3 Januar 2002

Bioimplantat aus Zucker-Milchsäure als neuer Hoffnungsträger für Gelenkerkrankungen

Mit 250.000 Euro wurde der Gewinner des jüngsten Innovationswettbewerbs zur Förderung der Medizintechnik, Dr. Peter Müller (33), vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für seine Erfindung eines neuartigen Bioimplantates aus Milchsäure (Polylactid), geehrt. Der junge Mediziner, Assistenzarzt an der Rostocker Orthopädischen Uni-Klinik, entwickelte mit seinem wissenschaftlichen Team ein Vlies aus Zucker-Milchsäure: “Das ist ein abbaubares Bioimplantat, mit dessen Hilfe beschädigte Knorpel in Gelenken wieder hergestellt werden können”, erläutert der Erfinder.

Aus der Milchsäure werde durch eine Spritzdüse ein Faden gezogen und dieser zu acht Millimeter im Durchmesser und zwei Millimeter dicken Vliesscheiben verwoben, die aus einer Gitterstruktur bestehen, in die natürlicher Knorpel einwächst. “Das Vlies wird als Platzhalter für den entstehenden Knorpel an der geschädigten Stelle eingesetzt”, so der junge Orthopäde, der bereits seit drei Jahren an dieser Idee forscht. Während dann durch die poröse Struktur körpereigene Stammzellen in das Vlies einwandern und neuen Knorpel bilden, baue sich das sehr belastbare Milchsäurematerial innerhalb von etwa zehn Wochen wieder ab.

Verschiedene Vlies-Varianten werden derzeit noch an Schafen und Kaninchen getestet, bis dann drei Vlies-Alternativen mit dem Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung Stuttgart sowie dem Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf erprobt werden sollen. “Wir arbeiten für alle Gelenke an einem kompletten Ersatz, der um das neue Vlies herum entsteht”, kündigt Dr. Peter Müller optimistisch an, der für seine Entwicklung einen großen Marktbedarf sieht. Immerhin werden allein in Deutschland jährlich ca. 60.000 künstliche Kniegelenke und etwa 145.000 Hüftprothesen benötigt.

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Ostsee-Zeitung vom 2002-01-03.

Source: Ostsee-Zeitung vom 2002-01-03.

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