15 Mai 2002

Biogene Treib- und Schmierstoffe – aus Erfahrung gut

Erfahrungsberichte der Seminarveranstaltungen zum Markteinführungsprogramm "Biogene Treib- und Schmierstoffe" (MEP)

Die Umwelt hat keine Wahl: Überall dort, wo mineralölhaltige Schmierstoffe zum Einsatz kommen, drohen Boden, Wasser und Luft besondere Gefahren. Die Wahl haben Maschinen- und Fahrzeugbetreiber aus Land-, Forst-, Bau- und Kommunalwirtschaft, denn sie können auf umweltfreundliche Alternativen zurückgreifen: Das sind Schmierstoffe und Hydrauliköle aus nachwachsenden Rohstoffen. Diese Bioöle sind weitgehend biologisch abbaubar, schonen fossile Ressourcen, lassen sich auf nachhaltige Weise produzieren und haben sich in der Praxis bestens bewährt. Das bestätigen die Erfahrungsberichte auf den jüngsten Seminarveranstaltungen rund um das Markteinführungsprogramm “Biogene Treib- und Schmierstoffe” (MEP). Über 470 Interessenten nutzten in Potsdam und in Mainz die Gelegenheit, sich aus erster Hand über das zurzeit laufende Förderprogramm und die Leistungsfähigkeit moderner biogener Betriebsstoffe zu informieren und intensiv mit den Referenten zu diskutieren.

Eingeladen hatte dazu erstmals die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), die sich gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) für den breiten Einsatz von Bioölen stark macht. Trotz ihrer unbestrittenen Vorteile führen biogene Schmier- und Hydrauliköle auf dem Markt eher ein Nischendasein. Dr. Gabriele Peterek und Wenke Stelter, FNR, stellten für die Teilnehmer die Kernpunkte des Markteinführungsprogramms ausführlich vor. Aus dem Topf des Programms werden beispielsweise Mehrkosten gedeckt, die bei der Erst- bzw. Umrüstung auf umweltverträgliche Treib- und Schmierstoffe entstehen. Aber auch unabhängig von dieser finanziellen Unterstützung oder nach Auslaufen der Förderung rechnet sich die Umstellung auf biogene Schmierstoffe. Zu diesem Ergebnis kommt die Kasseler Verkehrsgemeinschaft, die mit wissenschaftlicher Begleitung der RWTH Aachen eine Optimierung der stationären Schienenschmierung umsetzen konnte.

Inzwischen liegen der FNR bereits über 900 Anträge auf Förderung vor, insbesondere aus umweltsensiblen Bereichen. Ein Beispiel lieferte Dr. Guido Mausbach von den Köster Hartsteinwerken aus Warstein. Deren Abgrabungsgebiet liegt mitten in einem Wasserschutzgebiet, unmittelbar in der Nähe der Wasserentnahmestellen einer bekannten Brauerei. Am Fuße der hunderte Meter hohen Bruchwand sind Hydraulikbagger, Radlader und Schwerlastkraftwagen tagtäglich im Einsatz. Vor gut einem Jahr wurde der 100 Tonnen schwere Hydraulikbagger auf biologisch abbaubares Öl umgerüstet – mit durchweg positiven Erfahrungen. In über 2.000 Betriebsstunden hat es keine außerplanmäßigen Standzeiten in Folge der Umölung gegeben.

Bioöle sind als Schmier- und Druckflüssigkeiten inzwischen den Mineralölen technisch ebenbürtig, wenn nicht sogar in bestimmten Bereichen überlegen. Bereits vor über zehn Jahren hat die Feldhaus-Gruppe aus dem sauerländischen Schmallenberg Baumaschinen mit Bioöl ausgerüstet, ohne dass je Probleme beim Einsatz, der Funktionalität oder Lebensdauer auftraten. Auch den extrem starken Belastungen und rauhen Einsatzbedingung im Forst sind Bioöle gewachsen, wie unter anderem Feldversuche der Carl Bechem GmbH, Hagen, zeigten. Bei allen drei Test-Maschinen erwies sich die eingesetzte Flüssigkeit als so gut, dass nach Aussage der Verantwortlichen in absehbarer Zeit kein Ölwechsel erforderlich sei.

Laut Oskar Burkert von der ARAL Mineralölvertrieb GmbH gibt es grundsätzlich für jede Anforderung das spezifische Bioöl – das können Rapsöl und andere native Öle mit geeigneten Additiven (HETG) sein oder synthetische Ester (HEES) aus Pflanzenöl. In der so genannten Positivliste, in der alle förderfähigen Schmierstoffe und Hydraulikflüssigkeiten aufgelistet sind, befinden sich bereits rund 220 Produkte verschiedener Hersteller. Einen Einblick in diese breite Palette der maßgeschneiderten Bio-Produkte gewährte in Potsdam und Mainz eine begleitende Ausstellung.

Das Umstellen auf die biologisch abbaubaren und ungiftigen Druckmedien mache nach Aussage des für die wissenschaftliche Begleitforschung verantwortlichen Dr. Heinrich Theissen vom Institut für fluidtechnische Antriebe und Steuerungen (IFAS) der RWTH Aachen in der Regel keine Probleme. Welche Aspekte dabei zu beachten sind, legte er dar. Bei der Auswahl der richtigen Hydraulikflüssigkeit müsse das Hauptaugenmerk auf die Temperaturbeständigkeit und vor allem auf die Viskosität gelegt werden. Generell sei bei der Umstellung auf Bioöl eine niedrigere Viskositätsgruppe zu wählen, um damit die Betriebstemperaturen zu senken und Energie einzusparen. Die oft befürchteten Unverträglichkeiten des Bioöls mit vorhandenen Komponenten wie Dichtungen, Schläuche und Filter seien bisher nur vereinzelt registriert worden, so das Ergebnis der wissenschaftlichen Begleitforschung. Für alle Umsteiger wichtig: Bei der Umölung müssen die nach dem Entleeren verbliebenen Mineralölreste gründlich mit Bioöl herausgespült werden. Dabei muss sichergestellt sein, das nicht mehr als 2 Prozent Mineralöl in der Hydraulikanlage zurückbleiben. Andernfalls kann es zu starker Schaumbildung, Trockenlauf und Anlagenschäden kommen.

Einen besonderen Komplettservice stellte die Firma Jakob Fluid Technologie AG vor. Die Freiburger haben sich auf die Betreuung rund um die Umölung von mobilhydraulischen Anlagen spezialisiert. Die Kunden sind nach Aussage der Inhaber in hohem Maße zufrieden. Schließlich habe die Umstellung auf Bioöl auch erfreuliche Nebenwirkungen: Die Maschinen werden wieder leistungsfähiger. Durch die gründliche Spülung und die lösenden Eigenschaften des Bioöls wird auch abgelagerter Schmutz aus den Systemen geschwemmt und häufig fallen bei der Umölung bislang unentdeckte Altschäden auf.

Zunehmende Bedeutung gewinnen auch Treibstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen – ob Biodiesel oder reines Pflanzenöl. Mittlerweile kann an über 1.500 Tankstellen in Deutschland Biodiesel getankt werden. Dr. Ulrike Schümann, Institut für Energie- und Umwelttechnik (IEUT) der Universität Rostock, erläuterte die umfangreichen und regional sehr unterschiedlichen bau-, wasser-, gewerbe- und umweltrechtlichen Grundlagen für Eigenverbrauchstankstellen für Pflanzentreibstoffe.

Der Begriff des nachhaltigen Wirtschaftens rückt mehr und mehr in unser Bewusstsein. Sowohl unsere Umwelt als auch unsere Gesundheit wird durch viele Faktoren zu oft negativ beeinflusst. Wie auch biogene Schmierstoffe helfen die pflanzlichen Treibstoffe der Umwelt und sind ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Denn im Gegensatz zu den endlichen fossilen Ressourcen wächst der Rohstoff “Pflanze” immer wieder nach, der CO2-Kreislauf bleibt geschlossen und Emissionen werden gemindert. Grund genug für das Landwirtschaftsministerium die Werbetrommel für biogene Treib- und Schmierstoffe zu rühren und ihren Einsatz über das Markteinführungsprogramm finanziell zu unterstützen.

Die Tagungsunterlagen mit den ausführlichen Referententexten finden Sie auch im Internet unter www.pflanzenoel-initiative.de (Downloadbereich) oder Sie wenden sich direkt ans Infobüro der Pflanzenöl-Initiative, Telefon 02 28/9 85 79 99

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)
V.i.S.d.P.: Dr.-Ing. Andreas Schütte
Hofplatz 1
18276 Gülzow
Tel.: 03843/69 30-0
Telefax: 03843/69 30-102
E-Mail: info@fnr.de
Internet: http://www.fnr.de

(Vgl. auch Meldungen vom 2002-05-06 und 2002-01-17.)

Source: Pressemitteilung der FNR, Nr. 4 vom 2002-05-15.

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