3 September 2004

Bioöl für Käpt’n Birsteins “Bertha”

Barther Reederei ist Vorreiter im marinen Umweltschutz

Die Reederei Giehler aus Barth nutzte die Werftzeit im letzten Jahr und befüllte alle in Wasserkontakt stehenden Hydraulikanlagen und Getriebe ihres Küstenmotorschiffes “Bertha” mit Bioöl. Wie viele zufriedene Kunden aus der Bau- und Forstwirtschaft konnte sich nun auch das erste maritime Unternehmen von der technischen Zuverlässigkeit dieser nachwachsenden Produkte überzeugen. Durch das Markteinführungsprogramm “Biogene Schmierstoffe” des Verbraucherschutzministeriums und der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) aus Gülzow wurde das Vorhaben technisch und finanziell unterstützt.

Kapitän Uli Birstein manövriert seine “Bertha” beladen mit 120 Tonnen Baumaterialien zwischen Sandbänken, Windwatten und Seegraswiesen von Barth nach Hiddensee. Die kleine Reederei hat sich auf die Ver- und Entsorgung von Inseln in der Nord- und Ostsee und auf Wasserbauarbeiten spezialisiert. Der Törn führt heute durch den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, einem international geschützten FFH-Gebiet (Flora Fauna Habitat) und dem größten Kranichrastplatz Europas. Unter das Summen des Schiffsdiesels mischen sich die Gedanken des Kapitäns. “Jeder Maschinenbetrieb birgt nun mal Umweltrisiken, gerade auf dem Wasser”, konstatiert er nüchtern. “Die Propellerwelle achtern zum Beispiel hat eine typische Verlustschmierung. Allein damit gelangen jährlich 100 Kilogramm Schmierfett auf Grund technischer Notwendigkeiten ins Wasser und verschmutzen die Umwelt.”

Die Folgen von Ölverunreinigen auf die marine Tier- und Pflanzenwelt sind hinlänglich bekannt. Ein geplatzter Hydraulikschlauch und einige hundert Liter ausgelaufenes Öl im Schilfgürtel können schon eine mittlere ökologische Katastrophe auslösen. Gerade in abgeschlossenen Flachwassergebieten ist ein Austausch mit frischem Meerwasser kaum möglich. Das wirkt sich besonders negativ auf den Sauerstoffhaushalt aus und erschwert den Abbau der Gifte durch Mikroorganismen.

Es gibt aber seit Jahren technisch ausgereifte, biologisch abbaubare Alternativen: Auf dem deutschen Markt werden inzwischen über 450 Öle auf pflanzlicher Basis angeboten, die nicht oder nur schwach wassergefährdend sind.

Die Werftliegezeit von Bertha im letzten Jahr nutzte die Reederei Giehler dann auch gleich für die Umölung des Bugstrahlrudergetriebes und der Hydrauliksysteme für den Ladebagger mit 3 Tonnen Hebekraft und die Ruderanlage. Seitdem wird endlich auch die Propellerwelle mit Biofett geschmiert. Die Gründe für eine Umrüstung waren für Kapitän Birstein anfangs wirtschaftlicher Natur. Er habe von den höheren Standzeiten der Bioöle gehört und davon, dass bei guter Pflege und regelmäßiger Kontrolle biogene Hydraulikflüssigkeiten dreimal so lange wie Mineralöle im System bleiben können. Das Markteinführungsprogramm fängt zudem einen Teil der Kosten für die Umrüstung und das Bioöl ab. Wirtschaftlichkeit und Umweltnutzen kamen so für das junge Unternehmen zusammen und mündeten in dem Entschluss, auf Bioschmierstoffe umzurüsten. Eine unabhängige und kostenlose technische Beratung wurde zudem durch Dr. Heinrich Theissen vom Institut für fluidtechnische Anlagen und Steuerungen Aachen (IFAS) gewährt, der die Projekte im Auftrag der FNR wissenschaftlich betreut.

Nach einem Jahr Bioölbetrieb ist Uli Birstein von der Qualität begeistert: “Die Schmiereigenschaften und das thermische Verhalten der Öle sind richtig gut” bekräftigt er “und die Maschinen laufen einfach besser”. Und sich sauber durch das Fahrwasser zu bewegen, verschafft ihm zudem noch ein ruhiges Gewissen.

Weitere Informationen zu Bioschmierstoffen und zum Förderprogramm finden Sie unter www.bioschmierstoffe.info.

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Bild 1: Keine Verschmutzungsgefahr für Flachwasserbereiche –
dank Bioschmierstoffen in Schiffsschraube, -getriebe und -hydraulik

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Bild 2: Bioöle verringern nicht nur die Reibung zwischen den
Zahnrädern, sondern auch zwischen Naturschutz und Technik.

Source: Pressemitteilung der FNR vom 2004-08-30..

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