13 April 2004

Biomasse als Wirtschaftsmotor für das Burgenland

Bei der Nutzung erneuerbarer Energieträger konnte das Burgenland in den letzten Jahren mit einer großen Zahl von innovativen Projekten vielfach eine Vorreiterrolle einnehmen. Auch im Hinblick auf die EU-Erweiterung stellt die Forcierung umweltfreundlicher Energiequellen eine große Chance dar. Die Biomasse-Initiativen rund um das Forschungszentrum Güssing zeigen die Möglichkeiten einer verstärkten Biomassenutzung hinsichtlich Wertschöpfungs- sowie Umweltschutzeffekten deutlich auf.

Erklärtes Ziel ist es daher, die Biomasse-Energieleistung im Burgenland im nächsten Jahrzehnt zumindest zu verdoppeln und den Biomasse-Anteil am Gesamtenergieaufkommen dadurch deutlich zu steigern. Und was – nicht zuletzt auch dank der geografischen Lage des östlichsten österreichischen Bundeslandes – von besonderer Bedeutung ist: “Der erfolgreiche burgenländische Weg kann auch zum Modell für die Erweiterungsländer wenden”, wie der zuständige Landesrat, Paul Rittsteuer, in Güssing erklärte.

Im Bereich der Biomasse-Fernwärme ist im Burgenland nach vielfach noch belächelten Anfängen vor 15 Jahren mit Hilfe der Erklärung zum Ziel-1-Gebiet und den damit verbundenen Förderungen der Durchbruch gelungen. So konnten bisher 35 Biomasse-Fernwärmeanlagen mit einer Gesamtleistung von 62 Megawatt und Gesamtinvestitionskosten von 55 Millionen Euro errichtet werden. Derzeit werden 3.300 burgenländische Haushalte mit umweltfreundlich erzeugter Fernwärme versorgt. Für die nächsten Jahre sind sechs weitere größere Anlagen im Bereich der Kraftwärmekopplung und 15 Wärmeversorgungen mit Schwerpunkt im Mikronetzbereich geplant.

Bezogen auf die Einwohnerzahlen liegt das Burgenland im Bundesländervergleich mit einer installierten Biomasse-Fernwärmeleistung von 191 Kilowatt pro 1.000 Einwohner an zweiter Stelle der Österreich-Wertung. Die Region Güssing mit ihren zwölf Biomasse-Anlagen ist überhaupt jene österreichische Region, die auf die höchste Dichte an Biomasse-Fernwärme stolz sein darf.

Pro Jahr werden in den burgenländischen Biomasse-Fernwärme-Anlagen rund 200.000 Schüttraummeter Holzhackgut aus heimischen Wäldern CO2-neutral zur Energiegewinnung verbrannt. Der Heizwert entspricht rund 15 Millionen Liter Heizöl, wodurch die klimaschädlichen CO2-Emissionen im Burgenland um beachtliche 52.000 Tonnen gesenkt werden.

Rittsteuer verweist darüber hinaus aber auch noch auf einen anderen wesentlichen Aspekt: “Neben dem Umwelt- und Klimaschutz bringt die Biomassenutzung auch große wirtschaftliche Vorteile. Derzeit werden im Burgenland durch den Ersatz von Fossilenergie jährlich allein rund 20 Millionen Euro an Folgekosten von Umweltschäden eingespart. Zudem wird ein jährlicher Wertschöpfungsabfluss von 5,2 Millionen Euro in das Ausland verhindert. Die tatsächlichen Wirtschaftsimpulse der Biomassenutzung für den ländlichen Raum zeigen sich gerade in der Region Güssing mit 600 neuen qualifizierten Arbeitsplätzen durch Betriebsansiedelungen, siehe Paketindustrie und Trocknungswerke, deutlich.”

Durch die Vorreiterrolle mit dem Biomasse-Kompetenzzentrum und den zahlreichen Forschungsprojekten – von der Kraft-Wärme-Kopplung und der Gasreinigung über die Wasserstoffgewinnung und die Brennstoffzellenversuche bis hin zur Treibstoffgewinnung aus Holz und solaren Kühlsystemen – ist Güssing mittlerweile auch zum Zentrum des Ökoenergie-Tourismus mit 350 Fachbesuchern pro Woche geworden, wodurch über die Umwegrentabilität die ganze Region profitiert. Und: Burgenländisches Know-how auf dem Biomasse-Sektor wird immer stärker auch vom nahen Ausland nachgefragt und erweist sich als zu nehmend attraktiver “Exportartikel”.

Wichtig für die positive Biomasse-Entwicklung im Burgenland war schließlich auch die Konzentration des Angebotes an Hackschnitzeln und die Schaffung einer funktionierenden Zulieferlogistik. Diese Aufgabe wurde vom Burgenländischen Waldverband wahrgenommen. Hier wurden in den letzten Jahren mit Investitionen in der Höhe von neun Millionen Euro insgesamt acht – im wahrsten Sinne des Wortes – schlagkräftige Holzernteketten mit modernsten Erntemaschinen geschaffen, um so die Durchforstung und die nachhaltige Pflege des Waldes zu verbessern. Die jährliche zusätzliche Wertschöpfung durch den Hackgutverkauf liegt heute immerhin bei 2,7 Millionen Euro.

“Mit rund 120.000 Hektar sind etwa 30 Prozent unserer Landesfläche bewaldet, und nur mit einer ordnungsgemäßen Pflege ist der Gesundheitszustand des Waldes aufrecht zu erhalten. Wenn man bedenkt, dass heute noch ein Drittel unseres jährlichen Holzzuwachses ungenutzt bleibt und es auch im Bereich der landwirtschaftlichen Flächen angesichts des Rückgangs der Viehwirtschaft großes Potenzial für den Anbau von erneuerbaren Rohstoffen gibt, sind der Biomassenutzung im Burgenland – auch im Hinblick auf die Biogas- und Biodieselproduktion – kaum Grenzen gesetzt. Wir müssen diese Wertschöpfungs- und Umweltchance, nicht zuletzt auch über den Ausbau unserer Forschungsarbeit, nützen”, zeigt sich Landesrat Rittsteuer überzeugt.

(Vgl. Meldungen vom 2003-12-02 und 2003-06-11.)

Source: ÖKOENERGIE März 2004 vom 2004-04-10.

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