7 April 2008

Biodiesel Süd plant billiges Recycling-Pflanzenöl für BHKW

In Marbach Aufbereitung für Alt-Pflanzenöle statt Biodieselerzeugung?

Biokraftstoffe, vor kurzem noch als Retter von Landwirtschaft und Umwelt gepriesen, sehen derzeit in eine sehr ungewisse Zukunft mit hohen Rohstoffpreisen und zunehmendem Gegenwind aus Politik und in den Medien. Für den Geschäftsführer der Biodiesel Süd in Marbach ist Flexibilität Trumpf: Die in Marbach geplante Produktionsanlage soll nun auf die Erzeugung von “Liquid Organic Energy” (LEO, flüssige Bioenergie) aus verunreinigten Pflanzenölen der Industrie ausgerichtet werden.

Gegenüber der Ludwigsburger Kreiszeitung beklagte Karl-Heinz Krauss, Geschäftsführer der Biodiesel Süd, die “politische Macht der Mineralölkonzerne”. Doch mit einem neuen Produkt und damit einem anderen Markt soll die im Marbacher Industrie- und Technologiepark am Neckar geplante Anlage zur Erzeugung von jährlich 150.000 Tonnen Biokraftstoff doch noch Realität werden.

Krauss will, sofern er genügend Investoren dafür findet, verunreinigtes Altöl vor allem aus der Industrie – wo Pflanzenöle unter anderem bei der Herstellung von Farben und Kosmetika, aber auch zu Kühlzwecken etwa im Maschinenbau verwendet werden – aufbereiten und daraus einen Treibstoff erzeugen, der sich für die Befeuerung von Blockheizkraftwerken und Müllverbrennungsanlagen, aber auch als Heizöl eignen würde. Derzeit, so der Biodiesel-Chef, stünden viele auf den Betrieb mit Pflanzenöl ausgelegte Blockheizkraftwerke wegen der zu hohen Kraftstoffpreise still: “Wir wären viel billiger als die derzeit gängigen Marktpreise zwischen 800 und 900 Euro pro Tonne”, sagt Krauss.

Dafür sprechen mehrere Faktoren. Vor allem lägen die Investitionskosten deutlich unter jenen der bisher geplanten Biodieselanlage: Statt 58 würde das Werk nur noch 25 Millionen Euro kosten und könnte gleichwohl am vorgesehenen Standort entstehen, ohne dass das bereits eingereichte Baugesuch gravierend geändert werden müsste. Zudem könnte Krauss wohl mit deutlich stabileren Rohstoffkosten kalkulieren – und mit einer auf dem Alt-Pflanzenöl-Recycling basierenden Produktion auch jene Kritiker überzeugen, die in dem Marbacher Projekt schon einen Großabnehmer importierter Soja- oder Palmöle sahen.

Für die Kurskorrektur gewonnen hat die Biodiesel Süd bereits den Energiekonzern EnBW: Die Karlsruher haben die Rückgabe-Option für das Grundstück, das Krauss ihnen vor genau einem Jahr abgekauft hatte, um ein Jahr verlängert. Im Herbst, sagte Krauss, werde man sehen, ob das neue Konzept aufgeht.

(Vgl. Meldungen vom 2006-10-20, 2007-07-10 und 2007-07-05.)

Source: Ludwigsburger Kreiszeitung, 2008-04-04.

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