14 Juli 2008

Biokraftstoffe: Synergien durch Diversifizierung

Erweiterung der Rohstoffbasis und neue Herstellungswege

Der öffentliche Ruf von Raps, Soja und Ölpalme als Lieferanten nachwachsender Rohstoffe ist angekratzt, zudem steigen die Preise für die daraus erzeugten Öle, und die potenziellen Anbauflächen sind beschränkt. Auf nationaler und internationaler Ebene vorgesehene Nachhaltigkeitsprüfungen verstärken den Druck zur Entwicklung neuer Erzeugungswege mit geringerem Konfliktpotenzial. Eine Erweiterung des Rohstoffbasis auf Nebenprodukte und lignozellulosehaltige Pflanzen und die Entwicklung biotechnologischer Synthesewege werden weltweit von zahlreichen Biokraftstoff-Unternehmen angestrebt. Wie die folgenden aktuellen Beispiele zeigen ergeben sich dabei zunehmend Synergien mit anderen Bereichen der stofflichen und energetischen Nutzung Nachwachsender Rohstoffe.

Weide zu Biosprit und Polymeren
Der Biokraftstoff-Hersteller Pure Power hat angekündigt, ab 2009 Landwirte und Forstleute mit Weidensprösslingen (Salix) aus einem vor vier Jahren begonnenen eigenen Anzuchtprogramm zu beliefern (2009 bis zu 500 ha, bis zu 1.000 ha im Jahr 2010). Deren Ernte will das Unternehmen mit Hauptsitz in Singapur künftig zur Herstellung von Lignozellulose-Biokraftstoffen nutzen, aber auch zur Herstellung biogener Stoffe zum Einsatz in Farben, Polymeren, Klebstoffen und Biokunststoffen verwenden. Pure Power hat bereits geschäumtes PU aus natürlichem Lignin produziert, das aus Weiden extrahiert wurde.

Biodiesel aus Nebenprodukten der Ethanolproduktion
Anlagen zur Extraktion von Maisöl aus “Distiller’s grains”, einem Nebenprodukt der Ethanolproduktion, soll die Ertragslage der Ethanolproduzenten verbessern. Das Öl soll im Lebensmittelmarkt sowie zur Biodieselproduktion verwendet werden. Der US-Produzent Central Indiana Ethanol hat Anfang Juli die Errichtung einer Extraktionsanlage angekündigt. Zuvor hatte GreenShift Corporation die Extraktion von Maisöl aus dem Nebenprodukt einer Ethanolproduktion der Western New York Energy in Medina begonnen. Die Extraktionstechnologie leifert GS Cleantech, ein Tochterunternehmen von GreenShift.

Pharmaunternehmen entwickelt Biotech-Kraftstoffsynthese
Medizin und Biokraftstoffe treffen sich bei Weißer Biotechnologie. So kooperiert die TMO Renewables, die ein Produktionsverfahren für Biokraftstoffe aus verschiedensten Biomassen mit thermophilen Bakterien etnwickelt, in Großbritannien mit dem Pharmaunternehmen Morvus Technology. Clostridium-Bakterien, die in der Entdeckung und Entwicklung von Medikamenten gegen Krebs genutzt werden, sollen für die Produktion von Bio-Butanol oder Bio-Wasserstoff optimiert werden. TMO finanziert das von Morvus durchgeführte 3-Jahres-Programm mit 810.000 Britischen Pfund (ca. 1 Mio. €) und will den Pharmahersteller an künftigen Biokraftstoff-Erlösen beteiligen.

Source: Biofuels international, 2008-07-10

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