11 Februar 2008

Biosprit: Rodung und Dünger schaden Klimabilanz

Forscher bezweifeln CO2-Einsparung durch Agrotreibstoffe

Biokraftstoffe schonen nicht in jedem Fall das Klima. Werden Wälder, Weiden oder Moore in Ackerland umgewandelt, werden große Mengen an klimaschädlichem Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt. Ist die Produktion von Biokraftstoffen verantwortlich für diese Änderungen der Landnutzung, so können sie sogar stärker als fossile Kraftstoffe zum Klimawandel beitragen. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Studien, die Ende Januar in der wissenschaftlichen Zeitschrift Science veröffentlicht wurden.

Ein Forscherteam um Joseph Fargione von der Naturschutzorganisation The Nature Conservancy gibt an, die durch Biokraftstoffe verursachte Umwandlung von tropischen Regenwäldern, Mooren, Weiden und Savannen in Brasilien, Südost-Asien und den USA erzeugte CO2-Freisetzung übersteige die CO2-Einsparung der Biokraftstoffe gegenüber fossilen Treibstoffe um das 17- bis 420-fache.

Auch Timothy Searchinger von der Princeton University und Kollegen berücksichtigten Landnutzungsänderungen bei ihren Berechnungen der Klimawirkung von Biokraftstoffen. Für die Ethanolproduktion auf Maisbasis kamen sie auf fast verdoppelte Klimagasemissionen bei der Betrachtung eines 30-Jahres-Zeitraums. Wird auf Ackerflächen in den USA statt Mais Chinaschilf kultiviert, steigen die Emissionen immer noch um die Hälfte.

Beide Forscherteams betonen die Bedeutung, die die Nutzung von Abfällen zur klimaschonenden Biokraftstoffproduktion hat, allerdings ohne diesbezüglich detaillierte Analysen anzustellen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten zwei Studien Zweifel an den grundsätzlich positiven Umweltwirkungen von Biokraftstoffen angemeldet: Das schweizerische Forschungsinstitut Empa, das die Ökobilanzen verschiedener Biotreibstoffe untersucht hatte, bescheinigte zwar den meisten der untersuchten Biokraftstoffe geringere Klimagasemissionen im Vergleich zu Benzin und Diesel. Die Umweltbelastung insgesamt lag jedoch bei vielen Biokraftstoffen deutlich höher als bei fossilen Treibstoffen – in Einzelfällen um bis zu 500%. (Vgl. Meldung vom 2007-05-23.)

Chemie-Nobelpreisträger P.J. Crutzen vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz vermutet, dass die Mengen des beim Nutzpflanzenanbau emittierten Lachgases bisher stark unterschätzt wurde. Nach seinen Berechnungen werden bis zu fünf Prozent des in Düngemittel enthaltenen Stickstoffoxids in die Atmosphäre abgegeben statt – wie bisher angenommen, rund zwei Prozent. Auf dieser unter Wissenschaftlern umstrittenen Grundlage schätzt der Chemiker, dass Biokraftstoffe stärker zur Erderwärmung beitragen als fossiler Sprit.

Weitere Informationen

(Vgl. Meldungen vom 2007-09-25 und 2007-10-22.)

Source: Science, 2008-02.

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