31 Januar 2006

Biodiesel treibt Aktienkurse an

Mehrere Hersteller sind bereits an der Börse notiert

Nach dem Wind- und Solarhype zeichnet sich an der Börse der nächste Öko-Trend bereits ab. Diesmal ist es die Biomasse, die Energie für Heizanlagen und Kraftwerke liefert. Mit Raps, Getreide oder Holz lassen sich aber auch Autos bewegen – und Börsenkurse.

Seit September 2005 werden die Aktien von EOP Biodiesel an der Frankfurter Börse gehandelt. Binnen weniger Tage verteuerte sich das Papier um traumhafte 130 Prozent. Bis zum Jahresende sank der Kurs um rund 30 Prozent, seither ging es wieder rund 50 Prozent aufwärts.

Stetiger zeigte sich bisher die seit Ende November börsennotierte Biopetrol Industries – die Aktie notiert rund 35 Prozent im Plus. Biopetrol hat seinen Sitz in der Schweiz, die operative Verwaltung ist in Düsseldorf angesiedelt, und produziert wird in Schwarzheide. Mit einer aktuellen Produktionskapazität von jährlich 150.000 Tonnen ist Biopetrol weit größer als EOP mit 32.500 Tonnen.

Beide Unternehmen stellen hauptsächlich Rapsmethylester (Biodiesel) her, den es an rund 1.900 deutschen Tankstellen zu kaufen gibt. Er kann normalem Diesel im Umfang von bis zu fünf Prozent beigemischt werden, oder aber der Motor wird so umgerüstet, dass das Auto komplett mit Biodiesel fährt.

Gegenüber konventionellem Diesel besteht ein Preisvorteil von rund 20 Cent je Liter, denn Biodiesel ist noch von Rot-Grün bis 2009 von der Mineralölsteuer befreit worden.

Entsprechend reagiert die Börse auch äußerst nervös auf politische Entwicklungen. Die ursprünglichen Pläne der neuen Regierung zur Normalbesteuerung setzten die Kurse von Biospritherstellern ebenso wie Optionsgeschäfte auf Raps unter Druck.

Entspannung gab es nach dem nun gefundenen Kompromiss: Die Steuerbefreiung für reinen Biodiesel bleibt, während der normalem Diesel beigemischte Kraftstoff besteuert wird.

Auch aus der EU gibt es positive Signale. Die EU hat die Erhöhung des Anteils regenerativer Kraftstoffe bis 2010 auf 5,75 Prozent beschlossen; Länder wie Österreich und die Niederlande haben bereits eine Beimischungspflicht verabschiedet, die auch in Deutschland kommen soll.

Weitere Unternehmen sind an der Börse aktiv, allen voran der deutsche Marktführer Ölmühle Hamburg. Das Traditionsunternehmen, das neben Biodiesel auch Öle für Lebensmittel und Kosmetik sowie Futtermittelrohstoffe produziert, gehört zu 95 Prozent dem US-Agrarriesen Archer Daniels Midland, weshalb ein Engagement für Privatanleger kaum lohnend erscheint.

Ebenfalls mit Vorsicht zu genießen sind die Aktien von Earth Biofuels – einem US-Unternehmen, das Biodiesel aus Getreide herstellt und vertreibt – oder der Biofuels Corp. aus Großbritannien, die noch mit dem Aufbau der ersten Produktionsanlage beschäftigt ist.

Für beide ist die Informationslage spärlich – was aber auch für EOP und Biopetrol gilt. EOP hat für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Verlust gemeldet, will jedoch im Gesamtjahr bei einem Umsatz von gut 30 Millionen Euro einen Überschuss von gut einer Million erwirtschaften.

Konkurrent Biopetrol hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres gut 57 Millionen Euro umgesetzt und einen Nachsteuergewinn von gut 2,2 Millionen erzielt. Angesichts dieser Zahlen drücken die aktuellen Börsenbewertungen – EOP: fast 60 Millionen Euro, Biopetrol: über 400 Millionen – einen hohen Vertrauensvorschuss aus.

Aber offenbar stehen die Zeichen auf Wachstum. Die Marktforscher von Frost & Sullivan prognostizieren eine jährliche Absatzsteigerung in Europa von über 20 Prozent bis 2011.

(Vgl. Meldungen vom 2005-11-14 und 2005-10-26.)

Source: Neues Deutschland vom 2006-01-27.

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