17 Januar 2006

Clusterstudie Forst und Holz: Forst- und Holzwirtschaft zählen zu Leitbranchen Deutschlands

Die deutsche Forst- und Holzwirtschaft hat nach EU-Definition mehr Beschäftigte als die Automobilindustrie und erwirtschaftet einen höheren Umsatz als die Elektroindustrie oder der Maschinen- und Anlagenbau.

Der Sektor beschäftigt mehr als 1,3 Millionen Menschen, umfasst rund 185.000 Betriebe und erzielt einen jährlichen Umsatz von etwa 181 Milliarden Euro. Dies hat die erste bundesweite “Clusterstudie Forst- und Holzwirtschaft Bundesrepublik Deutschland 2005″ der Universität Münster ergeben.

“Die Studie hat erstmalig die enorme Bedeutung dieser bisher stark unterschätzten Branche aufgezeigt”, erklärt der Projektleiter und Forstwissenschaftler Professor Andreas Schulte. “Ihre volkswirtschaftliche Bedeutung ist sogar höher, als die bloßen Zahlen vermuten lassen. Denn die Branche leistet einen überproportionalen Beitrag zur Qualifikation und Ausbildung in Deutschland.

Allein die Zimmerei- und Tischlerbetriebe bildeten 2004 über 34.000 Lehrlinge aus. Außerdem sind die Betriebe der Forst- und Holzwirtschaft meist in ländlichen, strukturschwachen Gebieten angesiedelt und dort ein entscheidendes Standbein der regionalen Wirtschaftsstruktur.”

Als Konsequenz der Studienergebnisse fordert Schulte von Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft, diesen wichtigen Wirtschaftsbereich konkurrenz- und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Die Universität Münster richtete die Studie entsprechend der Clusterdefinition der Europäischen Union aus.

Danach umfasst das Cluster Forst- und Holz die Forstwirtschaft, die Holz be- und verarbeitende Industrie, das Holzhandwerk, die Papierwirtschaft, das Verlags- und Druckereigewerbe, den Holzhandel und -transport sowie die Zulieferindustrie. Die Wissenschaftler werteten für die Erhebung amtliche Statistiken, Branchenstudien, Verbandsberichte sowie die aktuelle Fachliteratur aus und befragten zahlreiche Experten.

Riesiges Potenzial

Neben der wirtschaftspolitischen wird auch die umweltpolitische Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft in den nächsten Jahren weiter steigen. Die nachhaltig bewirtschafteten Wälder sind eine sich selbst erneuernde Rohstoffquelle mit vielen ökologischen Vorteilen. Zum Beispiel tragen sie durch CO2-Bindung zum Klimaschutz bei.

Aber auch als Bau- und Werkstoff kommt Holz der Umwelt zugute. Seine Verwendung verlängert die Wirkung als CO2-Speicher. Im Vergleich zu anderen Baustoffen sind zudem die Transportwege kurz und die Verarbeitung energiearm.

Mit der Initiative “Charta für Holz” setzt sich auch die Politik deshalb dafür ein, den Pro-Kopf-Verbrauch von Holzprodukten aus nachhaltiger Erzeugung von 2004 bis 2014 um 20 Prozent zu steigern. Öffentliche und private Bauherren sollen den Baustoff Holz verstärkt nutzen, zum Wohle von Klima, Lebensqualität, Innovation und Arbeitsplätzen.

Auch auf energetischem Gebiet erlebt Holz eine wachsende Nachfrage. Steigende Rohölpreise machen Öl- und Gasheizungen immer teurer: Im Waldland Deutschland ist Holz ein preiswerter und umweltfreundlicher Alternativbrennstoff mit Zukunft. Holzpellets sind im Schnitt 40 bis 50 Prozent günstiger als Heizöl oder Gas und verbrennen CO2-neutral. Zudem ist Holz lokal verfügbar und damit krisensicher.

Forst- und Holzwirtschaft blickt optimistisch in die Zukunft

Für die Volkswirtschaft der Exportnation Deutschland gewinnt der Außenhandel mit Holz und Holzprodukten stark an Bedeutung. Wertmäßig konnte erstmalig 2002 ein Exportüberschuss erzielt werden. 2004 überstiegen die Ausfuhren von Nadel- und Laubschnittholz die Einfuhren deutlich. Die positive Entwicklung in vielen Einsatzbereichen lässt die Branche optimistisch in die Zukunft blicken:

“Die deutsche Forst- und Holzwirtschaft hat ein riesiges Potenzial”, erklärt Dirk Alfter, Vorstandsvorsitzender des Holzabsatzfonds. “Mit 3,4 Milliarden Kubikmetern stehen Deutschland die größten Holzvorräte in ganz Europa zur Verfügung, es werden ständig neue Anwendungsgebiete erschlossen, zum Beispiel im Bereich der Chemie- und Kraftstoffproduktion.”



HOLZABSATZFONDS
Lars Langhans
Pressesprecher
Godesberger Allee 142-148
53175 Bonn
Telefon: 0228-308 38-38
E-Mail: lars.langhans@holzabsatzfonds.de

(Vgl. Meldung vom 2006-01-13.)

Source: Pressemitteilung des Holzabsatzfonds vom 2006-01-17.

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