26 April 2006

Bioethanol: Hersteller holen auf

Hoher Ölpreis stärkt Biokraftstoffe

Die Biokraftstoffbranche profitiert kräftig von der Suche nach Alternativen zum teuren Rohöl. So sind derzeit in Deutschland sieben Werke im Bau, die die Produktionskapazitäten für Ethanol auf Pflanzenbasis spätestens im kommenden Jahr auf knapp 900.000 Tonnen verdoppeln.

“Mit einem Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche könnte Deutschland 40 Prozent seines gesamten Kraftstoffbedarfs decken”, sagte Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), am Montag auf der Industriemesse in Hannover.

Bei Rohölpreisen von mehr als 70 $ wie derzeit ist die Schwelle zur Wirtschaftlichkeit für Produkte wie Biodiesel, Biogas oder Ethanol deutlich überschritten. Die Technologien sind überwiegend seit Jahrzehnten etabliert.

Die sieben neuen Ethanolanlagen steigern den Anteil von Biosprit in Deutschland von vier Prozent auf sechs Prozent. Damit sei klar, dass Deutschland das von der EU für 2010 angepeilte Ziel von 5,75 Prozent Bioanteil überschreite.

Die Bundesregierung plant die Einführung einer Pflicht zur Beimischung von Biokraftstoffen zum üblichen Sprit ab 2007. Benzin soll zwei Prozent Ethanol, Diesel fünf Prozent Biodiesel enthalten. Dies führt nach Angaben der Branche zu einer Erhöhung der Literpreise um 3 Cent. Weitere 3 Cent gehen zum selben Zeitpunkt voraussichtlich auf das Konto der geplanten Erhöhung der Mehrwertsteuer.

Gleichzeitig plant Berlin die Abschaffung der Steuervorteile für Biokraftstoffe. Dies würde dem Bund Mehreinnahmen von 1,7 Mrd. Euro sichern. Gegen den Plan wehrt sich die Branche vehement. Die Mineralölkonzerne würden zur Erfüllung der Beimischung auf billiges Palmöl ausweichen und die Absatzkanäle der meist kleineren inländischen Firmen verstopfen, fürchtet der Verband.

“Wenn der Mittelstand ausgebootet wird, stehen 30.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel”, drohte Lackmann. Der Mineralölwirtschaftsverband wies die Darstellung zurück. “Palmöl hat nicht die Qualität, die wir brauchen”, sagte eine Sprecherin. Die Biobranche fürchte die Konkurrenz aus dem Ausland.

Mehr Einsatz von Biogas

Experten sprachen sich in Hannover für einen verstärkten Einsatz von Biogas aus. Das in dezentralen Anlagen erzeugte Gas solle ins herkömmliche Erdgasnetz eingespeist werden, um es in zentralen Syntheseanlagen in Kraftstoff umzuwandeln, schlug der niedersächsische Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlers vor. So sei die höchste Energieausbeute zu erzielen: Ein Hektar Acker liefere genug Energie für 70.000 Autokilometer, gegenüber 16.000 bei Biodiesel.

(Vgl. Meldungen vom 2006-04-12 und 2006-04-20.)

Source: Financial Times Deutschland vom 2006-04-25.

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