7 März 2006

Biotech-Standort Teterow: Hubert Loick baut auf Glycerin

Bioraffinerien (nicht nur) für Kunststoffe aus Mais und Getreide

Bis 2030 wollen die USA 25 Prozent der organischen Grundstoffe und 10 Prozent der Öle und Kraftstoffe mit Hilfe von Biotechnologien produzieren, auch Europa hat entsprechende Förderprogramme aufgelegt. Chemiker bescheinigen nachwachsenden Rohstoffen ein großes Potenzial, vor allem vor dem Hintergrund steigender Erdölpreise.

Die Chemiefirma Degussa investiert deshalb in den nächsten fünf Jahren 50 Millionen Euro in ihr Zentrum für weiße Biotechnologie. Dort sucht man nach neuen Katalysatoren, mit denen aus Pflanzen so genannte Biopolymere hergestellt werden können.

Stefan Buchholz, der Leiter des Zentrums, erinnerte dabei an frühere Erfolge, Nylon wurde zum Beispiel bis zu Beginn der 1960er Jahre aus Furfural hergestellt, einem Stoff aus Getreideabfällen. Die Idee, Autoreifen aus Pflanzen zu produzieren (“Deutscher Kautschuk aus französischem Rotwein”), sei dagegen damals gescheitert. “Heute verfügen wir jedoch über neue technische Möglichkeiten”, sagt Buchholz.

Der Landwirt und Unternehmer Hubert Loick baut nun in Teterow, Mecklenburg-Vorpommern, eine Bioraffinierie auf, die Glycerin verarbeitet. Dieses entsteht als Nebenprodukt bei der Biodieselproduktion und wird von Biodieselherstellern – noch – als Abfall verschmäht. Dabei kann es – entsprechend aufbereitet – an die Pharma-, Kosmetik- und Nahrungsmittelindustrie verkauft werden.

Im Bau befindet sich auch ein Kraftwerk, das im Herbst 2007 mit einer Leistung von zwei Megawatt pro Stunde in Betrieb gehen soll. Das Kraftwerk verarbeitet landwirtschaftliche Produkte zu Biogas, das auf Erdgasqualität aufbereitet und (erstmalig in Deutschland) ins Netz gespeist wird.

Gleichzeitig entstehen überall Blockheizkraftwerke. Hubert Loick ist überzeugt, daß dadurch weitere Biotechnologie-Unternehmen angezogen werden, weil diesen günstige Energie zur Verfügung gestellt wird. “Ich glaube, dass wir deshalb in Teterow die Ersten sind, die irgendwann Kunststoffe wie Polylactid produzieren”, sagt Loick.

(Vgl. Meldungen vom 2005-05-18 und 2003-07-15.)

Source: Berliner Morgenpost vom 2006-03-06.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email