6 Juni 2006

Biogas ins deutsche Erdgasnetz: Loick AG ganz vorn

In diesem Jahr soll erstmals Biogas ins deutsche Erdgasnetz eingespeist werden. Ähnlich wie Benzin und Diesel, denen künftig zunehmend Biokraftstoffe zugemischt werden, wird auch das Erdgas mit biologisch erzeugtem Gas gestreckt. Insgesamt könnten bis 2030 bis zu 10 Prozent des gegenwärtigen Gasverbrauchs über Biogas gedeckt werden.

In Deutschland produzieren bereits 2.700 Anlagen Biogas aus Pflanzen, Gülle, Lebensmittelabfällen oder Biomüll. In wenigen Monaten soll jedoch die erste Biogasanlage ihren Rohstoff ins Erdgasnetz einspeisen.

“Das Potenzial der Technologie ist beachtlich. Im Jahr 2030 könnten gut 10 Prozent des gegenwärtigen Erdgasverbrauches durch Biogas gedeckt werden”, sagt Stephan Ramesohl vom Wuppertal Institut für Umwelt, Energie und Klima. Der Anlagenboom wird anhalten, heißt es auch seitens des Geschäftsführers der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe in Gülzow, Andreas Schütte. Er rechnet in den kommenden Jahren gar mit mehr als 10.000 Biogasanlagen in Deutschland.

In der Branche wird sogar über eine freiwillige Selbstverpflichtung der Energieversorger diskutiert, nach der ein Mindestanteil von zehn Prozent Biogas bezogen auf den Verbrauch an den Erdgastankstellen in die Pipelines gebracht werden soll. Da bisher der Anteil des Verkehrs am gesamten Erdgasverbrauch noch weniger als 0,1 Prozent beträgt, ist das allerdings noch sehr wenig. Es wird jedoch damit gerechnet, dass die Zahl der Erdgasfahrzeuge in den kommenden Jahren stark ansteigen wird.

“Eine immense Chance eröffnet die Einspeisung ins Erdgasnetz. Dann kann die Energie künftig nicht nur vor Ort genutzt werden, sondern auch weit entfernt. Eben da, wo der Bedarf an Energie am größten ist”, meint Schütte. Das Erdgasnetz sei hierzulande engmaschig genug, so dass sich genügend Übergabepunkte anböten.

Unterdessen verfügt Schweden bereits über ein eigenes Biogasnetz. In der Stadt Göteborg wird an der Zapfsäule eines Busbahnhofes Biomethan getankt, das aus der Vergärung von Klärschlamm stammt. Durch die deutschen Erdgasleitungen rauscht dennoch bisher noch kein Biomethan. Nun jedoch schickt sich beispielsweise die Firma Loick AG an, den neuen Energieträger ins überregionale Netz zu pumpen.

Der Bau der Biogasanlage in Teterow in Mecklenburg-Vorpommern hat bereits begonnen. Sie soll im Oktober 2006 ihren Betrieb aufnehmen und bei voller Leistung zunächst 1.000 Kubikmeter Biogas pro Stunde abgeben. Das ist mehr als die Einwohner der Stadt Teterow selbst verbrauchen, weshalb ein Teil des Gases zugleich einen Industriepark in der Umgebung versorgen soll.

“Die großen Energieversorger haben angebissen”, freut sich der Unternehmer Hubert Loick. “Wir planen im Augenblick drei weitere Anlagen in Deutschland, davon zwei in Rheinlandpfalz und eine in Dorsten.” Auch die Stadtwerke Aachen arbeiten fieberhaft daran, den Rohstoff aus dem Grünen anzuzapfen.

Dazu werden die Reststoffe bei wohligen 38°Celsius und reichlich Wasser in haushohen Türmen vergoren. Zunächst werden die Pflanzen oder Abfälle von Hefen in Zucker und Alkohol zerlegt. In dieser Nährsuppe bildet eine zweite Sorte von Bakterien Essigsäure und Wasserstoff. Erst danach werden jene Helfershelfer aktiv, die das Methan liefern.

Aus einer Tonne Kartoffelschalen lassen sich nach einigen Tagen 85 Kubikmeter Gas entnehmen. Bei tierischen Abfällen können es sogar satte 600 Kubikmeter sein. Der so gewonnene Rohstoff wird bislang vor Ort in Motoren verbrannt und in Strom umgewandelt. Mancherorts wird mit der Wärme Stall und Haus beheizt. “Zum Verstromen ist dieser Energieträger eigentlich zu schade, wenn nicht zugleich die Wärme bei der Verbrennung mitgenutzt wird”, urteilt Ramesohl. Er plädiert deshalb dafür, das Gärgas ins Erdgasnetz zu pumpen.

Dafür müssen allerdings giftige Schwefelverbindungen, Wasser und Kohlendioxid aus dem Rohgas gefiltert werden. Die Technik dafür wird bereits in anderen Industriezweigen verwendet, ist also bereits etabliert. Allerdings erhöht die Reinigung den Preis für den Bio-Energieträger um rund dreißig Prozent. Derzeit kostet Biogas in Erdgasqualität sechs bis acht Eurocent je Kilowattstunde.

“Biogas ist teurer als Erdgas. Das ist der limitierende Faktor”, führt Schütte an. Dennoch prophezeit er dem Rohstoff eine glänzende Zukunft, wie eine Studie der Agentur aus dem Herbst 2005 belege. “Die Biogasproduktion stellt quasi eine Kreislaufwirtschaft dar. Das ist ein großes Plus und ein Trumpf gegenüber anderen erneuerbaren Energieträgern”, so Schütte. Den Pflanzen wird im Gärbehälter lediglich Kohlenstoff und Wasserstoff entzogen. Stickstoff, Phosphor und alle übrigen Mineralien bekommt der Boden zurück, wenn der Rückstand aus dem Faulturm als Dünger auf Äcker und Wiesen ausgebracht wird.

(Vgl. Meldungen vom 2006-05-24 und 2006-01-16.)

Source: wissenschaft.de vom 2006-06-03.

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