14 Dezember 2004

Biogas: Einsatzstoffliste für Nawaros liegt vor

Auch wenn die Beschaffung von Energiepflanzen einfacher wird als anfangs angenommen: Wer den Bonus für nachwachsende Rohstoffe erhalten will, muss einiges beachten. Der Fachverband Biogas warnt vor zuviel Euphorie gerade bei der reinen NawaRo Vergärung.

“Mit nachwachsenden Rohstoffen wird alles einfacher”, hört man in diesen Tagen von so manchem Referenten auf Veranstaltungen zum Thema Biogas. Richtig ist, dass mit dem Bonus für die Vergärung von nachwachsenden Rohstoffen (NawaRo) im novellierten Erneuerbaren-Energie-Gesetz (EEG) der Betriebszweig “Biogaserzeugung” für viele Landwirte eine interessante Einkommensquelle werden kann. Der Vorteil gegenüber der bisher meist üblichen Vergärung von organischen Reststoffen liegt darin, dass der Biogaserzeuger diese Einsatzstoffe auf eigenen Flächen produzieren kann und kein Fachmann im Abfallrecht mehr sein muss. Da der Landwirt die Energiepflanzen selber erzeugt hat er gut kalkulierbare und zuverlässig zur Verfügung stehende Substrate für seine Anlage.

“Doch auch bei nachwachsenden Rohstoffen gilt es einiges zu beachten, um den Anspruch auf den Bonus nicht leichtfertig zu verspielen”, warnt Josef Pellmeyer, Präsident des Fachverbandes Biogas und selbst Biogasanlagenbetreiber. Zunächst muss sich der Betreiber im Klaren sein, welche Stoffe überhaupt NawaRo-Bonus fähig sind. Hierzu hat der Fachverband Biogas eine mittlerweile allgemein anerkannte Einsatzstoffliste erarbeitet, die unter www.biogas.org im Internet herunterladbar ist. Entgegen ersten Interpretationen zeigen jüngste juristische Auslegungen des EEG, dass nachwachsende Rohstoffe nicht nur auf den eigenen Flächen angebaut oder von benachbarten Betrieben bezogen werden können, sondern auch über den Landhandel zugekauft werden können. “Wer jetzt jedoch glaubt, der Biogasbetrieb beschränke sich auf den Bau der Anlage und den einfachen Zukauf der Rohstoffe, hat weit gefehlt”, dämpft Pellmeyer die einseitige Euphorie so mancher Biogasinteressenten.

Der Zukauf bedeutet nicht nur erhebliche Nährstoffimporte in den Betrieb, für die entsprechende Nachweisflächen vorhanden sein müssen. Die Vergärung – egal, von welchen Einsatzstoffen – erfordert auch genaue Kenntnis über die biologischen Vorgänge im Fermenter. Ein Beispiel: übermäßige Fütterung von Getreide kann zu einem Anstieg der Stickstoffkonzentration im Fermenter führen, was den weiteren Gärprozess empfindlich hemmen kann. “Aus dem gleichen Grund ist vor zu großen Erwartungen zu warnen, Biogas ließe sich auch ganz einfach ohne Gülle erzeugen”, meint Pellmeyer hierzu. Technisch zwar möglich stellt diese “Monovergärung” von Energiepflanzen den Betreiber vor erhebliche Herausforderungen und verlangt Erfahrung und Fingerspitzengefühl hinsichtlich der Anlagenfütterung und -steuerung. Daher empfiehlt der Fachverband vor allem Biogaseinsteigern, wenn möglich die Anlagen auch mit einem Anteil Gülle zu füttern, da diese durch ihren puffernden Effekt den biologischen Prozess im Fermenter stabilisiert.

Weiter rät der Verband dazu, beim Bezug von nachwachsenden Rohstoffen nicht nur ein Einsatzstoff-Tagebuch zu führen, sondern sich auch vom Lieferanten detailliert bescheinigen zu lassen, dass ausschließlich Pflanzen bzw. Pflanzenteile im Sinne § 8 Absatz 2 EEG geliefert wurden und dass diese nicht anders als “zur Ernte, Lagerung und Verwendung in der Biogasanlage aufbereitet wurden”.

Nicht zuletzt muss sich jeder zukünftige Betreiber genau ausrechnen bis zu welchem Preis sich der Zukauf von nachwachsenden Rohstoffen rechnet. “Bei Anlagen, die mit hofeigenen Produkten gefüttert werden, weiß ich, welche Kosten entstehen”, so Pellmeyer, “wenn ich jedoch auf den Zukauf angewiesen bin, mache ich mich abhängig von der Preisentwicklung auf den Märkten. Das ist dann letztendlich die unternehmerische Entscheidung des Landwirts,die er nach genauer Kalkulation und anhand seiner Marktabschätzung treffen muss”, weiß Pellmeyer aus eigener Erfahrung.

Die Fragen rund um den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen, Grundüberlegungen zur Planung, aber auch Praxisberichte von Biogasanlagenbetreibern, die seit mehr als einem Jahr ausschließlich Energiepflanzen vergären, stehen im Mittelpunkt der 14. Jahrestagung des Fachverbandes Biogas. Vom 11. bis 13. Januar 2005 werden im Messezentrum in Nürnberg über 500 Teilnehmer erwartet, die sich über aktuelle Fragen rund um die Biogastechnik informieren wollen. Am 14. Januar wird außerdem eine Lehrfahrt zu Biogasanlagen in der Umgebung angeboten. Neben dem Nawaro-Bonus werden Fragen, wie das Nährstoffmanagement, Wirtschaftlichkeit, Speiserestevergärung, alternative Biogasnutzung oder die Akzeptanz von Biogasprojekten behandelt. Begleitet wird die Tagung von einer großen Ausstellung in der mehr als 50 Firmen, Berater und Verbände Technik und Informationen rund um das Thema Biogas auf über 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche anbieten.

Kontakt:
Fachverband Biogas e.V.
Angerbrunnenstr. 12
D-85356 Freising

Telefon: 08161-98 46 60
Fax: 08161-98 46 70
E-Mail: info@biogas.org
Internet: www.biogas.org

Source: Pressemitteilung Fachverband Biogas e.V. vom 2004-12-13.

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