28 September 2004

Biomassekraftwerke: Nur Größe rechnet sich

Ohne Subventionen könnten die Kleinen einpacken

“Wärme und Strom aus Stall, Feld und Wald haben Zukunft”, ist Bayerns Landwirtschaftsminister Josef Miller überzeugt. Dort arbeiten immerhin schon ein Drittel aller deutschen Biomasseanlagen. Allein solche landwirtschaftlich betriebenen Anlagen könnten nach Schätzung des Bundesverbraucherministeriums jährlich zwischen 26 TWh und 32 TWh Strom oder 5% der Bruttostromerzeugung generieren.

Physikalisches Handicap für kleinere Feuerungen war lange Zeit die erforderliche Brenntemperatur für eine effiziente Stromerzeugung mittels Dampfturbine. Dieses konnte inzwischen durch den so genannten Organic Rankine Cycle (kurz: ORC-Prozess) behoben werden. So wird anstelle von Wasser ein organisches Arbeitsmedium wie z.B. Silikonöl eingesetzt, welches das Wärmeniveau dezentraler Biomasse-KWK-Anlagen auf 300°C herab setzt. “Der ORC-Prozess ist marktreif und eine überragende Technologie”, weiß Erwin Reisenhofer von der Bios Bioenergiesysteme im österreichischen Graz. Der ideale Einsatzbereich bei der Biomasse-Verstromung liege zwischen 300 kW und 1.200 kW elektrischer Leistung. Noch kleinere Anlagen seien zwar technisch realisierbar, aber noch zu teuer.

Ein Vergleich von 40 verschiedenen, bereits verfügbaren Verfahren zur Bioabfall”veredelung” brachte laut Ludwig Leible vom Forschungszentrum Karlsruhe ein großes Manko zu Tage: So kostet 1 MWh elektrischer Energie in einem 500 MW-Steinkohlekraftwerk 45 EUR, wohingegen der gleiche Strom aus einer 140-kW-Biogas-Gülle-Anlage 80 EUR kostet. Noch höher ist die die MWh Strom aus einem Biomassekraftwerk, das Restholz oder Stroh verwertet: 120 EUR.

Somit werden wohl zunächst Biogas- bzw. Klärgasanlagen die Schwelle zur Wirtschaftlichkeit überschreiten, gefolgt von der Beifeuerung fester Landwirtschaftsabfälle im konventionellen Steinkohlekraftwerk. Bei einem Anteil von 5% bis 10% Biomasse kostet hier 1 MWh Energie zwischen 90 und 100 EUR.

Dank der Bonusvergütungen aus dem künftigen EEG stellt also die Energiegewinnung aus Feldprodukten für immer mehr Landwirte eine lukrative Einkommensquelle dar. Und Verbraucherministerin Künast sieht “hier ein enormes Potenzial für die Entwicklung vor allem strukturschwacher ländlicher Räume.”

(Vgl. Meldungen vom 2003-08-29 und 2002-08-16.)

Source: VDI nachrichten vom 2004-09-17.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email