13 Juni 2016

Cannabis im Einsatz gegen seltene Krankheiten wie Tourette-Syndrom, Dravet-Syndrom, Stiff-Person-Syndrom, Achalasie und intrakranielle Hypertonie

Weltweite Kampagne will Patienten informieren und ihnen zu legalem Zugang zu Cannabis als Medizin verhelfen

Im Englischen bezeichnet man seltene Krankheiten häufig als „Orphan disease“, pharmazeutische Wirkstoffe, die zur Behandlung seltener Leiden eingesetzt werden, nennt man entsprechend „Orphan drugs“. Patienten mit solchen Krankheiten haben häufig nur sehr begrenzte Möglichkeiten; es ist gut, dass Cannabis als Medizin wirklich bei schweren seltenen Beschwerden helfen kann – wenn der Patient legalen Zugang dazu hat. Nur 10 von 200 Ländern der Welt ermöglichen ihren Bürgern Zugang zu Cannabis zur medizinischen Nutzung. Weitere 20 Länder haben den Zugang zu Cannabis als Medizin in wenigen Ausnahmefällen gesetzlich verankert, während es in mehr als 150 Ländern keinen legalen Zugang zu dieser Behandlung gibt.

TOURETTE-SYNDROM ist eine komplexe neurologisch-psychiatrische Erkrankung, charakteristisch sind motorische Tics –plötzliche Spasmen, insbesondere in Gesicht, Nacken und Schultern – und ein oder mehrere orale Tics. Häufig wird es mit Verhaltensproblemen oder psychische Störungen (Autoaggression, gestörte Aufmerksamkeit, etc.) in Verbindung gebracht. Im Moment sind Neuroleptika die effektivsten Medikamente zur Behandlung. Sie wirken jedoch nicht bei allen Patienten, in vielen Fällen werden sie nicht gut vertragen. THC, eine der vielen Cannabinoide der Cannabis-Pflanze, kann Tics wirkungsvoll reduzieren.

Ein Cannabis-basiertes Medikament wurde in einer klinischen Studie erfolgreich zur Behandlung von Kindern mit einer seltenen Form von Epilepsie eingesetzt. Die Studie mit Epidiolex® gegen DRAVET-SYNDROM ist die erste von vier Studien, die sich in der letzten klinischen Phase, Phase III, befinden und deren Ergebnisse dieses Jahr erwartet werden. Das pharmazeutische Unternehmen GW Pharmaceuticals hofft, dass die Ergebnisse den therapeutischen Nutzen von Cannabidiol, Hauptbestandteil von Epidiolex®, bestätigen werden.

Der Cannabisextrakt Sativex® wurde erfolgreich zur Behandlung von Patienten mit STIFF-PERSON-SYNDROM eingesetzt. Mediziner der Neurologischen Abteilung der Uni-Klinik Ribera in Alzira Spanien, stellten den Fall eines 40jährigen Mannes, der seit 6 Jahren unter fortschreitender Muskelsteifheit und wiederholten Muskelkrämpfen vor. Das verwendete Cannabisspray wurde nach einer Reihe erfolgloser Behandlungen mit traditionellen Medikamenten eingesetzt. Nach 14 Monaten wurden beachtliche Fortschritte bestätigt.

Forscher berichten über den Fall eines Patienten, der mit behandlungsresistenter ACHALASIE diagnostiziert wurde. Er verwendete Cannabis erstmals im Alter von 20 Jahren und stellte eine Verbesserung seiner Symptome fest. In den folgenden 9 Jahren verwendete er eine regelmäßige geringe Dosis mit nur geringen Verdauungsproblemen. ACHALASIE der Speiseröhre ist eine Fehlleistung der Muskulatur, die sich nicht mehr entspannen kann. Starke Probleme beim Schlucken sind die Folge.

IDIOPATHISCHE INTRAKRANIELLE HYPERTONIE ist eine neurologische Erkrankung, die durch einen hohen Druck in der Gehirnflüssigkeit charakterisiert ist. Sie ist auch als Pseudotumor cerebri bekannt, da sie einige Zeichen und Symptome eines Hirntumors aufzeigt, ohne dass jedoch ein Tumor vorhanden ist. Der Raum rund um das Gehirn ist mit einer wasserähnlichen Flüssigkeit, der zerebrospinalen Flüssigkeit, gefüllt. Wenn zu viel davon vorhanden ist, erhöht sich der Druck auf das Gehirn. Die Ursachen der Krankheit sind unbekannt. Sie tritt hauptsächlich bei übergewichtigen Frauen im gebärfähigen Alter auf und nur selten bei schlanken Männern. Durch die Behandlung mit Cannabis kann der intrakranielle Druck effektiv gesenkt werden.

 

Dieser Artikel ist Teil einer Aufklärungskampagne zu Cannabis als Medizin des gemeinnützigen Vereins Medical Cannabis Declaration (MCD). MCD hat eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo ins Leben gerufen, um Videos und Online-Kurse in den am weitesten verbreiteten Sprachen zu finanzieren. Zwischenzeitlich sind 18.000 $ dafür zusammen gekommen – die Aktion läuft noch eine Woche lang. Bitte unterstützen Sie das Projekt auf www.indiegogo.com/projects/say-yes-to-cannabis-as-medicine–5

Besonderer Dank gilt den Platinum-Spender der Crowdfunding-Kampagne Dr Bronner’s (USA), den Gold-Spendern MH medical Hemp (Deutschland und den Silber-Spendern CBDepot.eu (Slovakei), Green Snake Hemp Juice (Deutschland) und HempConsult (Deutschland). Weitere Spender sind sehr willkommen. Mehr Informationen zu den Spenden finden Sie unter www.medical-cannabis-declaration.org/donors/

 

Quellen:

  • Mueller-VAHL KR, Schneider U, Prevedel H, Theloe K, Kolbe H, Daldrup T, Emrich HM. Delta-9-tetrahydrocannabinol (THC) is effective in the treatment of tics in TOURETTE SYNDROME: a 6-week randomized trial. J Clin Psychiatry 2003;64(4):459-465)
  •  Press release by GW Pharmaceuticals of 14 March 2016
  • Vicente-Valor MI, Garcia-Llopis P, Mejia Andujar L, Antonino de la Camara G, García Del Busto N, Lopez Tinoco M, Quintana Vergara B, Peiro Vilaplana C, Dominguez Moran JA, Sánchez Alcaraz A. Cannabis derivatives therapy for a seronegative STIFF-PERSON SYNDROME: a case report. J Clin Pharm Ther. 2012 Jun 21. [in press]
  • Luquiens A, et al. World J Gastroenterol 2015;21(20):6381-3.
  • Raby WN, Modica PA, Wolintz RJ, Murtaugh K. Dronabinol reduces signs and symptoms of IDIOPATHIC intraCRANIAL hypertension: a case report. J Ocul Pharmacol Ther 2006;22(1):68-75

 

Über Medical Cannabis Declaration e.V. (MCD)

Eine Gruppe aus Medizinern und Patienten hat den gemeinnützigen Verein „The Cannabis Delcaration (MCD)“ gegründet, um die Anerkennung von Cannabis als Medizin zu fördern und als medizinisches Recht einzufordern.

Der gemeinnützige Verein MCD wurde von weltweit führenden Medizinern und Patienten am 16. Februar 2013 in Rüthen ins Leben gerufen, die davon überzeugt sind, dass der Zugang zu Cannabis als Medizin nicht durch Geographie bestimmt sein sollte. Ziel ist die weltweite Förderung der sicheren und regulären Verschreibung und Nutzung von Cannabis als Medizin. MCD ist Teil einer wachsenden Bewegung, die die negative Wahrnehmung von Cannabis ändern und die Anerkennung seines medizinischen Nutzens sicherstellen will. Die MCD stützt sich ausschließlich auf wissenschaftliche Studien zur medizinischen Nutzung der Cannabispflanze.

Weitere Informationen unter www.medical-cannabis-declaration.org 

Hier können Sie auch das Logo der Kampagne in hoher Auflösung sowie die Weltkarte mit Ländern, in denen Patienten legalen Zugang zur Cannabis als Medizin haben, herunterladen: http://medical-cannabis-declaration.org/supporting-materials-for-the-campaign-2

 

Kontakte:

Crowdfunding:

Luis Sarmento
E-Mail: crowdfunding@medical-cannabis-declaration.org

Allgemeine Informationen:

Franjo Grotenhermen
E-Mail: info@medical-cannabis-declaration.org

Source: Medical Cannabis Declaration e.V., Pressemitteilung, 2016-06-09.

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