18 April 2006

BOKU-Forscher leiten EU-Projekt zur Optimierung von Biogas

"Halber Gasbedarf wächst auf Feldern"

Thomas Amon ist überzeugt, das “Totschlag-Argument” gegen Biogas widerlegen zu können. Bisher sind Studien davon ausgegangen, dass die Produktion der Rohmaterialien für die Biogas-Gewinnung in Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion stünden. Mit dem Ergebnis, dass das Potenzial sehr begrenzt wäre – je nach Studie in Österreich 150 bis 642 Mill. Kubikmeter. Das würde höchstens für die Substitution von sieben Prozent des Erdgasverbrauchs ausreichen.

“Die Biogas-Potenziale sind aber viel größer als bislang angenommen”, sagt der Forscher an der Universität für Bodenkultur. Laut einer Schätzung könnten in Österreich fast fünf Mrd. Kubikmeter Biogas hergestellt werden – und das, ohne dass andere Nutzungen der Felder beeinträchtigt wären. Das hieße, dass mehr als die Hälfte des Gasbedarfs ersetzt werden könnte. Oder zwei Drittel des Treibstoffbedarfs des Verkehrssektors.

Der Schlüssel für diese Vision heißt “integrierte Fruchtfolge”, durch die “alle Agrarflächen zusätzlich energetisch genutzt werden können”, so Amon. Und zwar ohne dass die Umwelt geschädigt würde. Ja im Gegenteil: Wenn die Gär-Rückstände – ein wertvoller Kompost – auf die Felder zurückgeführt werden, könnte man Mineraldünger komplett ersetzen.

In der Praxis heißt das zum Beispiel, dass vermehrt Zwischenfrüchte angebaut, Erntezeitpunkte verlagert oder andere Sorten angebaut werden. Zudem können praktisch alle organischen Reststoffe aus Landwirtschaft – etwa Stroh – und Industrie – etwa Rohglycerin aus Biodiesel-Anlagen – zu Biogas verarbeitet werden. Der Reaktor, in dem die Rohmaterialien unter Luftabschluss zu Methan vergoren werden, ist der Sammelpunkt all dieser Stoffströme. “Die Kunst dabei ist das richtige Mischungsverhältnis”, so Amon. Tierische Exkremente sind dabei nicht unbedingt notwendig, verbessern aber den Gärprozess.

Um das Potenzial voll ausschöpfen zu können, sind Fortschritte in der Technologie notwendig. Fermenter und Mischer müssen optimiert und der Aufschluss des Pflanzenmaterials etwa durch Dampf verbessert werden. Und: Überlegt werden muss, wie das dezentral hergestellte Biogas – zentrale Riesenanlagen sind nicht sinnvoll, weil der Transport von Pflanzen sehr teuer ist – zu den Verbrauchern gelangt.

Unterm Strich könnten jedenfalls zusätzlich riesige Energie-Mengen produziert werden: laut Amons Schätzungen rund 3500 Kubikmeter Biogas je Hektar. Zum Vergleich: Ein Hektar Mais, der ausschließlich für die Biogas-Erzeugung angebaut wird, liefert rund 6.000 Kubikmeter Gas.

Diese Ideen in der Praxis zu testen ist der Kern eines in Kürze startenden EU-Projekts, das Amon koordiniert. Partner sind Universitäten etwa in England, Dänemark oder Polen, mit an Bord sind Unternehmen wie Jenbacher oder der Anlagenbauer Vogelsang.

(Vgl. Meldung vom 2006-02-22.)

Source: Die Presse.com vom 2006-04-14.

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