6 März 2000

Der Spiegel berichtet über Nesselprojekt aus dem Wendland

Im seiner Ausgabe Nr. 10/2000 berichtet das Wochenmagazin “Der Spiegel” aus Hamburg ausführlich die Absicht des Naturstoff-Großhändlers Heinrich Kranz aus dem niedersächsischen Lüchow-Dannenberg, Brennesseln für die einheimische Textilproduktion anzubauen (siehe Mitteilung vom 10.01.00).

Nach Informationen des Hamburger Wochenblattes will der ehrgeizige Unternehmer Kranz seine Firma “Stoffkontor Kranz AG” noch in diesem Jahr an die Börse bringen, um Textilien aus Brennesseln in großem Stile auf den Markt bringen zu können. Hierfür hat sich Kranz bereits den Markenname “Nettle” (englisch für Brennnessel) gesichert. Die ersten Produkte wie hochwertige Businesshemden sollen schon im nächsten Jahr vertrieben werden. Es wird ein Preis anvisiert, der deutlich unter dem vergleichbarer Naturstoffe wie Leinen oder Hanf liegt. Neben dieser von der Lokalpresse als Weltneuheit aus dem Wendland gefeierten textilen Innovation berichtet der Spiegel-Autor Gerd Rosenkranz auch ausführlich über die Geschichte der Brennessel vom Jahre 1056 bis in die jüngere Vergangenheit.

Der Textilgroßhändler Kranz erhält demnächst Unterstützung für sein Projekt von dem Hamburger Biologen Jens Dreyer, der in seiner Doktorarbeit kürzlich die Marktchancen von Fasernessel untersucht hat. Dreyer, der im Juni dem Vorstand der Stoffkontor Kranz AG beitritt, hält mittelfristig einen Bedarf an Brennesselfasern von 10.000 t im Jahr für realistisch. Nach Ansicht von Dreyer ist der Anbau von Brennesseln auch unter ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll. Das “Unkraut”, das nur alle 10 bis 15 Jahre neu gepflanzt werden müsse, sei für die ehemals intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen eine Heilkur. Die Nessel entzieht den Böden Nitrat und Phosphat. Bei der Fasergewinnung will Dreyer auf Verfahren und Maschinen zurückgreifen, die sich bei Flachs- und Hanffasern bereits bewährt haben.

Für die Feinreinigung der Faser wollen Kranz und Dreyer ein eigenes Verfahren einsetzen. Mit Hilfe von Bakterien und Enzymen sollen den Fasern Reststoffe schonend entzogen werden. Die Details der Methode seien allerdings “Betriebsgeheimnis”.

Autor: Klaus-Martin Meyer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Der Spiegel, Hamburg 06.03.00.

Source: Der Spiegel, Hamburg 06.03.00.

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