30 Oktober 2006

DEULA-Studie: Rapsöl läuft wie geschmiert

Pures Rapsöl eignet sich bei fachmännischer Umrüstung der Motoren hervorragend als Kraftstoff. “Rapsöl im Tank spart Geld und schont die Umwelt”, fasst die Innovationsstiftung Schleswig-Holstein (ISH) eine von ihr geförderte bundesweite Studie der DEULA zusammen.

Der Einsatz des Pflanzenöls rechne sich nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für Speditionen, sagte DEULA-Geschäftsführer Hardwin Traulsen gestern in Rendsburg. Ein Jahr lang war Peter Dönges, Experte für Motorentechnik an der Agrartechnik-Schule DEULA in Rendsburg, im gesamten Bundesgebiet unterwegs, um 235 Traktoren, Mähdrescher, Zuckerrübenernter und andere Landmaschinen zu untersuchen, die bereits mindestens 200 Stunden mit purem Rapsöl gefahren sind. Dabei schaute er auch mit einem Endoskop in die Motoren, um festzustellen, wie sich der alternative Kraftstoff ausgewirkt hat. Sein Ergebnis ist eindeutig: “Pflanzenöl geht gut, erfordert aber Fachleute.” Wer behaupte, alle Dieselmotoren umrüsten zu können, könne nicht seriös sein, sagt Dönges. Probleme mit dem Abgas von Rapsöl erwartet er bei hohen Verbrennungstemperaturen nicht.

Anlass der außer von der ISH auch von der Landwirtschaftskammer, der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe und der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen unterstützten Studie war das als unzureichend angesehene Ergebnis des so genannten 100-Schlepper-Programms des Bundeslandwirtschaftministeriums. Darin war Rapsöl als nicht uneingeschränkt empfehlenswert eingestuft worden. Weil dieses Programm aber keine Aussagen zu modernen Motoren und modernen Umrüstern machen konnte, wollte die DEULA Erfahrungen mit dem Praxisbetrieb sammeln. Das Ergebnis zeigt nach Einschätzung von ISH-Vorstand Prof. Hans-Jürgen Block, dass diese Technik funktioniert und sich derzeit rechnet.

Wie lange das so bleibt, hängt vor allem von den steuerlichen Regelungen ab. Da Rapsöl als Kraftstoff ab 2008 steuerpflichtig werden soll, wird sich sein Einsatz für normale Autos wohl eher nicht mehr rechnen. Anders ist das für Speditionen, für die Rapsöl nach Ansicht von Traulsen auch trotz Besteuerung noch sinnvoll sein dürfte. Und für die Landwirtschaft lohnt es sich allemal, denn dort soll der Einsatz von Rapsöl als Kraftstoff auch künftig steuerfrei bleiben. Außerdem sind die Landwirte nicht auf das noch relativ dünne Tankstellen-Netz angewiesen, da sie die Rapskörner selbst pressen und ihre Fahrzeuge direkt betanken können. Ein Vorteil des Rapsöls ist, dass für die Verwendung als Kraftstoff nichts mehr hinzugefügt werden muss, sagt Traulsen: “Das wird nur noch sauber gemacht – dann können wir damit fahren.” Und die verbleibenden Feststoffe können gut als Viehfutter genutzt werden. Bisher fahren nach Schätzung von Traulsen landesweit rund 1000 Schlepper, Mähdrescher, Lastwagen, Baumaschinen und Busse mit Rapsöl.

Peter Dönges fand während seiner bundesweiten Untersuchung längst nicht überall Tankstellen für seinen auf Rapsöl umgerüsteten VW-Bus. Manchmal konnte er auch bei Landwirten tanken, doch rund 100 der insgesamt 2.500 benötigten Liter Rapsöl hat er sich unterwegs bei Discountern holen müssen.

Konkrete Tipps zur Umrüstung von Motoren auf Rapsöl stehen im Internet unter www.i-sh.org, der Seite der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein. Fragen an die DEULA: deula-sh@deula.de

(Vgl. Meldung vom 2005-09-19.)

Source: Kieler Nachrichten vom 2006-10-28.

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