5 November 2004

Business as usual – Der neue Weltenergieausblick der IEA

Statement des General Chairman des WCRE, Dr. Hermann Scheer

Der neue Weltenergieausblick 2004 zur Weltenergie der Internationalen Energieagentur verspricht nichts Neues für die Zukunft der Weltenergieversorgung – obwohl die Rahmenbedingungen sich drastisch verändert haben und “business as usual”  mit dem derzeitigen Energieverbrauchsmuster zu einer ökonomischen, ökologischen und einer Sicherheitskatastrophe führt.

Der Weltenergieausblick schätzt, dass auf der Basis der jetzigen politischen Rahmenbedingungen  der Energieverbrauch 2030 60% höher als 2004 sein wird. Der immense Energiebedarf wird durch einen unverändert dominanten Anteil von 85% fossiler Energie befriedigt werden, von deren Ressourcen man erwartet, dass sie “mehr als adäquat seien um den Bedarf bis 2030 und weit darüber hinaus zu decken.” Um diesen wachsenden Energiebedarf zu decken, schlägt der Weltenergieausblick vor, 16 Billionen Dollar bis 2030 zu investieren – 568 Milliarden jährlich – insbesondere in den Stromsektor und in den Entwicklungsländern. Zwei Drittel dieses gestiegenen Energiebedarfes werden durch Entwicklungsländer verursacht werden, in denen heute der größte Anteil derjenigen 1,6 Milliarden Menschen lebt, der keinen Zugang zu Elektrizität hat.

Jedoch ist es ein großes Rätsel, wie diese Vorschläge, unglaublich hohe Summen zumeist öffentlicher Gelder in die Beibehaltung und Erweiterung des jetzigen Systems fossiler Energien zu investieren, helfen werden, Armut, ökologische Katastrophen und Energieabhängigkeit zu reduzieren. Der Salim-Report der Weltbank über die Förder- und Bergbauindustrie hat kürzlich unzweifelhaft festgestellt, dass eine weitere Verlängerung des Abbaus und der Nutzung fossiler Energie ganz und gar nicht zu einer Linderung der Armut beitragen wird. Es ist beschämend zu sehen, dass der Weltenergieausblick den Erneuerbare Energien keinerlei wichtige Rolle für die Zukunft der Energieversorgung in bereits versorgten und unversorgten Gebieten zuspricht – zumindest bis 2030.

Anstatt die Gesellschaften und Entscheidungsträger zu mahnen, ihre finanziellen Ressourcen umzuleiten, weg von einem hochkapitalintensiven zentralisierten fossilen Energiesystem hin zu einer lokalen, umfangreichen und dezentralisierten Nutzung von Erneuerbaren Energien, bestärkt der Weltenergieausblick diese darin, die Welt in eine fossile und nukleare Falle zu führen. Je früher die Investitionen getätigt werden, um Erneuerbare Energien in großem Maßstab zu nutzen, umso geringer sind die Kosten, um sich von einem hoch entwickelten Energieproduktions-, Verteilungs- und  Verbrauchssystem zu lösen. Denn dieses wird nutzlos werden, sobald fossile und nukleare Energiequellen in naher Zukunft ihren Peak erreicht haben und der Klimawandel nicht mehr nur ein Problem armer Entwicklungsländer sein wird. So wird dieser dann auch eine ökonomische Bedrohung für Industriestaaten darstellen und die sozialen Spannungen über die Verteilung der wenigen verbleibenden Energieressourcen werden untragbar sein.

Der Weltenergieausblick hat wieder einmal gezeigt, dass es sich hierbei mehr um einen Blick in die Zukunft mit der Perspektive der Vergangenheit als einen verheißungsvollen Ausblick für ein nachhaltiges Weltenergiesystem handelt.

World Council for Renewable Energy (WCRE)
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(Vgl. Meldung vom 2004-10-28.)

Source: EUROSOLAR-Pressemitteilung vom 2004-11-05.

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