7 November 2008

BMBF fördert Forschungsprojekte zur Weißen Biotechnologie

Neue Förderinitiative "Anwendungsorientierte Forschung an nicht-pathogenen Mikroorganismen für Gesundheit, Ernährung und ressourceneffiziente Industrieproduktion"

Das Erbgut vieler Mikroorganismen ist entschlüsselt – die Basis dafür, dass Produkte der industriellen Biotechnologie entstehen. Nun hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine neue Förderinitiative zur Unterstützung anwendungsorientierter Forschungsprojekte mit Mikroorganismen gestartet.

Bereits seit 2001 unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Erforschung von Mikroorganismen – zunächst um ihren genetischen Grundlagen auf die Spur zu kommen und diese für Medizin, Landwirtschaft, Ernährung und Industrie zu nutzen. Innerhalb der Förderinitiative “Genomforschung an Mikroorganismen” wurde die in Deutschland vorhandene Expertise der Genomforschung an Mikroorganimsen in drei Kompetenzzentren in Bielefeld, Göttingen und Würzburg gebündelt.

Mit unterschiedlichsten Zielstellungen hatten sich die Forscher dort zum Ziel gesetzt, zunächst das Potenzial verschiedener ausgewählter Bakterien zu erschließen, die für einzelne Anwendungfelder in Medizin, Landwirtschaft oder Industrie von Interesse waren. Pro Standort haben sich jeweils rund 20 Kooperationspartner aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammengefunden, um an speziellen Fragestellungen in verschiedenen Gruppen zu arbeiten. Die hier aufgebauten Kompetenzen werden inzwischen seit 2006 unter dem Dach der Folgeförderinitiative “GenoMikPlus” weiter vom BMBF unterstützt, um vor allem kommerziell interessante Ergebnisse für den Markt zu entwickeln.

Neue Förderinitiative “Anwendungsorientierte Forschung an nicht-pathogenen Mikroorganismen für Gesundheit, Ernährung und ressourceneffiziente Industrieproduktion”
Ein solcher Ansatz wird auch im Rahmen der neuen Förderinitiative “Anwendungsorientierte Forschung an nicht-pathogenen Mikroorganismen für Gesundheit, Ernährung und ressourceneffiziente Industrieproduktion” verfolgt. Anders als bisher können nun auch Forschungsprojekte gefördert werden, die sich nicht nur Bakterien, sondern auch mit anderen Mikroorganismen wie Pilzen oder Hefen beschäftigen – unter Einsatz von neuen Technologien und Methoden aus der Genom-, Metagenom-, Proteom- und Metabolomforschung. Dabei sind vor allem integrative Kooperationen gefragt, die sowohl Mikrobiologie und Molekularbiologie als auch Biochemie, Chemie, Verfahrenstechnik, Biophysik sowie Informatik miteinander verknüpfen.

Inhaltlich sind folgende Themenschwerpunkte erwünscht:

  • Funktionelle Genom-, Metagenom-, Proteom-, Metabolom- und Fluxomanalysen an Mikroorganismen mit wichtigen Eigenschaften für Gesundheit, Ernährung und industrielle Verfahren sowie Produkte. Hierbei können nicht nur Prokaryonten, sondern auch Eukaryonten wie Hefen und Pilze (keine Pflanzen) bearbeitet werden, sofern der Bezug zur industriellen Produktion besteht (wie z.B. Saccharomyces cerevisiae, Candida rugosa, etc.). Die Vorhaben müssen nicht notwendigerweise auf einer bekannten Sequenz aufbauen. Hier können auch bestehende Metabolomdatenbanken (sofern vorhanden) benutzt werden. Darüber hinaus können nicht nur Endo-Metabolome, sondern auch Exo-Metabolome (z.B. aus dem Habitat) untersucht werden.
  • Methodenentwicklung im Bereich der Genom-, Proteom- sowie der Metabolom-/ Fluxomforschung. Dies schließt die Entwicklung neuer Expressionssysteme sowie neuer Messverfahren zur quantitativen Erfassung von Metaboliten von der Probennahme, über die Probenprozessierung bis zur Probenanalyse und automatisierten Auswertung (Bioinformatik) ein. Auch Methoden zur reversen Genomik können hier entwickelt werden
  • Neue oder neuartige Naturstoffe mit funktionellen Eigenschaften und industrieller Relevanz, welche unter Verwendung mikrobieller Systeme (Prokaryonten und auch Eukaryonten) hergestellt werden können.
  • Einsatz von modernen Methoden der Genomforschung bei mikrobiellen Prozessen; dabei geht es auch um die Kombination von Stammentwicklung und Bioprozesstechnik im Sinne der Optimierung mikrobiologischer Stoffwechselwege.

Vorhaben können auch integrative Forschungsansätze umfassen, die über alle Anwendungsfelder zur Verbesserung bestehender oder der Entwicklung neuer mikrobieller Verfahren auf Basis genombasierter Ansätze beitragen. Dabei werden auch verbesserte Eigenschaften von Mikroorganismen berücksichtigt, die eine deutliche Effizienzsteigerung des jeweiligen Gesamtverfahrens (inklusive Aufarbeitung – Downstream Processing) zulassen. Auch eine Verknüpfung bestehender Verfahren mit Analytikverfahren (Biochips, z.B. elektrisch auslesbare Transkriptomanalyse) mit dem Ziel eines unmittelbaren Eingriffs in den Herstellungsprozess ist darunter zu verstehen.

Anträge können für drei Module (A, B, C) beim Projektträger Jülich eingereicht werden, die unterschiedliche Abgabefristen haben:

Modul A: Transfer (Antragsfrist: 15. Januar 2009)
Bewerben sollten sich hier Verbundvorhaben aus der akademischen Forschung mit kommerziell interessanten Ideen. Neben der Kooperation von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sollte die frühzeitige Einbindung von Unternehmen – insbesondere auch von kleinen und mittleren Unternehmen – angestrebt werden.

Modul B: Nachwuchsgruppen (Antragsfrist: 15. Januar 2009)
Hier werden anwendungsorientierte F&E-Projekte von Post-Docs unterstützt, die gemeinsam mit Unternehmen durchgeführt werden. Hierbei sind insbesondere auch Forscher im Ausland angesprochen, die an eine Einrichtung in Deutschland zurückkehren wollen.

Modul C: Industrie (Antragsfrist: 15. Juli 2009)
In Ergänzung zu Modul A können sich hier Unternehmen mit Einzel- oder Verbundvorhaben bewerben, die ein F&E-Projekt in den oben genannten Themenschwerpunkten verfolgen wollen, dass auf eine konkrete Produkt- und/oder Verfahrensentwicklung abzielt.

Weitere Informationen
Offizielle Bekanntmachung des BMBF

Kontakt
Projektträger Jülich
Christoph Wennemann
E-Mail: c.wennemann@fz-juelich.de

Source: biotechnologie.de, 2008-11.

Supplier

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email