24 Januar 2003

C.A.R.M.E.N.-Fachgespräch in Ochsenfurt: Biodiesel – für Linienbusse eine echte Alternative

“Biodiesel für den öffentlichen Personennahverkehr”, unter diesem Titel veranstaltete C.A.R.M.E.N., die bayerische Koordinierungsstelle für Nachwachsende Rohstoffe, am 23. Januar ein Fachgespräch in Ochsenfurt. Über 30 Teilnehmer reisten aus zahlreichen bayerischen Städten sowie aus Wuppertal, Remscheid, Reutlingen, Giessen, Saarbrücken und Luxemburg an, um sich über Biodiesel zu informieren.

Mit seiner genormten Qualität und seiner guten CO2-Bilanz eignet sich Biodiesel hervorragend für den Einsatz in modernen Dieselmotoren. Seine Schwefelfreiheit und seine russmindernde Wirkung machen Biodiesel zu einem idealen Kraftstoff für den städtischen Verkehr. Biodiesel ist gut biologisch abbaubar und im Gegensatz zum fossilen Dieselkraftstoff kein Gefahrgut.

Im voll besetzten Saal des Gasthauses zum Bären begrüsste Hubert Maierhofer, Projektbegleiter von C.A.R.M.E.N., die Vertreter von Stadtwerken, Verkehrsverbünden, Bus- und Reiseunternehmen. Er stellte die Mineralölsteuerbefreiung für Biokraftstoffe vor, womit letztendlich der Ausstoss klimarelevanter Gase reduziert und der Verbrauch von fossilen Energieträgern verringert werden soll.

Rupert Schmid, Geschäftsführer der Campa-Biodiesel Ochsenfurt, referierte über die “Herstellung und Qualitätssicherung für Biodiesel”. Pro Tag werden in Ochsenfurt aus 250 Tonnen Pflanzenöl unter Zugabe von Methanol und einem Katalysator 250.000 Liter Biodiesel und ca. 35 Tonnen Glycerin produziert. Der Biodiesel wird im gesamten süddeutschen Raum vertrieben.

Das Glycerin, ein begehrter Rohstoff für die Pharmaindustrie, ermöglicht eine wirtschaftliche Biodieselproduktion. Auch wenn im Vergleich zum konventionellen Dieselkraftstoff ein Mehrverbrauch von 5 Prozent angesetzt werden sollte, kann der Betreiber einer Linienbus-Flotte von 20 Fahrzeugen, bei einer jährlichen Laufleistung von 150.000 km pro Fahrzeug, mit einer Einsparung von ca. 70.000 Euro rechnen.

“Abgasverhalten und Abgasnachbehandlungssysteme” stellte Hubertus Borgmeier von der HJS-Fahrzeugtechnik GmbH & Co Menden vor. Für Stadtbusse ist das CRT-System eine wirtschaftliche Möglichkeit zur Emissionsreduzierung von Dieselmotoren. Das aus einem Russfilter mit vorgeschaltetem Oxidationskatalysator bestehende System, oxidiert Kohlenwasserstoffe, Kohlenmonoxid und NO zu NO2. NO2 liefert den Sauerstoff für die nachgeschaltete Russverbrennung im Russfilter. So können die Partikelemissionen um 90 Prozent reduziert werden.

Hier bestehen allerdings noch keine Erfahrungen beim Biodieseleinsatz. Mit dem Oxi-Kat, der Geruch und Lärm reduziert, besteht die Möglichkeit, Schadstoffemissionen von Dieselmotoren um 60 bis 70 Prozent zu reduzieren. Die Verbindung des Oxi-Kats mit Biodiesel kann als ideal angesehen werden. In Hagen wird diese Kombination seit zwei Jahren in Strassenbahnen eingesetzt.

Helmut Hoffmann von den Kreiswerken Heinsberg präsentierte seine “Erfahrungen mit Biodiesel im Linienbusverkehr”. 1996 stand für die Tankstellen der Kreiswerke die Installation einer neuen Abgas-Absaugung und einer zusätzlichen Auffangwanne an. Damals wurde zwischen Erdgas und Biodiesel anstelle von konventionellem Dieselkraftstoff abgewogen. Wegen des hohen Platzbedarfs von Erdgastanks, weil mit Erdgas betriebene Busse häufiger aufgetankt werden müssen und wegen der Umrüstungskosten fiel die Entscheidung für Biodiesel.

Die Kreiswerke verfügen über 121 Schulbuslinien. Ab November 1996 wurden 30 Fahrzeuge mit Biodiesel betrieben. Auch wenn im Schnitt ein um 4,2 Prozent erhöhter Kraftstoffverbrauch festzustellen ist, fahren die Heinsberger Busse mit Biodiesel wirtschaftlich günstiger. Inzwischen wird die gesamte Flotte mit Biodiesel betrieben. Auch viele LKWs und PKWs wurden dort schon auf Biodiesel umgestellt. Probleme bei der Umrüstung, Skepsis in den Werkstätten und bei der Bevölkerung lassen sich in den Griff bekommen. “Wir würden wieder auf Biodiesel umstellen”, so Hoffmanns Fazit.

Dass die Erfahrungen in Heinsberg für andere Regionen Vorbildcharakter haben können, zeigten die Fragen der Teilnehmer. Der rege Austausch von Daten, Informationsschriften und Adressen lässt erwarten, dass in Zukunft weitere Busflotten mit dem Einsatz von Biodiesel einen ersten und wichtigen Schritt für eine Mobilität ohne fossile Kraftstoffe gehen.

Mit der Besichtigung der Campa-Methylesteranlage schloss Rupert Schmid die Veranstaltung. Er zeigte vor Ort die Rohstoffe, die zu Biodiesel und Glycerin umgesetzt werden und einen Kraftstoff liefern, der schon naturgemäss bis – 12 °C wintertauglich ist und in den kalten Monaten mit Additiven versetzt ausgeliefert wird.

Weitere Infos:
C.A.R.M.E.N. e.V.
Hubert Maierhofer
Schulgasse 18
94315 Straubing
Tel.: 09421-960-300
E-Mail: hm@carmen-ev.de
Internet: http://www.carmen-ev.de.

Bei C.A.R.M.E.N. ist ein kostenloses Faltblatt zur Methylesteranlage in Ochsenfurt erhältlich.

Source: Pressemitteilung der C.A.R.M.E.N. e.V. vom 2003-01-24.

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