17 März 2009

Boom für PET-Einwegflaschen

Einweg-Plastikflaschen belasten die Umwelt am stärksten

Die Einführung der Pfandpflicht auf Einwegflaschen und Dosen im Jahr 2003 hätte eigentlich die ökologisch vorteilhaften Getränkeverpackungen stärken sollen. Dazu zählen laut Umweltbundesamt u.a. Mehrwegflaschen und Getränkekartons. Stattdessen führte sie in den letzten Jahren zu einem wahren Boom für PET-Einwegflaschen. Wie die Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB) kürzlich mitteilte, wurden im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte (52%) aller alkoholfreien Getränke in Einwegsysteme, vor allem in Einweg-Plastikflaschen abgefüllt. Bei Mineralwasser betrug deren Marktanteil sogar 73 Prozent. Das in der Verpackungsverordnung festgeschriebene Ziel, 80% aller Getränkebehälter ökologisch vorteilhaft zu verpacken, rückt in immer größere Ferne.

Dies wird auch durch eine neue Ökobilanz bestätigt, die das Heidelberger Ifeu-Institut im Auftrag des GDB durchgeführt hat. Darin wurde die Umweltverträglichkeit von Mehrwegflaschen aus PET sowie Glas gegenüber PET-Einwegflaschen unter die Lupe genommen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Umwelt durch Einweg-Plastikflaschen eindeutig am stärksten belastet wird. So verursacht diese Gebindeart über ihren gesamten Lebensweg hinweg einen doppelt so hohen Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) als Mehrweg. Darüber hinaus sammelt sie durch den Verbrauch nicht erneuerbarer Rohstoffe bei der Herstellung zusätzliche ökologische Minuspunkte. Hinzu kommt, dass derzeit bundesweit nur 16 Abfüllstationen für PET-Einweg existieren und sich daraus weite, umweltbelastende Transportwege zum Einzelhandel ergeben.

Wie aber kann es sein, dass bei der umweltbewussten deutschen Bevölkerung die Akzeptanz gerade für die ökologisch schlechteste Getränkeverpackung seit Jahren beständig wächst? Fachleute erklären dieses Phänomen übereinstimmend mit dem Einwegpfand. Dadurch sei letztendlich der Unterschied zwischen Mehrweg und Einweg komplett verwischt worden und der Verbraucher könne beim Einkauf schlichtweg nicht mehr zwischen den beiden Systemen differenzieren. Diese Einschätzung wird durch ein Umfrageergebnis des Meinungsforschungsinstituts Emnid unterstützt, demzufolge nahezu 80% der Verbraucher aus Klimaschutzgründen ökologisch vorteilhafte Getränkeverpackungen bevorzugen. Gleichzeitig können aber nicht einmal 50% der Befragten Mehrweg- von Einwegflaschen unterscheiden.

Deshalb vergrößert sich zusehends die Anzahl von Vorschlägen durch Experten aus Umweltschutz, Verbänden und Politik, um dieses Dilemma zu beenden. Die Forderungen reichen von einer eindeutigen Kennzeichnung von Einweggebinden auf deren Etikett über eine gesetzlich verordnete Klimaschutz- oder Lenkungsabgabe bzw. Lizenzen, die Einweg verteuert, bis hin zu deren generellem Verbot. Eine Entscheidung wird jedoch auf keinen Fall vor Anfang des Jahres 2010 erfolgen. Erst dann wird der Gesetzgeber die Ergebnisse der derzeitigen Pfandregelung neu diskutieren. Klar ist aber jetzt schon: Das Zwangspfand auf Einweg hat seine beabsichtigte Wirkung verfehlt. Und: Getränkekartons, die pfandfrei sind und von den Haushalten über den Gelben Sack oder vergleichbare Sammelsysteme entsorgt und wiederverwertet werden, haben zusammen mit den wiederbefüllbaren Mehrwegsystemen aus ökologischer Sicht die eindeutig besseren Karten.

Source: Europaticker, 2009-03-16.

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