24 April 2007

Biokraftstoffstudie für Nordhessen veröffentlicht

Umweltminister Wilhelm Dietzel: "Hessische Biokraftstoffstudie zeigt gute Voraussetzungen für die Ansiedlung von Biokraftstoffanlagen in Nordhessen

“Die Biokraftstoffstudie zeigt, dass Nordhessen über ein großes Potential an forstlicher und landwirtschaftlicher Biomasse verfügt, das energetisch genutzt werden kann. Damit sind die Voraussetzungen für eine Biokraftstoffregion Nordhessen erfüllt. Die Biokraftstoffregion ist nicht nur ein weiterer Schritt zur Ereichung des Ziels der Hessischen Landesregierung bis zum Jahr 2015 15 Prozent des Endenergieverbrauchs aus Erneuerbaren Energien zu gewinnen. Von einer Biokraftstoffregion Nordhessen kann vor allem auch die regionale Wirtschaft profitieren und damit Arbeitsplätze erhalten und geschaffen werden”, sagte der Hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel heute in Hessisch-Lichtenau.

Unternehmen des Biokraftstoffsektors und Vertreter nordhessischer Kommunen und Kreise mit Konversionsflächen haben bereits bei Spitzengesprächen im Vorfeld großes Interesse an der Ansiedlung von Bioenergieanlagen gezeigt. “Die Landesregierung wird sich weiter dafür stark machen, dass hessische Unternehmen sowohl als Rohstofflieferanten wie auch als Anlagenbauer und -betreiber im Biokraftstoffsektor aktiv werden”, so der Umweltminister.

Die Initiative der Landesregierung in Nordhessen eine Biokraftstoffregion zu gründen, hat mit der Biokraftstoffstudie eine neue Basis bekommen, da die Möglichkeiten zur Herstellung von Biokraftstoffen jetzt realistisch eingeschätzt werden können. Erstellt wurde die Studie im Auftrag des Umweltministeriums durch die Arbeitsgemeinschaft Bio-Rohstoffe Witzenhausen. Um den landwirtschaftlichen Sachverstand von Anfang an einzubeziehen, war der Kreisverband Werra-Meißner e.V. an der Erstellung beteiligt.

Wesentliche Aussagen der Biokraftstoffstudie
Das in Nordhessen vorhandene Biomassepotential ist quantitativ und qualitativ für die Herstellung verschiedener Biokraftstoffe geeignet. Neben Raps zur Herstellung von Biodiesel und Pflanzenölkraftstoff können auch andere Pflanzen bzw. Pflanzenteile wie z.B. Getreidestroh, Mais und Rüben zur Biokraftstofferzeugung herangezogen werden.

Große zentrale Anlagen zur Herstellung von so genannten synthetischen BtL-Kraftstoffen, die einen erheblichen Biomassebedarf aufweisen (ca. 1 Mio. Tonnen pro Jahr), sind für den nordhessischen Raum nur dann geeignet, wenn ein sehr preiswertes Rohstoffangebot vorhanden ist und/oder öffentliche Förderung Anreize setzt.

Naheliegender ist daher die Einrichtung eines Demonstrationsstandortes zur dezentralen Herstellung von Pyrolyseöl als Vorstufe zu BtL-Kraftstoffen. Das Produkt könnte aus Stroh, das z.B. im Werra-Meißner in großen Mengen anfällt, hergestellt werden. Die weitere Verarbeitung des Pyrolyseöls zu BtL-Kraftstoff oder chemischen Grundstoffen könnte in einer Großraffinerie an einem anderen Ort erfolgen.

Angesichts der in den nächsten Jahren zu erwartenden hohen Nachfrage nach Bioethanolkraftstoff sollte die Ansiedlung von Bioethanolanlagen, die Zuckerrüben verarbeiten, diskutiert werden.

Ein interessanter Pfad der Biokraftstoffgewinnung wird mit der Verwendung von Biogas als Kraftstoff vorgeschlagen. Zum einen kann das in großen Anlagen, teilweise auf der Basis von Abfällen erzeugte Biogas direkt als Kraftstoff für Fahrzeugflotten, z.B. bei Entsorgungsbetrieben verwendet werden. Die andere Möglichkeit ist die Einspeisung in das Erdgasnetz vergleichbar der Einspeisung von “Ökostrom” in die Stromnetze.

Minister Dietzel wies abschließend darauf hin, dass im Rahmen der Kampagne der Hessischen Landesregierung “Grüne Energie Hessen” ab 1. Juni ein Truck mit Informationen durch ganz Hessen fahren wird, der die Menschen in Hessen unter anderem über die großen Chancen der Biomassenutzung für Wirtschaft und Arbeitsplätze sowie für den Klimaschutz informiert will.

Die Biokraftstoffstudie steht hier zum Download bereit (PDF-Dokument, ca. 2,3 MB).

(Vgl. Meldungen vom 2006-01-25 und 2007-04-13.)

Source: Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz (HMULV), 2007-04-18.

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