12 Dezember 2000

Biotechnik optimiert Wollfasern

Wollpullover, die weder auf der Haut kratzen noch verfilzen, wurden im Rahmen der 10. Internationalen Wollforschungskonferenz in Aachen vorgestellt. Angesichts der Konkurrenz von modernen Vliesstoffen, die extrem leicht, flauschig und vollwaschbar sind, steht die Wollwirtschaft unter einem enormen Innovationsdruck. Da auch die Nachfrage nach edlen Naturfasern wie Kaschmir, Mohair und Angora stark im Steigen begriffen ist, wäre eine weichere Wolle eine willkommene Alternative.

Bei der Wollherstellung wird die Schuppenstruktur der Naturfaser, die beim Waschen zum Verfilzen führt bisher durch Oxidation mit Chlor und einem Überzug aus chlorhaltigem Kunstharz zerstört. Die Veredlung der Faser belastet die Abwässer stark. Dieses Verfahren soll zukünftig durch eine neue Plasmatechnologie ersetzt werden. Hierbei werden der Wolle mittels elektrisch geladener Edelgase Ionen entzogen. Zusammen mit einem neuen, chlorfreien Kunstharz der Firma Bayer wird die Umwelt entlastet. Bis zur industriellen Einsetzbarkeit des Verfahrens dürften nach Angaben der Tageszeitung “Die Welt” allerdings noch mindestens fünf Jahre vergehen.

Mit konventionellen Maschinen kommt dagegen ein zweites neues Verfahren aus, welches die Wollfaser mit Hilfe einer Enzymtechnologie veredelt. Nach Auskunft von Brigitte Küppers vom Deutschen Wollforschungsinstitut (DWI) modifizieren die Enzyme die Faser an der Oberfläche, so dass sie nicht mehr verfilze. Ausserdem nehme die Faser beim Färben die Farbe leichter an.

Durch die Optimierung der Naturfaser könnte es gelingen, neue Einsatzgebiete und Märkte für die Schafwolle zu erobern.

Autor: Klaus-Martin Meyer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Die Welt vom 12.12.00.

Source: Die Welt vom 12.12.00.

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