ltd Wool Merchants and Top Makers.

Schurwolle – unterschätztes Koppelprodukt
Einen Überblick über Märkte für Schafwolle in Deutschland und weltweit gab Herr Bolte dem Nachrichten-Portal. Wir fassen einige wesentliche Erkenntnisse hier zusammen:

Für Schafhalter in Deutschland ist die Wolle meist ein absolutes Nebenprodukt – bei den gegenwärtig sehr niedrigen Preisen für Rohwolle von weit unter einem Euro pro kg deckt der Verkauf oft nicht einmal die Kosten für die jährlich nötige Schafschur. Der größte Teil der einheimischen Produktion wird zu Handstrickgarn verarbeitet, daneben ist auch das Polstern ein bedeutender Einsatzbereich. Die meisten Flugzeugsitze enthalten Wolle, die als antistatisches und schwer entflammbares Material hier ihre Vorzüge zur Geltung bringt. Sogar in den Sitzen der Saudi Arabian Airlines steckt Schafwolle aus deutscher Produktion – die Lufthansa dagegen setzt auf Synthetik. Auch im Automobilbau (Sitze, Hutablagen) wird Schurwolle gelegentlich eingesetzt. Als Dämmaterial wird Wolle unter anderem wegen ihrer einzigartigen schadstoffabsorbierenden Eigenschaften eingesetzt, sie besetzt hier jedoch nur einen sehr kleinen Nischenmarkt.

Wolle gilt als einer der preisvolatilsten Rohstoffe überhaupt, im Durschschnitt ist sie etwa drei- bis viermal so teuer wie Synthetik – allerdings bei einem eigenen, in vieler Hinsicht überlegenen Eigenschaftsprofil.

Auf dem Weltmarkt hat deutsche Schafwolle einen schweren Stand. Die Preise sind vergleichsweise hoch, und gegenüber Herkünften wie Neuseeland mit ihren hochweißen, sehr feinen Qualitäten können hiesige Erzeuger nur schlecht konkurrieren.

Source: nova-Institut GmbH, 2009-08-13, eigene Recherche.

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