25 Oktober 2007

BMVEL-Staatssekretär Lindemann: “Biomasse ist der wichtigste erneuerbare Energieträger”

Neue Konzepte im Energiepflanzenanbau vorgestellt

“Ohne die Energie aus Biomasse wird es uns in Europa und Deutschland nur schwer gelingen, die ehrgeizigen Ziele insbesondere beim Klimaschutz zu erreichen”, sagte heute Gert Lindemann Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) anlässlich eines vom Bundesministerium und der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) organisierten Energiepflanzensymposiums in Berlin.

Die Bundesregierung, so der Staatssekretär weiter, habe in Meseberg ambitionierte Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der Bioenergie formuliert. Diese beinhalteten, dass bis 2020 der Stromanteil aus erneuerbaren Energien auf 25 bis 30%, der Wärmeanteil aus erneuerbaren Energien auf 14% und der Biokraftstoffanteil auf 17% erhöht würden.

Lindemann betonte, die aktuelle Klimadebatte zeige sehr deutlich, dass der Klimaschutz uns immer mehr abverlangen werde. Auf den Beitrag der Energiepflanzen zum Klimaschutz könne dabei nicht verzichtet werden. Im Jahr 2006 habe die Bioenergie, die zu einem erheblichen Anteil auf Energiepflanzen beruht, in Deutschland eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 44 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent bewirkt. In diesem Zusammenhang wies er auch auf die aktuelle Diskussion um die Nachhaltigkeit des Energiepflanzenanbaus und der Bioenergie insgesamt hin. Diese Diskussion sei notwendig, müsse aber sachlich und differenziert geführt werden.

Energiepflanzen haben unter den biogenen Rohstoffquellen das größte Potenzial. Der Anbau von Energiepflanzen hat in Deutschland mit 1,75 Mio. Hektar, das sind mehr als 14% der rund 12 Mio. Hektar Ackerfläche, ein neues Rekordhoch erreicht. Langfristig könnte für den Anbau etwa ein Drittel unserer Ackerfläche genutzt werden. Das BMELV und die FNR gehen davon aus, dass der Energiepflanzenanbau auch bei nochmals deutlich wachsenden Flächenanteilen umweltverträglich gestaltet werden kann.

Das Symposium hat gezeigt, dass sich im Bereich der Anbauverfahren neue Möglichkeiten bieten, mit denen auf geeigneten Standorten höhere Biomasseerträge erzielt werden können. Besonders Mischfruchtanbau, Kurzumtriebsplantagen mit schnellwachsenden Baumarten sowie Agroforstsysteme bieten interessante Perspektiven für eine Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz. Ferner deuten erste Forschungsergebnisse darauf hin, dass silierte Biomasse grundsätzlich für die Produktion von Biomass-to-Liquid (BtL)-Kraftstoffen genutzt werden kann und sich damit wie erhofft, Perspektiven für eine Verarbeitung im ländlichen Raum ergeben können.

Um den Energiepflanzenanbau voran zu bringen sind aber weitere Anstrengungen in folgenden Bereichen notwendig:

  • Anpassung der Fruchtfolgen und der Anbausysteme
  • Züchtung von Energiepflanzen, die hohe Erträge, geeignete Inhaltsstoffzusammensetzungen und Resistenzen/ Toleranzen gegenüber biotischen und abiotischen Faktoren miteinander verbinden
  • Effiziente und intelligente Aufbereitungs- und Umwandlungstechnologien
  • Optimierung von Nährstoffkreisläufen.

Ein Kernthema der Konferenz war die Diskussion um die “Nutzungskonkurrenz” von Nahrungsmittelerzeugung und Bioenergie. Hierzu sagte der Staatssekretär: “Wir müssen das Thema ernst nehmen, sollten es aber auch nicht dramatisieren. Die relativ hohen Preise für landwirtschaftliche Produkte sind das Ergebnis globaler Marktentwicklungen und nicht einer Flächenknappheit in Deutschland. Höhere Rohstoffpreise sorgen im übrigen auch für Anreize für die Nahrungsmittelerzeugung. Wenn es sich finanziell lohnt, brauchen wir uns um die Zukunft der Nahrungsmittelproduktion in Deutschland keine Sorge zu machen. Zugleich verschlechtern hohe Rohstoffpreise natürlich auch die Wirtschaftlichkeit der Bioenergie. Hier wird der Markt für ein Gleichgewicht sorgen.”

Insgesamt diente das Symposium “Energiepflanzen” als ein Forum zur Diskussion aktueller Fragen der Energiepflanzenerzeugung und sollte einen Überblick über den Stand von Forschung und Entwicklung auf diesem Sektor und den notwendigen Handlungsbedarf aufzeigen. Zu dieser Konferenz kamen in Berlin ca. 270 Experten aus Politik, Forschung, Industrie und Landwirtschaft zusammen.

(Vgl. Meldungen vom 2007-07-23 und 2007-10-11.)

Source: Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV), Pressemitteilung, 007-10-24.

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