7 Februar 2006

Brüssel will Einsatz von Biokraftstoffen im Verkehr erhöhen

BRÜSSEL (Dow Jones)-Der Einsatz von Biokraftstoffen im EU-Verkehrssektor soll in den kommenden Jahren stärker gefördert werden. Zu diesem Zweck will die EU-Kommission am Mittwoch ein Strategiepapier mit konkreten Aktionen vorlegen.

Aus dem Dow Jones Newswires vorliegenden Kommissionspapier geht hervor, dass die EU-Behörde bindende Mindestzielvorgaben für die Verwendung von Biodiesel und Bioethanol als Kraftstoff in den EU-Ländern erwägt.

Die geplante Richtlinie soll statt des Referenzwertes von 5,75% bis 2010 nun “Verpflichtungen zur anteiligen Beimischung von Biokraftstoff” zu Sprit und zu Diesel enthalten. Bislang seien nur 1,4% Beimischung im vergangenen Jahr erzielt worden.

Auch sollen steuerliche Anreize die Herstellung von Biodiesel aus Rapsöl und von Bioethanol aus Getreide und Zuckerrüben in der EU beflügeln. Erst ab einem Rohölpreis von 60 Euro/Barrel erreiche der in den EU-Ländern produzierter Biodiesel die Preisgleichheit. Bei Bioethanol sei ein Ölpreis von 90 Euro/Barrel notwendig, um wettbewerbsfähig zu sein, heißt es weiter in dem Strategiepapier.

Mit dem Aktionsplan für Biokraftstoffe verfolgt die Kommission gleich drei Ziele. Zum einen soll die Abhängigkeit von Ölimporten langfristig verringert werden. Gleichzeitig könnten damit auch die im Rahmen des Kyoto-Protokolls eingegangenen Verpflichtungen zur Verringerung der Kohlendioxidemissionen erfüllt werden.

Drittens will die EU-Behörde neue Einkommensquellen für Europas Landwirte schaffen. Aufgrund der bevorstehenden Zuckermarktreform müssen die Zuckerrübenanbauer ihre Produktion drastisch herunterfahren.

Sie könnten in Zukunft aber Ethanol aus Zuckerrüben gewinnen, anstatt wie bisher Zucker als Nahrungsmittel zu erzeugen. Für die Ethanolherstellung aus Zuckerrüben sieht der EU-Aktionsplan eine Prämie wie bei Energie liefernden Pflanzen vor.

Bei der Erzeugung von Biodiesel steht Deutschland mit einer Jahresmenge von über 1 Mio t (2004) weit an der Spitze der EU-Länder. Dahinter folgen Frankreich mit knapp 350.000 t und Italien mit 320.000 t. Weiteren Angaben der EU-Kommission zufolge lag die Biodiesel-Produktion 2004 in der gesamten EU bei 1,96 Mio t; das waren 30% mehr als im Vorjahr.

Allerdings sieht der ADAC den Absatz von Biodiesel an bundesweit 1.900 Tankstellen durch die Pläne von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück gefährdet. Steinbrück will die Mineralölsteuer für Biodiesel ab August um etwa 0,10 Euro/l erhöhen.

Der derzeitige Preisunterschied zu herkömmlichem Diesel beträgt genau diese 0,10 Euro. Damit werde kein Anreiz mehr für die Verbraucher bestehen, Biodiesel zu tanken bzw. entsprechende Fahrzeuge zu kaufen, beklagte der ADAC.

Source: manager-magazin.de vom 2006-02-06.

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