20 Januar 2012

Bioökonomierat: Mit Biotechnologie zur Energiewende

Biomasse muss in Zukunft effizienter verwertet werden

Bis zum Jahr 2050 will die Bundesregierung ein Drittel des Energieverbrauchs mit Biomasse bestreiten. Das heißt doppelt so viel Bioenergie wie heute. Der Bioökonomierat hat nun Empfehlungen veröffentlicht, wie das ohne Konkurrenz von Tank und Teller funktionieren soll. “Der Rat empfiehlt nichts weniger als eine Bioenergiewende”, sagte Ratsmitglied Joachim von Braun in Richtung der Regierung in Berlin. Wie sie erreicht werden soll? Unter anderem mit biotechnologisch veränderten und damit ertragreicheren Energiepflanzensorten. Methoden der Gentechnik können “einen Beitrag zur Steigerung der Nachhaltigkeit leisten”, heißt es in dem Bericht. Angeregt wird auch die verstärkte und mehrstufige Nutzung von biologischen Ressourcen in Bioraffinerien.

Der Bioökonomierat wurde 2009 gegründet, um die Bundesregierung in der Umstellung der deutschen Wirtschaft auf ein nachwachsendes Fundament zu beraten. Jetzt haben die ehrenamtlich arbeitenden Experten ihre dritte Empfehlung herausgegeben. Passend zum Start der weltweit größten Agrarwirtschaftsmesse, der Grünen Woche in Berlin, ging es diesmal darum, wie ein Mehr an Bioenergie erreicht werden soll, wo doch schon jetzt 20 Prozent der gesamten Agrarfläche Deutschlands für den Anbau für Energiepflanzen genutzt werden. In diesem Jahr muss Deutschland deshalb erstmals seit 25 Jahren wohl wieder Getreide importieren. Die gesteigerte Nachfrage nach Energiepflanzen wurde zudem für die Preissprünge bei Nahrungsmitteln 2009 verantwortlich gemacht.

Neue Sorten mit höherem Ertrag und weniger Wasserverbrauch

Bis 2050 soll sich der Anteil der Bioenergie in Deutschland noch mal verdoppeln. Nach Ansicht des Rats stößt dieses Vorhaben schon jetzt etwa beim Flächenverbrauch an natürliche Grenzen. “Wir sind der Auffassung, dass nicht alles geht”, sagte Ratsmitglied Fritz Vahrenholt in Berlin. Der neben ihm sitzende Ratsvorsitzende, Reinhard Hüttl, ergänzte. “Es geht nur, wenn auf den vorhandenen Flächen die Erträge steigen.” Ein Mittel dazu seien “biotechnologische Verfahren”, schreibt das Expertengremium in der 35-seitigen Stellungnahme. Mit ihnen könnten neue Pflanzensorten gezüchtet werden, “mit höheren Energieerträgen pro Flächeneinheit und hoher Wassereffizienz”. Auch Sorten, die weniger Dünger oder Herbizide benötigen, seien notwendig. “Wir müssen alle Technologien und Optionen in Betracht ziehen”, sagte Hüttl. Angesprochen auf die gentechnikkritische Stimmung in Deutschland, die vor kurzem BASF dazu bewog, die Forschungsaktivitäten in der Pflanzenbiotechnologie in die USA zu verlegen, fügte er hinzu: “Ob sie dann auch eingesetzt werden, hängt von den gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern ab.” In anderen Teilen der Welt wie USA oder China sei Gentechnik kein Zankapfel.

Die Steigerung des Ertrags ist eine Möglichkeit, die bessere Nutzung der vorhandenen Biomasse eine andere. Das betrifft erstens die Verwendung von bisher ungenutzten Quellen wie Restholz, Stroh, Straßenbegleitgrün, Lebensmittelabfällen, Gülle oder Abwässer. Auch hier spielt die Biotechnologie eine große Rolle, etwa bei der Vergärung zu Biogas. Im Augenblick wird intensiv daran geforscht, bisher schwer zu knackende Materialien wie Cellulose durch spezielle Enzyme aufzuschließen und damit verfügbar zu machen. In einem zweiten Schritt soll aus dem so aufbereiteten Biokohlenstoff nicht nur Methan, sondern in Bioraffinerien alle möglichen Grundchemikalien entstehen. Wie die grünen Fabriken der Zukunft funktionieren könnten, erforscht zum Beispiel das BMBF-Verbundprojekt Bioraffinerie2021.

Deutsche Bioökonomie weltweit gut positioniert

Ratspräsident Reinhard Hüttl ist sich sicher, dass in diesem Bereich der Kaskadennutzung noch viel Potenzial liegt. “Deshalb freut es mich besonders, dass unter den gerade ausgewählten BMBF-Spitzenclustern auch eines aus der Bioökonomie kommt.” Am gestrigen Donnerstag gewann “BioEconomy in Mitteldeutschland”, ein Verbund aus dem Raum Leuna, eine Förderung von maximal 40 Millionen Euro. Kernstück des Netzwerks aus Partnern in Sachsen und Sachsen-Anhalt ist eine Lignocellulose-Bioraffinerie am Chemiestandort Leuna, in der die vollständige Verwertung von Holz getestet wird. Das BMBF und das Land Sachsen-Anhalt fördern die Bioraffinerie bereits im Rahmen des Chemisch-biotechnologischen Prozesszentrums (CBP). “Mit den Spitzenclustern sollen weltweit Führungspositionen aufgebaut werden”, so Hüttl. “Im Bereich Bioökonomie ist Deutschland ja bereits sehr gut positioniert.” Wie stark sich Hüttl, der selbst in der Spitzencluster-Jury saß, sich für Leuna eingesetzt hat, verriet er allerdings nicht.

Die Empfehlungen wurden von den anwesenden Vertretern der Ministerien durch die Bank begrüßt. “Es freut mich, dass der Rat hier eine wichtige Botschaft übermittelt hat”, sagte etwa Christoph Rövekamp, Leiter des Referats Grundlagenforschung Energie im Bundesministerium für Bildung und Forschung. “Forschung und Entwicklung ist wichtig dafür, dass die Energiewende gelingt.”

Source: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), 2012-01-20

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