31 Mai 2012

Bioökonomie: Die USA steigen ins Rennen ein

"BioPreferred Program" soll Erforschung und Kommerzialisierung biologischer Prozesse vorantreiben

Als eines der ersten Länder überhaupt hat Deutschland großangelegte Maßnahmen eingeleitet, um die Bioökonomie zu fördern. Im Rahmen der Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 wird die Forschung und Entwicklung mit 2,4 Milliarden Euro unterstützt. Doch der Pionier Deutschland hat Konkurrenz bekommen: die Niederlande, Dänemark, Irland, Schweden, Norwegen und Flandern haben ebenfalls Programme aufgesetzt. Auch die USA steigen jetzt in dieses Rennen ein und haben ein programmatisches Papier vorgelegt.

Ein gutes halbes Jahr nach der Ankündigung eines “National Bioeconomy Blueprint” erklärte US-Präsident Barrack Obama jetzt die Bioökonomie zur Chefsache. Nach dem im US-Haushalt bereits priorisierten, aber noch unbezifferten “BioPreferred Program” sollen die Erforschung und Kommerzialisierung biologischer Prozesse künftig “zum Haupttreiber der US-Wirtschaft und -Innovation ausgebaut werden”. “Diese Initiative Amerikas ändert den bisherigen Charakter der Bioökonomie dramatisch”, kommentierte Bioökonomie-Experte Christian Patermann am Tage der Verkündung des Programmes vor Staatssekretären und Unternehmensvertretern am Rande einer Tagung im norddeutschen Fleesensee. “Waren die bisherigen Aktivitäten zur Bioökonomie auf Nordeuropa, Deutschland und die Benelux-Staaten konzentriert, ist sie nun international hoffähig geworden.

Globale Dynamik erreicht
Wir haben es mit einer globalen Initiative zu tun”, so der geistige Vater der Bioökonomie-Förderung in Europa. Der langen Zeit des Pläneschmiedens müssten nun auch in Deutschland konkrete Maßnahmen folgen, so Patermann.

Die US-Administration zumindest hat sich laut dem Entwurf ein straffes Programm verordnet, damit auch beim Thema Bioökomie “niemand Innovationen besser umsetzt als Amerika”, so Obama. Angesichts des großen wirtschaftlichen Potentials, die Ökonomie von petrochemischen auf biobasierte Prozesse umzubauen, sollen die Bedingungen für die Forschungsförderung, den Technologietransfer, die Kennzeichnung und Vermarktung biobasierter Produkte so geändert werden, dass entsprechende Forschungsprojekte und Produkte absoluten Vorrang genießen. Die derzeit 167 Milliarden US-Dollar, die US-Firmen mit Hilfe der Grünen, Roten und Weißen Biotechnologie pro Jahr einnehmen, sollen nicht das Ende sein. Um die Umsätze durch biobasierte Technologien weiter zu steigern, sollen die Forschungsbudgets für multidisziplinäre Konsortien aufgestockt und neue Fördermechanismen etabliert werden, um auch riskante Forschungsvorhaben mit hohem Innovationspotenzial zu unterstützen.

Zukunftstechniken wie die Synthetische Biologie fördern
Unter anderem soll der Technologietransfer vom Labor zum Markt beschleunigt werden. Regulatorische Barrieren, die der Vermarktung entgegenstehen, sollen beseitigt werden. Auch Aus- und Fortbildungsprogramme werden überarbeitet und Public-Private Partnerships unterstützt.

Dem US-Plan zufolge müssen Zukunftstechniken wie die Synthetische Biologie oder Bioinformatik nicht nur auf Forschungs-, sondern auch politischer Ebene ausdrücklich gefördert werden, um Fortschritte in der Gesundheitsforschung, Agrobiotechnologie, der Bioproduktion und dem Umweltschutz zu ermöglichen. Flankiert werden die fünf strategischen Pfeiler des Programms durch Initiativen unter Federführung des US-Landwirtschafts- und -Gesundheitsministeriums. So ist etwa geplant, in den Datenbanken der US-amerikanischen Arzneiaufsicht FDA gespeicherte Daten zu klinischen Studien mit Patientendaten abzugleichen, um das Ansprechen der Patienten auf bestimmte Wirkstoffe auf breiter Basis zu erfassen. Die klinische Forschung mit induzierten pluripotenten Stammzellen soll ausgebaut werden. Zudem wollen die Behörden im Rahmen des BioPreferred-Programmes Bio-Label und entsprechende Vergabekriterien etablieren, die den Herstellern biobasierter Produkte die Vermarktung vereinfachen.

Source: Biotechnologie.de, Pressemitteilung, 2012-05-31.

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