10 August 2009

Biogas: Der Landwirt liefert die Biomasse

Evonik als Anlagenbetreiber

Aus nachwachsenden Rohstoffen, Bioabfällen und Gülle produziert Evonik Biogas, das in Strom und Wärme umgewandelt wird. Aus den Gärresten wird wertvoller Dünger. Eine Anlage steht im brandenburgischen Karstädt, weitere Anlagen sind im Bau oder geplant. Diese Art der Energieerzeugung leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

4d40ba8eefc3d33b15526a60284fe02a_g.jpgMilliarden von “Mitarbeitern” sind nötig, damit Biogas strömt: Unzählige Bakterien wandeln das Biomaterial in Methan um, den Brennstoff, der das Blockheizkraftwerk einer Biogasanlage in Gang hält. So auch in Karstädt. Hier betreibt die Evonik Industries AG eine Anlage, die mit Gülle und Bioabfällen betrieben wird. Die Gülle fließt von einem benachbarten Milchviehbetrieb durch unterirdische Leitungen in die Anlage.

Die Bioabfälle – wie zum Beispiel Tiefkühlprodukte, bei denen die Kühlkette unterbrochen wurde oder Reste aus der Biodieselherstellung – kommen mit Tank- und Lastwagen zur Anlage. Beim Betrieb einer Biogasanlage ist sehr viel Know-how gefragt. Die Bakterien verlangen ein ganz bestimmtes Milieu, das auf einer bestimmten Zusammensetzung der Biomaterialien beruht. “Zu viel Fett und zu viel Alkohol sind auch für Bakterien nicht gut”, veranschaulicht Chemieingenieurin Christina Schumann, Mitarbeiterin der Biogasanlage. Werden die Bakterien fachmännisch betreut, sind sie äußerst fleißig: 500 Kubikmeter Gas produzieren sie innerhalb von einer Stunde aus Gülle und Bioabfall. Damit ist der gesamte Gaspuffer der Anlage gefüllt.

Mit dem daraus im Blockheizkraftwerk produzierten Strom können 2000 Haushalte versorgt werden. Der Strom wird nach den Richtlinien des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vergütet. Auch die Energieerzeugung aus Gas muss beherrscht werden. Die Experten von Evonik kennen sich mit der Verbrennung von Methan aus, da das Unternehmen beziehungsweise seine Vorgänger schon seit 100 Jahren Grubengas nutzen. Auch dieses besteht zum großen Teil aus Methan. Die im Blockheizkraftwerk anfallende Wärme wird zum Betrieb der Anlage genutzt. Den Gärrest bringt der Bauer des benachbarten Betriebs als Dünger auf die Felder aus.

Viele Biogasanlagen werden von Landwirten betrieben, deren Hauptgeschäft jedoch der eigene Betrieb ist. Landwirt Cord Cordes aus dem niedersächsischen Kirchwalsede setzt hingegen auf Kooperation mit einem Partner aus der Industrie. Evonik und Cordes bauen gemeinsam eine Anlage, die aus nachwachsenden Energiepflanzen, Gülle und Mist Strom und Wärme produziert. Mit dem Strom können 2870 Einfamilienhaushalte versorgt werden. Die Wärme dient zur Trocknung des Gärrestes, der zu Pellets gepresst und als Dünger genutzt wird. “Eine Anlage dieser Größenordnung kann ich nicht mehr nebenbei betreiben”, steht für den Bauern fest, in dessen Schweinestall 430 Tiere sind. Die Kooperation bringt Vorteile für beide Seiten: Der Landwirt kümmert sich um das “Futter” für die Anlage, sprich Energiepflanzen, Gülle und Mist, der Industriepartner bringt das technische, betriebswirtschaftliche und genehmigungsrechtliche Know-how ein.

Auch bei einem Projekt in Dorsten im Norden des Ruhrgebiets liefert ein Landwirt die Biomasse. Hier soll das Biogas ins Erdgasnetz eingespeist werden. Immer mehr Versorger bieten nicht nur Ökostrom, sondern auch umweltschonendes Bioerdgas an.

Die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen erspart der Umwelt viel CO2. Bei der Verbrennung des Biogases wird nur soviel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen beim Wachstum aufgenommen haben. Die zum Beispiel in der Lebensmittelproduktion oder im Handel anfallenden Bioabfälle werden einer sinnvollen Verwertung zugeführt. “Die Bioabfallvergärung spart im Vergleich zur Kompostierung pro Tonne Bioabfall mehr als 150 Kilogramm CO2-Emissionen ein”, weist Prof. Frank Baur vom Institut für ZukunftsEnergieSysteme auf einen wichtigen Aspekt des Klimaschutzes hin. “Durch die Grundlastfähigkeit kann Biogas zudem ein wichtiger Pfeiler dezentral versorgter Stromnetze werden”, erklärt Prof. Baur. Denn Biogas liefert kontinuierlich Strom und ist nicht wie beispielsweise Windkraftanlagen auf bestimmte Wetterverhältnisse angewiesen.

Um nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion zu treten, kann Grasschnitt verwendet werden, der von nicht mehr genutzten Grünflächen stammt. Außerdem können Energiepflanzen als Zwischenfrucht angebaut werden. Evonik setzt zudem beim Bau von Anlagen auf das Verfahren der Trockengärung, die einen höheren Anteil an trockenen Stoffen erlaubt. Dort können alle Stoffe, die der Gesetzgeber für Biogasanlagen erlaubt, verwertet werden. Zum Beispiel abgemähtes Gras vom Straßenrand oder Abfälle aus der Biotonne. Auch Hühnermist kann bei diesem Verfahren anders als bei der Nassvergärung verwendet werden. Damit hat auch die Anlage in Kirchwalsede eine weitere Möglichkeit. Denn Hühnermist fällt in der Gegend reichlich an.

Source: Evonik Industries, Pressemitteilung, 2009-08.

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