14 Juli 2005

Biokunststoffe: Ausländische Hersteller suchen den europäischen Markt

Obwohl kompostierbare Lebensmittelverpackungen schon lange produziert werden, sucht man sie meist vergeblich in deutschen Supermärkten

Seit Anfang Juni sind Verpackungsfolien aus biologisch abbaubaren Kunststoffen von den Gebühren für den Grünen Punkt befreit. Nun sollten diese umweltfreundlichen Materialien auch für den deutschen Lebensmittelhandel interessant werden. Die Verpackungen mit einem Kompostsiegel können nämlich vom Verbraucher dann in der Biotonne oder im Restmüll entsorgt werden. (Vgl. Meldung vom 2005-06-14.)

“Diese Ausnahmeregelung, die bis 2012 gilt, wird einen wesentlichen Beitrag zur Förderung der Biokunststoffe leisten”, sagt Harald Käb, Vorsitzender der Intereressengemeinschaft Biologisch Abbaubare Werkstoffe (IBAW).

Der bislang höhere Rohstoffpreis der Biokunststoffe im Vergleich zu den herkömmlichen Kunststoffen wie Polyethylen oder Polypropylen galt bislang als Nachteil. Durch den Wegfall der Grünen Punkt-Gebühr ist dieser Faktor beseitigt: “Das macht rund ein Euro pro Kilogramm aus”, weiß Birgit Hunold, Produktmanagerin der Firma Treofan, Hersteller von kompostierbaren Folien auf Polymilchsäurebasis.

Zunehmendes Interesse an biologisch abbaubaren Kunststoffen bemerkt auch Jürgen Lörcks, der als Unternehmensberater inzwischen auch auf Bioplastics setzt: “Spätestens, wenn petrochemische Kunststoffe immer teuer werden, werden sich die Biokunststoffe auch für billigere Produkte durchsetzen.” Da es in Deutschland jedoch bisher kaum einen Markt für Biokunststoffe gegeben hat, wurden die meisten abbaubaren Polymere im Ausland entwickelt. “Die Hersteller versuchen jetzt auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen”, hat Lörcks bemerkt.

So beispielsweise die australische Firma Plantic Technologies. Das Unternehmen hat sich auf Verpackungen für Süßigkeiten aus dem Biokunststoff Polylactid spezialisiert und sieht für seine Produkte nun gute Chancen auf dem europäischen Markt. Plantic ist seit dem vergangen Jahr schon in Cambridge, Rotterdam und Freiburg vertreten und bietet der Lebensmittelindustrie seine tiefgezogenen Folien aus Maisstärke an.

In Australien verwenden bereits die Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli und Cadbury Kunststoffverpackungen von Plantic für ihre Pralinen und Schokolade. Sogar eine Filiale von Aldi-Süd setzt in Australien auf Plantic-Verpackungen. Dies macht die Australier zuversichtlich, auch in Europa noch in diesem Jahr weitere Erfolge anzuknüpfen.

Der Kostenvorteil und die gesetzliche Förderung für Biokunststoffe hat mittlerweile auch die Chemische Industrie wach gemacht. So baut BASF eine neue Anlage für die Produktion ihres biologisch abbaubaren Kunststoffes Ecoflex am Standort Schwarzheide. Die Kapazität liegt bei rund 6.000 Jahrestonnen und ergänzt damit die 8.000-Tonnen-Anlage in Ludwigshafen. (Vgl. Meldung vom 2005-04-27.)

BASF rechnet mit einer deutlichen Belebung des deutschen Marktes: “Mit der deutlichen Kapazitätserhöhung nehmen wir am Marktwachstum in Deutschland teil und stellen die künftige Materialversorgung unserer Kunden sicher”, ist BASF-Manager Dietmar Heufel überzeugt.

Trotz aller positiven Grundstimmung, die von Handelskonzernen und Entsorgungsbetrieben kommen, bleibt man bei der IBAW realistisch: “Wir starten quasi bei Null”, sagt Käb. Es bestehe bei allen Beteiligten noch ein großer Informationsbedarf, denn nur zertifizierte und gekennzeichnete Bioverpackungen könnten in den Genuss der gesetzlichen Privilegierung kommen. Und dann müsse auch der Verbraucher aufgeklärt werden, damit nicht die falschen Verpackungen im Kompost landen.

Source: Handelsblatt vom 2005-07-11.

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