1 April 2001

Biologisch Abbaubare Werkstoffe (BAW) – Fachtagung in Würzburg

Viele Resümees wurden gezogen auf der 8. Fachtagung BAW, die am 20. und 21 Februar 2001 unter Leitung von Professor Johannes Schroeter (FH Rosenheim) statt fand. Einige Themen betrafen z.B. die höheren Preise der neuen Werkstoffe, das Entsorgungsverbot über die Biotonne oder die Probleme mit petrochemischen Zusätzen für das Erreichen gewünschter Gebrauchseigenschaften sowie die Unterscheidungsfähigkeit der künftigen Verbraucher bei der Entsorgung.

Vertreter von Biocorp berichteten von ihrem Großeinsatz ihrer BAW-Produkte bei den Olympischen Spielen in Sidney, der für die Veranstalter ein Erfolgsprojekt war, da die höheren Einkaufspreise durch niedrigere Entsorgungskosten wettgemacht werden konnten. Dennoch konnte Biocorp nicht den erwünschten Imagegewinn verbuchen und musste seine deutsche Niederlassung schließen.

Die schweizer Herstellerfirma Petroplast ist eher optimistisch. Nach Verbraucherbefragungen scheint die Bevölkerung bereit, Aufpreise für Verpackungen in Kauf zu nehmen, wenn damit ein Doppelnutzen des Materials in Form von Kompostbeuteln entstünde. Um die Biofolie von herkömmlichen abzuheben, bedruckt das Unternehmen sie mit Rautenmustern und einem Kartoffelmännchen, das erklärt: “Tausendmal lieber kleinkariert als einfach Plastik!”

Zuversichtlich äußerte sich auch die Firma Apack (Markt Erlbach), deren Produkte bereits alle ihre Zulassung als Lebensmittelverpackungen haben. Seit vergangenem Jahr beliefert sie u.a. den Geflügelkonzern Wiesenhof.

Die Autobar-Gruppe, die ihre technischen Probleme mit Getränkebechern inzwischen gelöst hat, mokierte sich indes über die herrschende Preispolitik, was auch eine Vertreterin von eurea auf den Plan rief. Dem ständigen Druck der Billig-Verbraucher sollte entgegengewirkt werden, schließlich habe die BSE-Krise gezeigt, wohin das führe.

Erstmals meldete sich auf der BAW-Fachtagung auch ein Handels-Vertreter zu Wort. Die Firma Tegut sieht gute Absatzchancen für BAW vor allem im Öko-Sektor. “Da darf es am ehesten etwas mehr kosten!” Dem Kunden müsse über eine deutliche Marketingstrategie der Umweltnutzen durch BAW-Verpackungen vermittelt werden. Dies ließe sich bzgl. nachwachsender Rohstoffe mit dem Argument des geschlossenen Stoffkreislaufs am einleuchtendsten bewerkstelligen. Nur Qualitätskompromisse sollten vermieden werden, da sei der Verbraucher nicht zu unterschätzen.

Weiterhin erfuhren die Tagungsteilnehmer von den Schwierigkeiten im Gartenbau, wo Folien oftmals lange gelagert und mehrfach verwendet werden, wie Dr. Linda Groot von der Forschungsgemeinschaft BAW (FBAW) erklärte. Über die Vereinheitlichung von Normungsstandards der Bereiche Deutschland, Europa, USA und Japan berichtete die Zertifizierungsgesellschaft DIN Certco.

Die Entsorgungsfirma Interseroh, die sowohl am Kasseler Großversuch, als auch am Einkaufstüten-Projekt der Drogerie-Kette dm in Dortmund beteiligt ist, machte den Kosten-Nutzen-Effekt von kompostierbarem Verpackungsmüll deutlich.

Schließlich gab es ausführliche Berichte zur Infokampagne im Kasseler Test, wo von April 2001 bis Januar 2002 mindestens 80 Tonnen BAW-Verpackungen abgesetzt und über Biotonnen entsorgt werden sollen (vgl. auch Meldungen vom 01.02.01 und 19.04.01). Ein Forscherteam der Bauhausuniversität Weimar will dabei herausfinden, wie zielsicher die Verbraucher die Mülltrennung vornehmen und in welcher Größenordnung so genannte Fehlwürfe im Kompostwerk Göttingen Störstoffe verursachen. Eine groß angelegte Aufklärungskampagne über öffentliche Happenings, Gewinnspiele und Fußballturniere sowie zielgerichteter Schulunterricht sollen schon seit März für den Erfolg des Projekts sorgen. Zusätzlich wurde ein BAW-Logo in einem sechseckigen Schmuckelement geschaffen, das fortan die neuen Verpackungen ziert. So blickt die BAW-Branche mit Spannung auf Kassel, wo von der richtigen Müllsortierung auch die Preiskompensation der neuen Verpackungsstoffe abhängt. Denn – wird nicht richtig sortiert, wird auch die Entsorgung wieder teuer – Störstoffe müssten dann per Hand aussortiert werden.

Weitere Informationen sind zu erhalten bei

Martin Lichtl
Lichtl Beratung für Umweltkommunikation
Eschborner Landstr. 41-51
60489 Frankfurt
Tel.: 069 – 7880-2447
Fax: 069 – 7899-2616
E-Mail: M.Lichtl@Lichtl.com

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: nawaros, 04/2001.

Source: nawaros, 04/2001.

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