15 Mai 2006

Bioethanol als Megatrend

Bioethanol – meist aus Zucker und Mais gewonnener Treibstoff – rückt immer stärker ins grelle Rampenlicht der Börsenszene. An der US-Terminbörse Chicago Board of Trade (CBOT) ist der Preis für eine Gallone von aus US-Mais hergestelltem Ethanol jetzt auf das Rekordniveau von 2,95 Dollar je Gallone gestiegen. Noch im Oktober 2005 kostete eine Gallone dieser erneuerbaren Energie lediglich 1,60 Dollar. Der Preis für US-Ethanol hat sich dabei sehr stark an der Entwicklung des Benzinpreises in den USA orientiert.

Das New York Board of Trade (Nybot) hat wegen des starken Interesses an diesem Treibstoff jetzt angekündigt, ihren seit vielen Monaten suspendierten Future auf aus brasilianischem Zuckerrohr hergestelltem Ethanol reaktivieren zu wollen. Dieser bereits vor rund zwei Jahren eingeführte Futures-Kontrakt erreichte die für einen reibungslosen Handel notwendige Liquidität in den vergangenen Monaten nicht. Ein Grund: Brasilien hat wegen des hohen Eigenbedarfs seit Monaten bereits kaum noch Ethanol nach Nordamerika exportiert.

Der noch junge Ethanol-Markt werde einen kräftigen Aufschwung erleben, sagt Jeff Currie, bei Goldman Sachs für das Rohstoff-Research verantwortlich, dem Handelsblatt. Gleichzeitig schränkt er ein, dass Ethanol als Treibstoff wohl erst in einigen Jahren wirklich größere Bedeutung erlangen werde. Bevor eine bessere Durchdringung des Marktes möglich sei, müssten erst die notwendigen infrastrukturellen Maßnahmen (wie Raffinerien, Transport, Tankstellenausrüstung) abgeschlossen sein.

Doch bereits heute bestimmt Ethanol (und Biodiesel) sowohl die Themen der Energiepolitiker in aller Welt als auch die sich mit Agrar- und Energierohstoffen beschäftigenden Unternehmen. So wird innerhalb des Kongresses in Washington derzeit heftig darüber gestritten, ob die Einfuhrzölle für Ethanol in den USA wegen der derzeit rekordhohen Treibstoffpreise abgeschafft oder aber zumindest reduziert werden sollen.

Gegen eine Reduzierung haben sich indes mehrere Wirtschafts-Dachverbände – wie die Renewable Fuels Association, die National Corn Growers Association und die American Farm Bureau Federation – ausgesprochen. Eine solche Maßnahme habe keinen wirklichen Einfluss auf die Preise an den Tankstellen, hieß es von diesen Seiten zur Begründung.

Und auch bei den Kapitalanlegern wird Ethanol als ein spannendes Thema gesehen. So hat sich Bill Gates – der reichste Mann der Welt – kürzlich ein größeres Aktienpaket am Ethanolproduzenten Pacific Ethanol gesichert. Die Aktie hat sich daraufhin innerhalb weniger Monate beinahe vervierfacht.

Zu einer Preisverdoppelung kam es innerhalb nur weniger Monate beim Agrargiganten Archer Daniels Midland, einem führenden Verarbeiter von Mais. “Ethanol ist derzeit ein Trend im Megatrend der erneuerbaren Energien – genau wie Solar und Wind oder Meerwasserentsalzung”, sagt Herbert Wertz, Fondsmanager bei AMB Generali.

Treibstoff

Die Rohstoffe: Das vor allem als Treibstoffzusatz genutzte Bio-Ethanol wird aus Zuckerrohr (Brasilien) und aus Mais (USA) sowie aus anderen agrarischen Rohstoffen hergestellt.

Produktion: Weltweit wurden im Jahr 2005 rund 9,6 Mrd. Gallonen Ethanol produziert. Die Agrarexperten von F.O. Licht rechnen bis 2010 mit einem Anstieg auf 15,9 Mrd. Gallonen. Mit rund 4,2 Mrd. Gallonen war Brasilien 2005 der weltgrößte Ethanol-Produzent. Die USA produzierten in 97 Ethanol-Anlagen 3,5 Mrd. Gallonen. Derzeit befinden sich in den USA 35 weitere Anlagen im Bau. Die Kapazität soll in 18 Monaten so auf 6,7 Mrd. Gallonen gesteigert werden.

Verbrauch: Brasilien hat 2005 mehr als 3,7 Mrd. Gallonen verbraucht. In den USA belief sich der Verbrauch im vergangenen Jahr auf 3,5 Mrd. Gallonen.

(Vgl. Meldung vom 2006-04-18 und 2006-04-26.)

Source: Handelsblatt vom 2006-05-12.

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