30 November 2005

Biokraftstoff-Anlagen: Lurgi erhält Aufträge im Wert von 170 Mio Euro

Die GEA Group-Tochter Lurgi hat aus Deutschland und den USA neue Aufträge für den Bau von Biokraftstoff-Anlagen im Gesamtwert von rund 170 Millionen Euro erhalten. Das Unternehmen soll insgesamt fünf Biodiesel-Anlagen mit einem Gesamtwert von 70 Millionen Euro in Deutschland bauen.

Hinzu kommt ein Auftrag vom US-Unternehmen Panda Energy für den Bau einer Bioethanol-Anlage in Texas mit einem Auftragsvolumen von 100 Millionen Euro. Die Aktie der GEA Group stieg bis gegen 13.30 Uhr um 1,64 Prozent auf 9,90 Euro.

Lurgi-Chef Klaus Moll rechnet für sein Unternehmen für das kommende Jahr vor Steuern mit schwarzen Zahlen. “Ich bin sehr zuversichtlich”, sagte er am Mittwoch in Frankfurt. Im Gesamtjahr 2005 sei noch unklar, ob die Gewinnschwelle erreicht werden könne. Die Großanlagenbau-Tochter hatte im dritten Quartal dieses Jahres mit einem Vorsteuergewinn von 6 Millionen Euro erstmals seit etwa drei Jahren wieder ein positives Quartal erzielt.

Auch im vierten Quartal rechnet Moll mit einem Gewinn. Ob die gesamte Lücke aus den ersten sechs Monaten aber geschlossen werden könne, sei ungewiss, sagte Moll. Lurgi hatte in den ersten beiden Quartalen vor Steuern insgesamt ein Minus von 16,5 Millionen Euro erzielt. Die gesamte GEA Group rechnet 2005 mit einem Vorsteuergewinn von mindestens 150 Millionen Euro.

Lurgi als einer der Marktführer

Die fünf neuen Anlagen in Deutschland hätten eine Gesamtkapazität von 640.000 Tonnen pro Jahr, teilte GEA Group am Mittwoch in Frankfurt mit. Allein die Anlagen in Rostock und Frankfurt zählten mit einer Jahreskapazität von 200.000 Tonnen Biodiesel zu den größten Biokraftstoffanlagen Deutschlands.

Seit Juli 2005 habe Lurgi zusammen mit den fünf neuen Aufträgen insgesamt Orders für Biodiesel-Anlagen mit einem Gesamtwert von rund 140 Millionen Euro erhalten. In der neuen Bioethanolanlage in Texas sollen rund 100 Millionen Gallonen (378 Mio Liter) Bioethanol pro Jahr hergestellt werden. Damit ist sie laut GEA die bislang größte Bioethanol-Anlage in den USA.

Nach Fertigstellung der neuen Anlagen würden 60 bis 70 Prozent des weltweit produzierten Biodiesels mit Lurgi-Technologie produziert, sagte Lurgi-Chef Moll. “In Deutschland werden es sogar 70 bis 80 Prozent sein.” Der Erfolg der Lurgi fuße aber nicht ausschließlich auf Biokraftstoff-Anlagen.

Die GEA-Tochter erhalte auch Aufträge aus dem Gas-to-Petrochemicals-Bereich, dem zweiten Standbein der “neuen Lurgi”. Das sind Verfahren, mit denen aus Gas petrochemische Produkte wie Methanol hergestellt werden können. “Das Volumen dieser Aufträge liegt 2005 bislang bei über 400 Millionen Euro”, sagte Moll.

Wachsende Nachfrage nach Biokraftstoffen

Im Bereich “Nachwachsende Rohstoffe” rechnet Lurgi angesichts des steigenden Bedarfs an alternativen Treibstoffen in den EU-Ländern mit einer zunehmenden Nachfrage nach Biokraftstoffanlagen. In Verbindungen mit Planungen der Europäischen Union werde der Anteil an Biokraftstoffen von derzeit rund 2 Prozent auf 5,75 Prozent im Jahr 2010 ansteigen.

“Allein in Europa müssten bis 2010 rund 40 neue Biodieselanlagen mit einem durchschnittlichen Produktionsvolumen von je 100.000 Tonnen und 60 neue Bioethanolanlagen mit einer durchschnittlichen Produktionsleistung von jeweils rund 100.000 Tonnen pro Jahr fertiggestellt werden”, heißt es. Dies entspräche einem Investitionsvolumen von “rund drei Milliarden Euro”.

In den USA werde sich die Produktionsmenge von Bioethanol und Biodiesel nach Expertenschätzungen in den nächsten drei Jahren von 10,6 Millionen Tonnen in 2004 auf 14 Millionen Tonnen jährlich erhöhen, hieß es in der Mitteilung weiter. Stephan Reimelt, der von diesem Donnerstag an im Vorstand der Lurgi sitzt, fügte hinzu, in Asien habe Lurgi insgesamt acht Projekte in der Pipeline, eines davon sei “ein größeres Projekt”.

Die Lurgi AG galt lange als Sorgenkind der GEA Group (früher mg technologies). Das Unternehmen hat in diesem Jahr seine Umstruktrurierung abgeschlossen und konzentriert sich nun auf die beiden Standbeine “Nachwachsende Rohstoffe” und “Gas-to-Petrochemicals”.

Vorher hatte Lurgi eine breite Palette an Technologien angeboten – unter anderem Anlagen für die Öl- und Pharmaindustrie. Biodiesel wird aus Rapsöl oder anderen Pflanzenölen hergestellt. Bioethanol wird aus Getreiden oder Zuckerrüben produziert.

Source: FinanzNachrichten.de vom 2005-11-30.

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