2 November 2005

Biogas in den Tank, nicht ins Netz!

E-Control verkennt Biogas-Potenzial und bleibt damit weiter auf Anti-Bioenergie-Kurs

“Die von der E-Control veröffentlichten Studien zum Biogas-Potenzial in Österreich weisen eine Reihe von Fehleinschätzungen auf”, erklärt DI Josef Plank, Biogas-Experte des Österreichischen Biomasse-Verbandes und verwehrt sich damit gegen die jüngsten Medienberichte rund um die Einspeisung von Biogas ins Erdgasnetz. (Vgl. Meldung vom 2005-10-31.)

Die Berichte des Energie-Regulators rechnen lediglich mit der Einspeisung in die Netzebene 3, also der Endverbraucherebene. Bei Einbeziehung der Mitteldruckebene (Netzebene 2, bis 70 bar) erhöhen sich die tatsächlichen Einspeisepotenziale bei Biomethan um den Faktor zehn.

“Das Umweltbundesamt geht in seiner jüngsten Potenzialabschätzung von rund 2,47 Milliarden Kubikmeter Biogas (Rohgas) pro Jahr aus, das entspricht einer Energiemenge von etwa 15 Milliarden Kilowattstunden”, korrigiert Plank. Bei einem österreichischen Erdgasverbrauch von nicht ganz 100 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2004 wären das theoretisch 15 Prozent und nicht, wie behauptet, maximal 1,7 Prozent. (Vgl. Meldung vom 2005-10-27.)

Biogas schlägt fossile Flüssigkraftstoffe um Längen

Entscheidend ist für Plank allerdings ein anderes Argument: “Unser Ziel ist nicht die Einspeisung ins Gasnetz, sondern die Etablierung von Biomethan als Treibstoff. Hier bietet das auf Erdgasqualität aufbereitete Biogas nicht nur eine umwerfende Umweltbilanz, sondern ist auch wesentlich preisgünstiger als Benzin oder Diesel.”

Wer Biogas tankt, erspart sich über 30 Prozent der Treibstoffkosten gegenüber Benzin und fährt um etwa 20 Prozent billiger als mit Diesel. Laut UBA-Studie lassen sich bis zu 27 Prozent der konventionellen Kraftstoffe in Österreich durch Biogas ersetzen. Hinzu kommt, dass der Einsatz von Biogas im Verkehrssektor zu einer Reduktion der gesamten Treibhausgasemissionen pro eingesetztem Fahrzeug von bis zu 75 Prozent führen könnte.

Biogas mit Abstand die höchsten Flächenerträge

“Gerade im Hinblick auf die Erfüllung der EU-Biokraftstoffrichtlinie führt kein Weg am Biogas vorbei”, ist der Fachmann überzeugt. “Biogas weist mit Abstand die höchsten Hektarerträge auf, weil nicht nur die Frucht, sondern die ganze Pflanze genutzt wird.”

Ein Hektar Mais liefert Biogas mit einem Energiegehalt von rund 40.000 kWh, aus einem Hektar Raps kann im Gegensatz dazu lediglich Biodiesel mit einem Energiegehalt von 9.940 kWh erzeugt werden. “Mit der Produktion von Biogas nützen wir die in Zukunft zweifellos knapper werdenden Anbauflächen optimal aus”, so Plank.

Rund ein Viertel der Treibstoffe könnten durch Biogas ersetzt werden

“Hohe Treibstoffkosten, der Anstieg des Kohlendioxidausstoßes im Verkehr sowie die zunehmende Feinstaubbelastung im urbanen Bereich sprechen für den Einsatz von Biogas im Verkehrssektor. Aus technischer Sicht ist die Verwendung von Biogas als Kraftstoff problemlos möglich. Laut Umweltbundesamt könnten beim Einsatz der gesamten Biogasmenge im Verkehr etwa 27 Prozent des Kraftstoffverbrauches ersetzt werden. Damit könnte man die Treibhausgasemissionen pro Fahrzeug bis zu 75 Prozent reduzieren.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Markteinführung sind gesetzliche Rahmenbedingungen, die Biogas als Kraftstoffalternative fördern. Die Festlegung attraktiver Einspeisebedingungen in das Erdgasnetz gehört ebenso dazu wie die langfristige Sicherstellung einer steuerlichen Begünstigung gegenüber herkömmlichen Kraftstoffen”, stellt Martin Preineder, Obmann des Energie-Ausschusses der Landwirtschaftskammer Österreich fest.

“Veredeltes Biogas erweitert die Basis unseres heimischen Energieaufkommens, da es als Treibstoff für Fahrzeuge oder in Brennstoffzellen Verwendung finden kann. Wir sind derzeit in Gesprächen mit Partnern, um diesen neuen Markt für die Landwirtschaft aktiv zu erschließen. Denn Biogas hat nicht nur den Vorteil einer hohen Effizienz, es minimiert auch die Feinstaubbelastung. Darüber hinaus entlastet es, wie jede andere Energieform aus nachwachsenden Rohstoffen, die CO2-Bilanz nachhaltig und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der österreichischen Biokraftstoff-Ziele mit 5,75% Energieanteil im Verkehr bis 2008″, meint der Vertreter des Energie-Ausschusses weiter.

Positive Beispiele sind vorhanden

Als positives Beispiel gilt die erste Biogas-Einspeisung in Pucking (OÖ). Dort wird seit dem Sommer gereinigtes Biogas in das bestehende Erdgas-Leitungsnetz eingespeist. (etwa 400.000 kWh/Jahr, was dem durchschnittlichen Jahresbedarf von rund 40 Wohnungen entspricht). (Vgl. Meldung vom 2005-06-28.)

Ein weiteres Pilotprojekt soll in Zusammenarbeit mit der “Wienenergie” entstehen. Hier ist die Einspeisung einer Gasmenge im Ausmaß von mehreren mittleren Biogasanlagen (400 bis 500 KW) geplant.

Auch die steirische Gas-WärmeGmbH setzt ein Projekt um, wo Biogas ins Netz eingespeist werden wird.

(Vgl. Meldung vom 2005-10-11.)

Source: Österreichischer Biomasse-Verband vom 2005-10-31, oekonews.at vom 2005-11-01 und AIZ vom 2005-11-02.

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