7 September 2005

DBV: Potenziale bei Bioenergie besser nutzen

DBV-Präsidium: Energie- und Kraftstoffwirtschaft sollte Vorbehalte aufgeben

Die extrem gestiegenen Preise für Öl und damit Heizöl, Benzin und Diesel unterstreichen Bedeutung und Notwendigkeit der Nutzung von Bioenergie. Deutschland ist heute in der Lage, einen spürbaren Anteil an Energie aus Biomasse im Energiemix einzusetzen. Dies erklärte das Präsidium des Deutschen Bauernverbandes (DBV) auf seiner heutigen Sitzung in Berlin. Auf deutschen Feldern werden bereits heute eine Million Hektar nachwachsende Rohstoffe angebaut. Bis zum Jahr 2030 könnten durch den weiteren Ausbau der Bioenergie 16 Prozent des Stroms, 10 Prozent der Wärmeenergie und 12 Prozent des Kraftstoffes erzeugt werden.

Biomasse sei eine verlässliche heimische Energiequelle zur Produktion von Wärme, Strom und Kraftstoffen. Die exorbitante Preissteigerung bei Erdöl, aber auch bei Erdgas und Kohle habe die Energieerzeugung aus Biomasse an die Wettbewerbsfähigkeit herangeführt. Allerdings, so die Kritik des DBV-Präsidiums, stößt die Nutzung der Bioenergie auf Vorbehalte bei der Energie- und Kraftstoffwirtschaft. Diese Zurückhaltung gelte es zu überwinden.

Das DBV-Präsidium forderte die Mineralölwirtschaft und deren Verband auf, die Beimischung von Bio-Ethanol kurzfristig voranzutreiben. Für die Bio-Ethanolerzeugung würde in Deutschland gegenwärtig eine Produktionskapazität von 500.000 Tonnen pro Jahr zur Verfügung stehen. Ein Anteil von 2 Prozent sei mit den bestehenden Anlagen und bei ausreichender Rohstoffversorgung aus der deutschen Getreideproduktion gesichert. Diese Potentiale werden aber praktisch nicht genutzt, weil vor allem die Mineralölwirtschaft einer Beimischung von Biokraftstoffen zurückhaltend gegenüber stehe. Nach der EU-Biokraftstoffrichtlinie soll ein Beimischungsanteil von Biokraftstoffen in Höhe von 5,75 Prozent erreicht werden. Dieses Ziel wird nachdrücklich auch vom Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) unterstützt.

Die Erfolgsstory des Biodiesels in Deutschland sollte Beispiel sein. Im Jahre 2005 hat Biodiesel in Deutschland bereits einen Anteil von 6,7 Prozent am gesamten Dieselkraftstoffverbrauch erreicht. Biodiesel wird vorrangig in Reinform zur Betankung von Lkw und Pkw eingesetzt, allerdings nunmehr auch vermehrt in einer Mischung bis zu 5 Prozent am mineralischen Dieselkraftstoff. Das DBV-Präsidium geht von einem stetigen weiteren Ausbau der Biodieselproduktion aus.

Der Anteil von Biomasse an der Wärmeerzeugung betrug 2004 rund 4 Prozent am gesamten Wärmeenergieverbrauch Deutschlands. Die größte Rolle spiele hier der Rohstoff Holz. Neue Technologien, vor allem durch den Einsatz von Pellets und Hackschnitzeln, lassen weitere Steigerungsraten zu. Biomasseheizungen wirken mittlerweile spürbar dämpfend auf die Preisentwicklung von Erdöl und Erdgas im Wärmemarkt. Das DBV-Präsidium forderte einen konsequenten weiteren Ausbau der thermischen Nutzung aller pflanzlichen Rohstoffe. Dazu gehört auch der Einsatz von Getreide als Regelbrennstoff in Kleinfeuerungsanlagen.

Die Stromerzeugung aus Biomasse wird gegenwärtig kräftig ausgedehnt (2004: + 33 Prozent gegenüber 2003). Eingesetzt werden vorrangig Biomassekraftwerke und Biogasanlagen (auch in Kraft-Wärme-Kopplung). In diesem Bereich hat vor allem das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einen regelrechten Investitionsboom ausgelöst. Das DBV-Präsidium unterstützt den Ansatz des EEG, mit Hilfe degressiver Einspeisevergütungen die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Biomasseanlagen abzusichern und zugleich herauszufordern.

Source: DBV-Pressemitteilung vom 2005-09-06.

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