29 August 2001

Biologische Gewinnung von Hanffasern für technische Bereiche nun möglich

Den Wissenschaftlern der Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik in Tänikon (Schweiz) gelang es kürzlich, ein neues Verfahren zu entwickeln, das eine biologische Gewinnung von hochwertigen Hanf-Einzelfasern ermöglicht, wie sie für anspruchsvolle technische Anwendungen z.B. in der Textil- und Kunststoffindustrie benötigt werden. Traditionell erfordert die Einzelfasergewinnung der Hanfpflanze einen ökologisch und ökonomisch bedenklichen Energie- und Chemikalienaufwand, aufgrund dessen das Endprodukt bisher in eine hochpreisige Marktnische gedrängt wurde.

Die Forscher aus Tänikon erkannten, dass eine Entholzung der frischen Stängel vor der Feldröste (Frisch-Entholzung) mit einer anschließenden, kontrollierten Aufschlussbehandlung (Degummierung – Befreiung der Faserbündel von Klebesubstanzen wie Lignin, Pektin und Hemicellulose) durch Mikroorganismen nicht nur höchste Faserqualität, sondern auch eine wirtschaftlich konkurrenzfähige Alternative zu Baumwolle oder Glasfasern gewährleistet. Somit ließen sich Hanf-Einzelfasern bei angepassten Preisen sowohl umweltverträglich als auch anspruchsgerecht für die moderne Rotorspinnindustrie oder den Einsatz in Verbundwerkstoffen erzeugen.

Leider lässt sich die Frisch-Entholzung mit konventionellen Brechwalzensystemen nicht durchführen. Hierfür arbeitet man an der Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik in Tänikon mit einem neuen Prototyp-System, das langsam rotierende Quetschwalzen mit schneller rotierenden Spleisswalzen kombiniert.

Obwohl die bisherigen Tests ergaben, dass das Verfahren nicht nur weniger arbeitsaufwändig ist als die bisherigen und zur Folge hat, dass durch eine erheblich verkürzte Trockenzeit der entholzten Fasern eine höhere Erntesicherheit gegeben ist, sind noch einige Entwicklungsschritte bis zur endgültigen Praxisreife vonnöten. So ist geplant, das Mähen und Entholzen in einem Arbeitsschritt zu ermöglichen, wobei das gleichzeitige Auffangen der anfallenden Holzschäben einen weiteren ökonomischen Vorteil mit sich brächte.

Die Vorteile der biologischen Degummierung mit vorausgehender Frisch-Entholzung liegen auf der Hand. Durch die Vorab-Trennung von Bast und Schäben entstehen weniger Transportkosten, es gibt weniger Wasserverbrauch und -verschmutzung sowie eine Faser höchster Qualität. Könnte das Verfahren seine industrielle Umsetzung erreichen, würden Hanffasern der Bestklasse sowohl in der Textil-, als auch in der Kunststoffindustrie oder im Leichtbaubereich ein marktreifer nachwachsender Rohstoff.

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Ressort Forschung und Technik vom 29. August 2001.

Source: Neue Zürcher Zeitung, Ressort Forschung und Technik vom 29. August 2001.

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