13 März 2006

Darmstadt setzt bei 123 eigenen Fahrzeugen auf Bio-Plantanol

Umweltdezernent Klaus Feuchtinger: "Viele kleine Mosaiksteine im Kampf gegen Feinstaub."

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt geht beim Kampf – bundesweit einmalig – gegen den Feinstaub neue Wege: So hat der Magistrat heute einem neuen Ansatz zugestimmt: Der städtische Eigenbetrieb EAD 123 Fahrzeuge aus dem eigenen Fuhrpark auf den neuen, umweltfreundlichen biogenen Schmierstoff “Plantanol” umrüsten.

“Es gibt keinen großen Wurf gegen Feinstaub”, so Darmstadts Umweltdezernent Klaus Feuchtinger. Aber: “Viele Mosaiksteine fügen sich zu einem ansehnlichen Ergebnis, vor allem das Plantanol hilft uns hier.”

Insgesamt investiert die Stadt 46.200 Euro, um eine vielfältige, bewusst auf verschiedene Maßnahmen gegen Feinstaub setzende Umweltstrategie für saubere Luft in die Tat umzusetzen, erläutert Umweltdezernent Feuchtinger den Magistratsbeschluss. Weitere etwa 50.000 Euro steuert der städtische Eigenbetrieb Abfallwirtschaft und Stadtreinigung, der EAD, bei. “Die Stadt geht hier als Vorbild voran”, erklärte Feuchtinger, der erneut an die Verantwortung von Land, Bund und nicht zuletzt der Autoindustrie appellierte.

Insgesamt setzt der EAD auf Initiative Feuchtingers bei seinen 226 Dieselfahrzeugen im eigenen Fuhrpark auf eine mehrgleisige Lösung: “Man muss je nach Fahrzeugtyp unterscheiden, welcher Treibstoff geeignet und ob Rußfilter in Frage kommen”, so der Tenor beim EAD.

“Rußfilter sind kein Allheilmittel”, betonte EAD-Betriebsleiterin Sabine Kleindiek. Beim EAD fünfzehn Fahrzeuge mit Rußfiltern betrieben, 35 mit Biodiesel und drei mit Erdgas. Drei weitere Autos fahren auf elektrischer Basis. Grund: “Der städtische Fuhrpark ist sehr vielfältig, er reicht vom einfachen Pkw bis zur Schwerlastmaschine”, so Kleindiek weiter. Man könne daher nicht alle Fahrzeuge über einen Kamm scheren. Man setze bewusst auf eine breite Palette zielgenauer Maßnahmen.

Vorteil des biogenen, umweltfreundlichen Plantanols: Die 123 in Betracht kommenden Fahrzeuge können ohne teure Umrüstung sofort damit fahren. “Die Verringerung der Schadstoffe liegt beim biogenen Schmierstoff bei 20 bis 70 Prozent.” Schöner Nebeneffekt: Das neue Mittel Plantanol sei obendrein deutlich billiger als die teuren Spritpreise derzeit an den Tankstellen und spart der Stadt erheblich Geld, so Felix Kusicka, zuständiger EAD-Mitarbeiter für den Bereich Technik.

“Da der EAD jedes städtische Fahrzeug in seinem Fuhrpark verwaltet, kommen wir hier auf Seiten der Kommune einen großen Schritt in die richtige Richtung voran”, so Stadtrat Feuchtinger.

Ermöglicht wurde diese neue Strategie im Kampf gegen Feinstaub durch die enge Kooperation von Umweltdezernat, EAD und dem Fachgebiet Verbrennungskraftmaschinen der Technischen Universität Darmstadt. Man habe bereits lange bevor die Feinstaub-Diskussion bundesweit und in Darmstadt in den Medien losbrach, auf diese Zusammenarbeit mit der TU gesetzt, erklärte Feuchtinger, “wir sind da schon seit Dezember 2004 dran.” Stadt und EAD profitierten dabei von einer umfassenden Diplomarbeit zum Thema. Ergebnis der am Lehrstuhl von TU-Professor G. Hohenberg entstandenen Studie: Der Einsatz von biogenem Kraftstoff auf Pflanzenölbasis (Plantanol) trägt zu einer spürbaren Partikelverringerung bei.

Zwar erhöhe sich beim Plantanol im Gegenzug der Stickoxidausstoß, doch insgesamt erweist sich die biogene Strategie als ein wichtiger Mosaikstein im Kampf gegen Feinstaub, sagte Stadtrat Feuchtinger.

Den Einsatz von zwei Arten des biogenen Schmier- und Treibstoffs testet der EAD derzeit bei mehreren Fahrzeugen. Im seit vier Monaten laufenden, großen Bio-Treibstoff-Test sind hinsichtlich des Betriebs keine Störungen aufgetreten. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen des EAD bietet der Einsatz von Kraftstoffen auf Pflanzenölbasis für den vorhandenen Fuhrpark eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Alternative, um Schadstoffe im städtischen Fuhrpark zu verringern.

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt wird darüber hinaus bei Neuanschaffungen von Dieselfahrzeugen im PKW-, Transporter- und Nutzfahrzeugbereich nur noch Fahrzeuge nach dem neusten Stand der Technik (Euro IV, Euro V Abgasvorschriften) beschaffen, die den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.

“Wenn es um eine mögliche Nachrüstung von Rußfiltern geht, dann verfolgt der EAD als fahrzeugbeschaffende Stelle für die Wissenschaftsstadt Darmstadt die technische Entwicklung sehr genau.

Das Land Hessen, der Bund und die Autoindustrie können und dürfen sich aber nicht auf Kosten der Städte und Gemeinden aus ihrer Verantwortung stehlen”, so Feuchtinger mit Blick auf die allgemeine Feinstaubdiskussion”, sagte Stadtrat Feuchtinger.

Plantanol-Bezugsquelle:
Handelshaus Runkel
Umweltfreundliche Fahrzeugtechnik
Inh.: Jürgen Runkel
Taunusstraße 39
D-64331 Weiterstadt-Gräfenhausen bei Frankfurt/Main
Tel.: +49 (0) 6150 – 5919300
Fax: +49 (0) 6150 – 5919301
E-Mail: biotech@handelshaus-runkel.de

(Vgl. Meldung vom 2005-08-19.)

Source: www.sonnenseite.com vom 2006-03-11.

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