1 November 2001

Biogene Verpackungsneuheiten aus dem Verpackungszentrum Graz

Das Verpackungszentrum Graz ist ein Familienunternehmen, das sich auf biogene Verpackungen spezialisiert hat. In unserer Produktpalette befinden sich deshalb vorwiegend biologisch abbaubare Verpackungen wie Holzschliffverpackungen, Pulpeverpackungen, Holzbesteck, Baumwoll-Netzsäcke und Verpackungen auf Stärkebasis. Obwohl Handelsunternehmen entwickeln wir in Zusammenarbeit mit internationalen Forschungsstätten und Universitäten völlig neue biogene Werkstoffe und bringen diese im Verpackungsbereich bis zur Marktreife.

Ein Projekt befaßt sich mit der Herstellung von BIOKUNSTSTOFF aus landwirtschaftlichen Abfällen. Dabei werden z.B. Zuckerrübenschnitzel, Zitrusfrüchte, oder Molke in einem Bioreaktor mit Mikroorganismen versetzt, wodurch ein biochemischer Prozeß in Gang gesetzt wird, bei dem Biokunststoff entsteht. Das Endmaterial kann hochelastisch bis hart und kristallin sein und ist theoretisch überall dort einsetzbar, wo heute noch Kunststoff verwendet wird, nur mit dem Unterschied, daß Biokunststoff biologisch abbaubar ist. Bei diesem Verfahren werden nicht nur wertvolle Erdölressourcen geschont, sondern es ist auch eine große Chance für die Landwirtschaft, denn noch immer werden Tonnen von Zitrusfrüchten aus Überproduktionen vergraben und Molke als Abfall bei der Käseproduktion in die Flüsse geleert.

Das zweite Projekt befaßt sich mit Styroporersatz auf Algenbasis. Styropor ist aufgrund seiner hervorragenden Materialeigenschaften aus der modernen Verpackungswelt nicht mehr wegzudenken. Andererseits bringt es derart große Entsorgungsprobleme mit sich, daß es in vielen Ländern bereits verboten ist oder wird. ALGINSULAT-SCHAUMSTOFF könnte der erste vollwertige Ersatz sein, der im Gegensatz zu Styropor kompostierbar ist. Nach Vorarbeiten im Labor wurde in einer Pilotanlage das Problem der Trocknung gelöst – aus Rohalgen kann derzeit ein Granulat als Basis zur weiteren Produktion hergestellt werden. Das VERPACKUNGSZENTRUM GRAZ ist mit potentiellen Partnern für die weiteren Schritte in Verhandlung. Diese sind: Untersuchung der Produkteigenschaften durch die Zugabe verschiedener Additive und die Formgebung des Granulates.

Bei der DOUBLE-TWIST TECHNOLOGY, einem völlig neuen Webverfahren geht es vereinfacht ausgedrückt darum, daß jeder Faden eines Gewebes zweimal um den anderen geschlungen wird, wodurch eine wesentlich höhere Reißfestigkeit als bisher erzielt und zudem auch noch Material eingespart wird. Es können sich keine Laufmaschen mehr bilden und durch die patentierte “Schußumkehr” an den Kanten wird eine noch höhere Formstabilität erzielt. Die Netzsäcke sind einzeln oder als Rollenware zur Befüllung durch Automaten verfügbar. Derzeit wird vor allem mit Baumwolle aus kontrolliertem Anbau produziert, aber schon in naher Zukunft soll auch die Produktion mit Flachs, Hanf und Zellstoff forciert werden. Der Vorteil für die Natur liegt auf der Hand: Durch den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen werden begrenzte Ressourcen geschont und die Netzsäcke können nach Gebrauch kompostiert werden. Durch die Verwendung von Naturfasern, die atmungsaktiv und feuchtigkeitsregulierend sind und eine natürliche Abwehr gegen Schimmelbildung, Insektenbefall und Mäusefraß haben, bleiben Obst und Gemüse länger frisch. Während der gesamten Produktion auf mechanischen Webmaschinen fallen nur geringe Emissionen an.

Natürlich soll Verpackung nicht nur ihren Inhalt schützen, sondern auch den Verkauf fördern. Deshalb wurden bei der Entwicklung des neuen Verfahrens auch völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten erschlossen. Die Netzsäcke können von weitmaschig bis blickdicht in jeder gewünschten (lebensmittelechten) Farbe produziert werden. Auch die Kombination von mehreren unterschiedlichen Garnfarben und Webarten innerhalb eines Sackes ist möglich. Sichtfenster und Logos können direkt miteingewebt werden.

Ob Automatensäcke zur Abpackung auf allen gängigen Automaten oder Einzelsäcke, mit oder ohne Zugband – die neuen Netzsäcke werden allen Anforderungen der Obst- und Gemüseproduzenten gerecht. Dabei haben die bisherigen Erfahrungen gezeigt, daß dies nur ein kleiner Ausschnitt aus den grundsätzlichen Einsatzmöglichkeiten der Gewebe ist. Durch die hohe Reißfestigkeit der Ausgangsstoffe (so hat etwa Hanf eine Reißlänge, die sogar Stahl überlegen ist) wäre ein Einsatz in anderen Bereichen denkbar: z.B. Landwirtschaft (Ernteverfrühungsnetze, Strohballennetze, Hagelschutznetze, Vogelschutznetze, Pflanzenkletternetze, Baumschutznetze), Bauschutznetze, Böschungssicherungsnetze, Transportschutznetze, Unterlagen für Mörtelputze, als Verstärkung für Papier, Panzerkartons oder Homogenplatten usw.

Kein Wunder also, daß die neue Double-Twist Technology mit einer Nominierung beim STAATSPREIS FÜR VORBILDLICHE VERPACKUNG und mit dem ECO-DESIGN-PREIS ausgezeichnet wurde.

Kontakt:
Susanne Meininger
Tel.: ++43-316 272 568-12
E-Mail: s.meininger@vpz.at

Autorin: Susanne Meininger (vpz)
Endredaktion: Marion Kupfer (nova)
Quelle: Profildarstellung des Verpackungszentrums Graz, nawaros 11/2001.

Source: Profildarstellung des Verpackungszentrums Graz, nawaros 11/2001.

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