10 September 2009

Biogaseinspeisung: Weckruf an die Bauern

Landvolk Niedersachsen: Biogas für Mikro-BHKW bedeuten Wertschöpfung in der Landwirtschaft

Verstromung von Erdgas und dafür die Vergütungen erhalten, die das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) für Strom aus Biogas festsetzt? Das geht! Das EEG ermöglicht, in das Gasnetz eingespeistes Biomethan an anderer Stelle zu entnehmen und dort als “Biomasse” energetisch zu nutzen. Ziel des Gesetzgebers ist es, über das öffentliche Gasnetz Biogas, sei es auch nur “virtuelles”, dorthin zu transportieren, wo eine komplette Energienutzung über Kraft–Wärme–Kopplung möglich ist.

Dies ist in der Regel der Fall, wo Wärme benötigt wird. Gerade Blockheizkraftwerke in privaten Haushaltungen bieten sich dazu an. Insoweit ist der Vorstoß der Unternehmens Lichtblick und VW geradezu zwangsläufig. Verstromt Lichtblick vor Ort das Biogas, kann das Unternehmen hohe Wertschöpfung betreiben. Nun fehlt “nur” noch aufbereitetes Biogas, um dies auch umsetzen zu können. Und da ist die Landwirtschaft “am Drücker”.

Energiemarkt ist “der” Markt der Zukunft
Verstromung von Biogas vor Ort stellt eine besonders wirtschaftliche Form der Biogasnutzung dar, wenn auch die Wärme verwendet werden kann. Besonders interessant ist aber auch die Nutzung von Biogas, wenn es in einer Vielzahl kleiner Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen verstromt wird. Dies kann über die Einspeisung und die Nutzung in kleinen häuslichen Blockheizkraftwerken (BHKW) sichergestellt werden. In der Summe dürfte die Vergütung je Biogasanlage höher liegen als bei der Verstromung vor Ort, auch unter Berücksichtigung der Option von Satelliten–BHKW. Der Gaseinspeisung bietet sich insoweit eine sehr interessante Perspektive.

Auch im Kraftstoffsektor zeichnen sich lukrative Entwicklungslinien ab. Biogas erweist sich als effizienter Kraftstoff – auch unter Berücksichtigung der mit Vorschusslorbeeren versehenen Biokraftstoffe “zweiter Generation”. Da unsere mobile Zukunft nicht allein im Betrieb von Elektrofahrzeugen liegen kann, werden gasförmige und flüssige Energieträger weiterhin eine bedeutende Rolle spielen. Im Zuge knapper werdender Ressourcen und somit steigender Preise entwickelt sich hier mittelfristig ein interessanter Markt für den Biogassektor. Flankiert wird diese Aussicht durch die Klimaschutzziele der EU und der Bundesrepublik, die einen bestimmten Anteil von Biokraftstoffen vorgeschrieben haben. Auch hier muss das Biogas aufbereitet werden und kann entweder in einer Biogastankstelle ab Biogasanlage oder über den Umweg der Erdgasnetze als Treibstoff vermarktet werden.

Schließlich kann Biogas über übliche Gasthermen zur Wärmeerzeugung eingesetzt werden. Hier wäre allerdings noch eine flankierende Regelung im Erneuerbare Energien Wärmegesetz hilfreich. Die Erfüllung von Verpflichtungen zur Verwendung regenerativer Energieträger bei der Wärmenutzung muss auch im Falle des Einsatzes von – “virtuellem” – Biogas möglich sein.

Wenn wir über den Tellerrand hinausschauen, zeichnen sich zudem Nutzungen in der Brennstoffzelle ab. Alle diese Nutzungsformen haben gemeinsam, dass das Biogas aufbereitet und in der Regel auch eingespeist werden muss. Hier bieten sich der Landwirtschaft vielfältige Perspektiven, die sie nutzen muss!

Landwirte müssen wach werden!
Fondsgesellschaften, Energieversorger oder Projektentwicklungsgesellschaften haben die Gaseinspeisung für sich entdeckt und versuchen, Biogaseinspeisungsprojekte zu realisieren. Leider ist es zurzeit so, dass die “Pfadfinder” mehrheitlich aus dem nichtlandwirtschaftlichen Bereich kommen und auf die Landwirte zugehen, um Energiepflanzen zu beziehen. Hier müssen die Landwirte wach werden! Produktion, Aufbereitung, Einspeisung und Vermarktung von Biogas ist Sache der Landwirtschaft! Es sollten nie voreilig Verträge unterzeichnet werden. Erst recht nicht, wenn verheißungsvolle Versprechungen gemacht werden.

Die Praxis zeigt in vielen Fällen, dass Landwirte sich entsprechend ihres Substratlieferumfangs an einer Biogasanlage beteiligen und anteilig an der Wertschöpfung teilhaben. Dieses lässt sich auch im Fall von größer dimensionierten Gaseinspeisungsanlagen realisieren. Sollte es sich im konkreten Fall anbieten, können auch Kooperationen mit Kompetenzträgern – etwa Stadtwerken, die Kenntnisse im Gasnetzmanagement haben – eingegangen werden. Dies ist aber nicht notwendig, da entsprechende Kenntnisse über “Dienstleister” zugekauft werden können. Die Landwirtschaft kann integrativer Bestandteil der Energiewirtschaft werden, wenn sie es entsprechend anpackt. Da sollten alle zusammenstehen und die Chancen nutzen!

Wertschöpfung in die Landwirtschaft
Bei einer Beteiligung an einer Biogasanlage mit Gasaufbereitung sind Eigenkapitalrenditen zu erwirtschaften, die durchaus im zweistelligen Bereich liegen. Wenn diese Erträge zum Teil auf die Vergütung der Energiepflanzenlieferungen angerechnet werden, gelangt man zu sehr auskömmlichen Substratpreisen. Weiterhin wird sich die Ertragssituation der einspeisenden Anlage aufgrund der sich positiv entwickelnden Energiemärkte im Laufe der Zeit deutlich verbessern.

Hier noch eine ketzerische Anmerkung: Die außerlandwirtschaftlichen Investoren sind aus purer Uneigennützigkeit unterwegs, um mit der Vergütung von Energiepflanzen Wohlstand in die Landwirtschaft zu bringen… – Wer’s glaubt, wird selig, jedoch von den Entwicklungen an den Energiemärkten abgeschnitten.

Auch kleinere Anlagen rentabel
Im Bereich der Gasaufbereitungstechnologie hat es in den vergangenen Jahren unter anderem mit der drucklosen Aminwäsche Technologiesprünge gegeben, die die Anwendung der Gasaufbereitungstechnik in 500 kW(el.)–Anlagen (250 Nm3 Biogas/h) in absehbarer Zeit wirtschaftlich erscheinen lassen. Dieser Trend macht deutlich, dass die Gaseinspeisung nicht nur eine Domäne großer Biogasanlagen im Megawattbereich sein muss. Sinnvoll kann künftig auch die Vernetzung bereits bestehender Biogasanlagen sein mit dem Ziel, das erzeugte Rohbiogas zu einer zentral gelegenen Gasaufbereitungsanlage zu führen und einzuspeisen.

Politik sieht Gaseinspeisung als Königsweg
Auch die Politik sieht in der Gaseinspeisung wegen der vielen Verwendungsmöglichkeiten des Biomethans den Königsweg. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat jüngst deutlich gemacht, das es die Gaseinspeisung aus Effizienzgründen für erstrebenswert erachtet. Es setze sich daher für eine Gaseinspeisungsregelung analog zum EEG ein.

Im Übrigen visiert die Bundesregierung die Einspeisung von sechs Mrd. m3 Biogas in 2020 und zehn Mrd
m3 Biogas in 2030 an. Diese Ziele sind in der Gasnetzzugangsverordnung fixiert. Diese Größen entsprechen 1.400 gaseinspeisende Biogasanlagen in der Größe von 2,0 MW (el.) bis 2020 und 2.400 Anlagen
bis 2030!

Source: Landvolk Niedersachsen - Landesbauernverband e.V., Pressemitteilung, 2009-09-09.

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