11 Dezember 2006

Deutsche Bank Research: Günstige Perspektiven für die Zeit nach dem Öl

Der perspektivisch absehbaren Verknappung der fossilen Energien ist mit intelligenten Zukunftsstrategien zu begegnen. Auf längere Sicht wird nur ein breiter Fächer von Maßnahmen die Sicherheit der Energieversorgung ermöglichen. Das Gebot der Stunde heißt alle verfügbaren Hebel zu nutzen – Diversifikation der Energieträger, der Technologien und Mobilisierung aller Einspar-, Reaktivierungs- und Effizienzsteigerungsstrategien.

Zu den großen Hoffnungsträgern zur Verbesserung unseres Energiemix zählen die erneuerbaren Energien, darunter die weltweite Nummer eins, die Bioenergie. Eine Energiezukunft ohne höhere Anteile erneuerbarer Energien ist nicht vorstellbar; ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit profitiert von der steigenden Knappheit fossiler Energien.

Heute schon ist Bioenergie ein “schlafender Riese” unter den Energieträgern. Weltweit erbringt Bioenergie 11% des Primärenergiemix – wie bereits Anfang der 70er Jahre. Dabei hat sich der weltweite Energiebedarf seither verdoppelt. In der gleichen Zeit sank der Anteil des Erdöls, des Energieträgers Nr. 1, von 40% auf 35%. Sollte Bioenergie vollständig durch Erdöl ersetzt werden, müsste ein Drittel mehr Erdöl bereitgestellt werden. Die Mehrnachfrage würde zu einer Preisexplossion führen. Deshalb ist Biomasse schon heute volkswirtschaftlich unverzichtbar.

Perspektivisch entscheidet vor allem der Preis für Erdöl über die Konkurrenzfähigkeit:

Bio-Kraftstoffe sind selbst bei rein betriebswirtschaftlichem Kalkül und ohne Subventionen spätestens ab USD 100 pro Barrel schon mit heutiger Technik konkurrenzfähig. Heizanlagen, die Holzpellets nutzen, arbeiten schon jetzt mit günstigeren Brennstoffkosten als Öl- und Gasheizungen. Den Nachteil höherer Investitionskosten für die Pelletsheizungen würde ein Ölpreis um USD 100 bei weitem überkompensieren, so dass Pelletsheizungen dann Öl und Gas klar überlegen wären. Bio-Strom wird jedoch erst in Dekaden wettbewerbsfähig.

Berücksichtigt man zusätzlich die positiven externen Effekte der Nutzung der Bioenergien, fällt die volkswirtschaftliche Bewertung schon heute sehr viel günstiger aus. Wegen des nahen Endes des Ölzeitalters sind die nachwachsenden Energierohstoffe sehr gut geeignet, die sich auf mittlere Frist öffnende Schere zwischen der weltweit steigenden Energienachfrage und der unsicheren Expansion des Energieangebots – zumindest zum Teil – zu schließen. Nachwachsende Rohstoffe ermöglichen eine sparsamere Verwendung der fossilen Energien und schonen damit die Vorräte.

Ihre Verbrennung belastet das Weltklima nicht. Bioenergien schützen dank Dezentralität vor den Blackouts traditioneller Stromnetze. Sie mindern die Verwundbarkeit ganzer Volkswirtschaften gegenüber den Preisschüben von Erdöl und Erdgas. Letztlich gibt das neue Geschäftsfeld der Landwirtschaft angesichts der künftig eher sinkenden Agrarsubventionen eine interessante Einkommensalternative. Volkswirtschaftlich sind Bioenergien damit eine unverzichtbare Basis für eine nachhaltige Verbesserung unseres Energiemix.

Der Text steht hier als PDF-Download zur Verfügung (48 KB).

Kontakt
Deutsche Bank Research
Dr. Josef Auer
E-Mail: josef.auer@db.com

(Vgl. Meldungen vom 2005-07-20 und 2005-06-28.)

Source: aid.de vom 2006-11.

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