5 November 2004

BTL-Kraftstoffe: Die Landwirtschaft frühzeitig mit einbeziehen

BTL-Tagung in Wolfsburg zeigt noch Uneinigkeit über Preis und mögliche Potenziale für Biomasse - speziell für Holz

Während die Erforschung der Produktion und Nutzung von BTL-Kraftstoffen (Biomass To Liquids) auf Hochtouren läuft, bleibt unklar, wie die nötigen Mengen Biomasse in die Anlagen transportiert und anschließend aufbereitet werden sollen. Auch über den Preis für die Biomasse herrscht eine große Differenz. Das zeigte eine intensive Diskussion auf der BTL-Tagung in Wolfsburg zwischen Vertretern der Landwirtschaft und der abnehmenden Seite. “Unter einer Kapazität von 1 Mio. Tonnen pro Jahr wäre eine BTL-Produktionsanlage kaum wirtschaftlich”, kalkuliert Dr. Hans-Wolfgang Lüke, Technologiedirektor des Mineralölkonzerns Shell. Er hält dabei rund 70 Euro je Tonne Trockenmasse für realistisch.

Um das Logistikproblem der oft wasserhaltigen Biomasse zu lösen, schlägt Prof. Bernd Meyer vom Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurswesen vor: “Denkbar wäre es z.B., in kleinen dezentralen Anlagen ein transportfähiges Zwischenprodukt herzustellen, das dann weiter in die Großanlagen befördert wird.”

Wenig Konsens dagegen gibt es zum Preis. “Bei 70 Euro je Tonne könnte höchstens Stroh vermarktet werden. Waldhölzer werden bei den Preisen eher verstromt und über das Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet oder an die Zellstoffindustrie vermarktet”, hält Dr. Armin Vetter von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft dagegen. 80 bis 100 Euro sieht er als Mindestpreise, damit die Landwirtschaft rentabel arbeiten kann. Er hält es daher für notwendig, bereits frühzeitig die Landwirtschaft mit in die Planung einzubeziehen. “Wenn alle an der Wertschöpfungskette verdienen wollen, ist es sinnvoll, auf heute bereits verfügbare und ausgereifte Ernte- und Bereitstellungstechnik zurückzugreifen”, fordert er. Auch für BTL-Kraftstoffe könnte die Ballenlinie für Strohballen, die Hackgutlinie für Schwachholz, die Langgutlinie für Stammholz sowie die Futter- und Silagelinie für Energiepflanzen genutzt werden. Trotzdem müsse die Aufbereitung so optimiert werden, dass die Erntegüter auch transportwürdig sind. “Die Wirtschaftlichkeit des Transportes von Biomasse über längere Strecken ist stark abhängig von der Schüttdichte und dem Wassergehalt”, macht er deutlich.

Es gibt noch weitere Hemmnisse für die Einführung der BTL-Kraftstoffe: Derzeit ist die Steuerbefreiung für Biokraftstoffe auf das Jahr 2009 beschränkt. Der Steuersatz für Diesel liegt heute bei 47 Cent je Liter. Ohne die Steuerbefreiung wäre die Preisgleichheit zu fossilem Diesel nicht mehr gegeben und BTL-Kraftstoff wäre dann rund 50 Cent teurer. “Daher setzen wir uns auf EU-Ebene vehement dafür ein, die Steuerbefreiung über 2009 hinaus zu verlängern”, erklärt Verbraucherschutzministerin Renate Künast hierzu.

Aus Sicht der Land- und Forstwirtschaft sehen Kritiker an dem Verfahren auch, dass Nährstoffkreisläufe nicht geschlossen werden. “Außerdem ist es sinnvoller, Holz zur Wärmenutzung zu verwenden. Denn um ein Kilogramm Heizöl zu ersetzen, sind zwei Kilogramm Holz nötig, für einen Kilogramm BTL-Kraftstoff dagegen fünf bis sechs Kilogramm Holz”, so ein Teilnehmer in Wolfsburg. Gerade aus Sicht der Landwirtschaft sind also noch viele Fragen offen. Ob sich das BTL-Verfahren zukünftig durchsetzen wird oder ob es – wie die Pläne zum Wasserstoffantrieb – irgendwann in weite Ferne rückt, wird daher nicht zuletzt von der Einbindung der Landwirtschaft abhängen. Wenn die Strom- und Wärmeerzeugung aus Biomasse für den Erzeuger lohnender ist, müssen die heute anvisierten Flächenpotenziale für BTL erheblich nach unten korrigiert werden.

(Vgl. Meldungen vom 2004-11-03 und 2004-10-26.)

Source: Pers. Mitteilung vom 2004-11-05.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email