5 März 2001

Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen – die Zeiten des Wachstums sind vorbei

Für die Bürgerinitiative “Saubere Luft für Karlstadt” hielt Jörg Brandhorst, seit 1997 Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen (ADNR) einen umfassenden Vortrag zu den Themen Dämmstoffe, Hausbau und Raumklima.

Der Bonner Architekt und Dozent für Bauphysik und -konstruktion an der Berufsakademie Mosbach und an der Fachhochschule Ruhr erläuterte mit viel Anschauungsmaterial die Möglichkeiten zur Wärmedämmung und ökologischen Raumklimaschaffung mit ökologischen Baustoffen wie z. B. Zelluloseflocken, -Schüttung, -Platten, Baumwoll-, Hanf- und Flachsfasermatten, Holzfaserplatten für Dach- und Wandisolierungen oder Produkte aus Gestreidestroh zum Innenausbau.

Doch die Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen haben noch Systemgrenzen. “Wenn Sie eine Fassade an der Wetterseite dämmen wollen, warten Sie noch fünf Jahre, dann ist die Entwicklung weiter”, so Brandhorsts Tipp für die Zuhörer. Völlig ungeeignet seien die natürlichen Dämmstoffe z. B. zur Perimeterdämmung auf Flachdächern oder für Kelleraußenwände mit Erdkontakt.

Elf kleinere Betriebe, deren größter 54 Mitarbeiter beschäftigt, bilden zusammen die ADNR. Dazu kommen über 200 vorgelagerte Arbeitsplätze in Land- und Forstwirtschaft. Die Dämmstoffe der ADNR-Mitglieder können zum Ende ihrer Nutzungsdauer entweder zur Produktion neuer Dämmstoffe wieder verwertet oder bedenkenlos über die Müllverbrennung entsorgt werden, so Brandhorst.

Dennoch seien die Herstellerfabriken nicht ausgelastet, berichtete Brandhorst in der anschließenden Diskussion. Der Markt zeige kein Wachstum, der Absatz im Jahr 2000 habe nach einem Rückgang von 18% den Wert von 1998 erreicht. Schätzungen zufolge soll der Hochbau bis zum Jahr 2050 auf ein Zehntel des Volumens von 1999 schrumpfen.

Bei Mineralfasern und Schäumen werden derzeit höchstens 80%, bei Alternativdämmstoffen nur 40% der vorhandenen Kapazitäten genutzt. Hier liegt das Dilemma: Wäre die Auslastung der Produktionsanlagen bei 80% – und nicht bei nur 40% – könnten die Preise für Öko-Dämmstoffe um etwa ein Drittel niedriger sein.

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Mainpost newsline vom 05.03.2001.

Source: Mainpost newsline vom 05.03.2001.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email