4 Mai 2006

Deutschland: EU-Zielvorgaben für Biokraftstoffe bald überschritten

Die Biokraftstoffbranche profitiert – trotz der aktuellen Besteuerungsdiskussion – von der Suche nach Alternativen zum teuren Rohöl. So sind derzeit in Deutschland sieben Anlagen im Bau, die die Produktionskapazitäten für Bioethanol spätestens im kommenden Jahr auf knapp 900.000 t verdoppeln werden. Damit wird Deutschland nach Brasilien und USA der weltweit größte Bioethanol-Produzent.

Bei Rohölpreisen von mehr als 70 Dollar ist die Schwelle zur Wirtschaftlichkeit für Produkte wie Biodiesel, Biogas und Bioethanol überschritten.

Die sieben neuen Bioethanolanlagen werden den Anteil von Biosprit in Deutschland von derzeit 4% auf 6% am Gesamtkraftstoffmarkt steigern. Deutschland wird damit das von der EU für 2010 angepeilte Ziel von 5,75% als erstes EU-Land bereits im Jahr 2007 übertreffen. Bis 2010 ist, bei weiter steigenden Erdölpreisen, ein Anteil von 10% nicht unrealistisch.

Die Bundesregierung plant eine Pflicht zur Beimischung von Biokraftstoffen ab 2007. Zum Benzin sollen 2% Bioethanol beigemischt werden, zum Diesel 5% Biodiesel.

Gleichzeitig plant Berlin die Reduzierung der Steuervorteile für Biokraftstoffe und möchte sich damit Mehreinnahmen von 1,7 Mrd. € sichern. Die Auswirkungen der Besteuerung werden derzeit heftig diskutiert. Kritiker gehen davon aus, dass ohne die Steuerbefreiung Biodiesel keinen Preisvorteil mehr gegenüber Diesel aufweisen werde und somit kaum noch absetzbar wäre. Über die Beimischungspflicht würden aber nur 1,4 Mio. t Biodiesel sicher abgesetzt, was einen Rückgang im Vergleich zu den aktuell abgesetzten 1,5 Mio. t darstellen würde.

Will man den Absatz von Biodiesel dagegen weiter steigern, so muss zusätzlich Biodiesel als Reinkraftstoff über Speditionen, Land- und Forstwirtschaft und Privat-PKW abgesetzt werden. Dies sei, so die Kritiker, nur mit Preisvorteilen zu erzielen.

Ob für diese Preisvorteile tatsächlich eine vollständige Steuerbefreiung notwendig ist, hängt von der Preisentwicklung der Erdöl- und Dieselpreise ab.

Ein anderer Weg zur Steigerung des Biodieselabsatzes wäre die Erhöhung der Beimischung von den bisher geplanten 5% Biodiesel zu Diesel auf 10%. Eine entsprechende Änderung der DIN-Verordnung ist bereits in Abstimmung mit der Automobilindustrie in Bearbeitung. Hierdurch könnte der Absatz von Biodiesel auf 2,8 Mio. t gesteigert werden.

Hohe und steigende Erdölpreise werden fraglos auf dem einen oder anderen Wege den Anteil der Biokraftstoffe weiter erhöhen. Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbandes BioEnergie (BBE) auf der Hannovermesse: “Mit einem Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche könnte Deutschland 40 Prozent seines gesamtes Kraftstoffbedarfs decken.”

(Vgl. Meldungen vom 2006-04-26 und 2005-07-01.)

Source: Financial Times Deutschland (Printausgabe) vom 2006-04-15, energie pflanzen 1/2006 sowie eigene Recherchen.

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