14 März 2006

Canadier-Kanu aus Naturfasern bald in Serie?

Die Braunschweiger Firma Invent hat einen Canadier entwickelt, der fast gänzlich aus Naturwerkstoffen besteht. Der Preis liegt unter dem von Edelholzkanus. Eine Gewichtsersparnis von 15 Prozent erleichtert den Transport.

Eine kleine Tour auf dem Braunschweiger Stadtsee hat der Prototyp schon hinter sich. “Wir waren mit der Jungfernfahrt unseres Canadiers aus nachwachsenden Rohstoffen sehr zufrieden”, sagt Wirtschaftsingenieur Thomas Wurl von der Firma Invent GmbH, die den Canadier mit finanzieller Unterstützung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) entwickelt.

“Wir müssen noch einige Dinge optimieren, hoffen aber im Laufe der nächsten Monate, unseren zu 75 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehenden Bootstyp in die Serie zu geben”, so Wurl. Beim Natur-Canadier ersetzen Naturfasern wie Flachs, Hanf oder Baumwolle und Pflanzenöl die herkömmlichen Glas- und Kohlenstofffasern sowie Kunstharze.

Die technischen Ansprüche an das naturfaserverstärkte Biopolymer sind groß: Es muss eine hohe UV-Stabilität haben, temperaturwechselfest und robust sein, wenig Feuchtigkeit aufnehmen und eine hohe Tragfähigkeit aufweisen.

Laut Wurl hat sich der neue Canadier hinsichtlich dieser Bedingungen bewährt, soll aber im Verhältnis zu gängigen Produkten ca. 15 Prozent leichter sein, womit Invent potenzielle Abnehmer hinsichtlich Transport überzeugen will. Preismäßig liege das Kanu auf jeden Fall unterhalb von Kanus aus Edelhölzern.

Die Sport Lettmann GmbH in Moers als einer der führenden Anbieter von Kanus in Deutschland will künftig das “nachwachsende Boot” aus Braunschweig mit ins Angebotsprogramm aufnehmen: “Wir haben schon immer Sachen gemacht, die der Zeit etwas voraus waren. Für mich ist es jetzt einfach an der Zeit, auch etwas in diesem Bereich zu tun”, sagt Inhaber Klaus Lettmann. Er prognostiziert dem Naturfaser-Canadier eine wachsende Nachfrage, “einfach weil Kanuten zumeist Naturfreunde sind und sich gern mit dem Produkt identifizieren möchten, das sie unter dem Hintern haben.”

Auch Thomas Wurl rechnet mit gutem Absatz: “Wir gehen davon aus, dass schon im ersten Jahr rund 50 Exemplare verkauft werden”, so der Invent-Mitarbeiter. Zum Vergleich: In Deutschland werden jährlich zirka 5.000 Kanadier gekauft.

Die Nachhaltigkeit des Produkts ist laut Wurl ein wichtiges Argument. Denn während die Glas- und Kohlenstofffaserprodukte konventioneller Bootstypen Entsorgungsprobleme mit sich bringen, stellt das Kanu aus Naturfasern und Biopolymer kein Umweltproblem dar. Zwar verrottet der Duroplast auf Pflanzenbasis nicht von selbst, kann aber thermisch problemlos verwertet werden und es entweichen keine umweltgefährdenden Schadstoffe.

Ob das Produkt bei den naturnahen Wassersportlern tatsächlich ankommt, wird sich trotz aller Umwelt-Pluspunkte letztlich erst am Verkaufstresen entscheiden. Auch Lettmann weiß, dass dies neben der Qualität auch eine Frage des Marketings ist.

Die Braunschweiger Entwickler hoffen indes, dass mit der Konstruktion ihres Kanus die Verwendung von naturfaserverstärkten Biopolymeren im gesamten Wassersportbereich (Jollen, Yachten, Surfbretter) voran kommt.

Darüber hinaus erwarten sie in Zukunft auch eine Nachfrage aus dem gesamten Verkehrskomplex, etwa Auto und Bahn, wo sich ein Nachhaltigkeitskonzept bereits zunehmend durchsetzt. (Vgl. Meldung vom 2002-11-11.)

Auch Autohersteller wie DaimlerChrysler, Volkwagen oder Opel haben längst begriffen, dass ihre Hightech-Gefährte sich über Nachhaltigkeitskonzepte besser verkaufen lassen. Invent ist den Konzernen nun schon mal ein Stück davon gepaddelt und hat zumindest schon eine Fahrt heil überstanden.

(Vgl. Meldungen vom 2004-09-16 und 2003-04-15.)

Source: taz vom 2006-03-11.

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