17 September 2005

Biogas als Treibstoff zunehmend attraktiver

Biogas steht bei den biogenen Treibstoffen ganz oben auf der Rangliste. Darüber waren sich die Teilnehmer an dem Region Aktiv Forum “Vom Acker in den Tank” auf der Öxpo 2005 in Grabow einig. Der Energiegehalt pro angebauten Hektar Biomasse ist bei Biomethan am größten. Mit keinem anderen Treibstoff können, auf den Hektar Anbaufläche bezogen, so viele Kilometer gefahren werden wie mit dem aufbereitetem Biogas.

Diese Tatsache wird vor dem Hintergrund schwindender Ölreserven und zunehmendem Energiehunger weltweit immer wichtiger. Dr. Gerd Höher vom niedersächsischen Ministerium für den ländlichen Raum stellte sich sogar auf den Standpunkt, dass der Anbau von Raps für die Biodieselproduktion zugunsten von Bio-gas als Treibstoff immer mehr an Bedeutung verlieren werde. Mit seinen rund 500 Biogasanlagen, die schon heute 1 Mio MWh Strom erzeugen bei einem Umsatz von 120 Mio €, führt Niedersachsen bundesweit, erläutert Dr. Höher in seinem engagiert vorgetragenem Referat “Bioenergie in Niedersachen”. Er schätzt das Potential der Biogasnutzung in Niedersachen auf 5,3 Mio MWh Strom. Das würde einen Umsatz von 600 Mio € und ca. 5.000 Arbeitsplätze bedeuten.

Doch der beste Treibstoff nutzt nichts, wenn er nicht zur Verfügung steht. In der Region Wendland/Elbetal soll daher, gefördert durch die Regionalentwicklungsinitiative “Region Aktiv Wendland/Elbetal“, eine Gastankstelle errichtet werden. Voraussichtlich zum Jahreswechsel kann aufbereitetes Biogas an der Tankstelle in Jameln getankt werden. Das Biomethan entsteht in der Biogasanlage, die auf dem Betriebsgelände der Raiffeisen Warengenossenschaft (RWG) Jameln bereits gebaut wird. Um ein Gas in Treibstoffqualität (]90 % Methange-
halt) zu erhalten, muss das entstehende Biogas gereinigt und verdichtet werden.

Als kompetenter Partner mit im Boot ist die eon-Avacon Lüneburg, die für die Aufbereitungstechnik und die Gastankstelle die Verantwortung übernommen hat. Ziel der Gasversorger ist es, das Gastankstellennetz bundesweit von z.Zt. 600 auf 1000 Tankstellen zu erweitern. Das Erdgas im hiesigen Gasnetz hat nach Aussage von Reinhard Hunger, Geschäftsführer der eon-Avacon Lüneburg, einen zu geringen Methangehalt, um damit Gasfahrzeuge zu betanken. Somit hilft das Biogas aus der Anlage der RWG Jameln mit seinem hohen Methangehalt Lücken im Tankstellennetz zu schließen.

“Eine gute Verfügbarkeit des Treibstoffes ist das wichtigste bei der Entscheidung für ein Gasfahrzeug. Schon heute werden Gasfahrzeuge von vielen Herstellern serienmäßig geliefert”, referierte Dieter Niber, Fiat-Autohändler aus Uelzen. Die modernen Gasfahrzeuge vieler Hersteller werden den Ansprüchen an Sicherheit, Komfort, Reichweite und geringen Zusatzkosten gerecht. Die meisten Fahrzeuge auf dem Markt sind sogenannte Bifuel-Fahrzeuge, die sowohl Methan als auch Benzin tanken können. Dadurch können eventuelle Versorgungslücken überbrückt und die Gesamtreichweite der Fahrzeuge erhöht werden.

Wie wirtschaftlich Gasfahrzeuge betrieben werden können, dazu äußerte sich Helmut Schmidt, Taxiunternehmer aus Ahlfeld. Er unterhält eine Flotte von 40 Gasfahrzeugen. Seitdem wurden fünf Gastankstellen in der Region eröffnet. Der Unternehmer hatte bisher keinerlei Probleme mit seinen Gasfahrzeugen. Nach seinen Berechnungen fährt er für die Hälfte der Treibstoffkosten im Vergleich zu Dieselfahrzeugen. Dazu kommt eine Steuerbefreiung für gasbetriebene Fahrzeuge. Die Gasnetzbetreiber haben zusätzlich Anreize für den Erwerb von Gasfahrzeugen geschaffen, indem Treibstoffgutscheine vergeben werden. Vor diesem Hintergrund waren sich die Teilnehmer einig, dass sich mit der Eröffnung der Tankstelle die Zahl der Gasfahrzeuge in der Region erhöhen wird. Mehr Gasfahrzeuge können für einen gesteigerten Absatz von Biomethan als Treibstoff sorgen.

Die günstigen Rahmenbedingungen und die steigenden Preise für fossile Treibstoffe werden ihren Teil dazu beitragen. Zusätzlich hofft Michael Wedler, Regionalmanager von Region Aktiv, den Absatz von Biogas als Treibstoff dadurch zu fördern, dass in einem ergänzenden Entwicklungsprojekt landwirtschaftliche Maschinen auf einen Betrieb mit Biomethan geprüft werden. Der zunehmende Kostendruck auf die Landwirte bei steigenden Treibstoffpreisen und die Kappung der Dieselrückvergütung kann auf diesem Gebiet für einen zusätzlichen Schub sorgen.

Das von “Regionen Aktiv Wendland/Elbetal” veranstaltete Forum hat deutlich gemacht, dass bei dem Projekt “Biogastankstelle Jameln” alle wichtigen Kooperationspartner beteiligt sind und gemeinsam die Idee der Nutzung von Biogas als Treibstoff Wirklichkeit wird. Nur so kann ein solch innovatives Vorhaben auch zum verdienten Erfolg geführt werden.

Weitere Informationen:
Regionalbüro, Angelika Straub 05864-9889-67
E-Mail: buero-aktiv@wendland-net.de
Regionalmanager, Michael Wedler 04131-9503-27 oder 0175-5630891
E-Mail: mwedler@lueneburg.nlg.de
Internet www.wendland-elbetal.de

(Vgl. Meldung vom 2005-05-03.)

Source: Pressemitteilung der "Regionen Aktiv Wendland/Elbetal" vom 2005-09-15.

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