13 Februar 2002

Biodiesel – Marktentwicklung, Freigabensituation, Qualitätssicherung und Handlungsbedarf

Ökologische Steuerreform, ein starker Dollar und die Handelspolitik der OPEC haben dazu geführt, dass Biodiesel ein gefragter Kraftstoff ist. Hiermit einhergehend hat sich der Absatz von Biodiesel positiv entwickelt. Wurden im Jahre 1997 ca. 80.000 t Biodiesel produziert, werden es Ende 2001 mehr als 400.000 t sein. Wird zu der Biodieselproduktion noch die Verwendung von Rapsöl in der Oleochemie und im Schmierstoffbereich hinzugerechnet, beträgt der Rapsölbedarf für diese Rohstoffmärkte mittlerweile über 550.000 t – dies entspricht einem Flächenäquivalent von ca. 470.000 ha.

Nach übereinstimmenden Schätzungen der UFOP und des Landwirtschaftsministeriums, ist bei einer Anbaufläche von ca. 1.000.000 ha das ökologisch sinnvolle Potential ausgeschöpft. Dies entspricht einer Biodieselmenge von ca.1,2 Mill. t oder 5 – 7 % des nationalen Dieselkraftstoffverbrauchs in Höhe von ca. 28 Mill. t. Biodiesel ist und bleibt daher ein Nischenkraftstoff und sollte daher prioritär in umweltsensiblen Bereichen eingesetzt werden.

Aus nationaler Sicht ist bei dem genannten Anbauumfang die Grenze erreicht. Dennoch ist die Anbauflächenentwicklung bzw. die Absatzperspektive in dem Kontext der Agrarpolitik der Europäischen Union zu sehen. Im Rahmen der Agenda 2000 sind alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, 10 % der Fläche aus der Nahrungsmittelproduktion zu nehmen. Dies entspricht in der Europäischen Union einem Flächenäquivalent von ca. 7 Mill. ha. Bei Erweiterung der EU um die Mittel- und Osteuropäischen Staaten nimmt der Anteil der stillzulegenden Fläche auf bis zu 12 Mill. ha erheblich zu. (Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten, 01).

Produktionskapazität/Qualitätssicherung

Die agrar-, umwelt- und steuerpolitischen Rahmenbedingungen haben dazu geführt, dass in den vergangenen zwei Jahren erhebliche Mittel aufgewendet wurden und auch weiterhin werden, Anlagen für die Produktion von Biodiesel zu errichten. Unter Berücksichtigung der Lohnverarbeitung deutscher Biodiesel-Handelsunternehmen im Ausland, beträgt die Biodiesel-Produktionskapazität Ende 2001 ca. 600.000 t. Dieser rasanten Kapazitätsentwicklung muss auf der einen Seite ein entsprechend aufnahmefähiger Markt gegenüberstehen, andererseits muss die erste wie die letzte Tonne Biodiesel der genannten Kapazität mit der gleichbleibenden, von der Automobilindustrie geforderten, Qualität produziert werden.

Biodieselkapazität im Jahr 2001/2002

Es werden daher hohe Anforderungen an die Anlagentechnologie und die Qualitätskontrolle gestellt, damit ausschließlich Biodiesel vermarktet wird, der die Anforderungen nach der Norm E-DIN 51606 erfüllt. In dieser Spezifikation sind die technischen Anforderungen an die Biodieselqualität definiert, auf dessen Basis die Freigaben für die Verwendung von Biodiesel von Seiten der Fahrzeugindustrie erteilt werden. Vorreiter ist hier bekanntlich die Volkswagen AG mit ihren weiteren Unternehmen Audi, Seat und Skoda.

Die Volkswagen AG gibt mittlerweile seit Modelljahr 1996 ihre Dieselmotoren für den Alternativkraftstoff ausschließlich auf Basis von Rapsölmethylester frei. Die VW AG, BMW und andere Fahrzeughersteller verbinden die Freigabe also mit einer Rohstoffspezifikation. Auf Basis der Neuzulassungen lässt sich abschätzen, dass das “Kundenpotential” bereits mehr als 2,5 Mill. Fahrzeuge in Deutschland beträgt. Bedient werden soll dieses Kundenpotential über die stetig wachsende Anzahl von Biodieseltankstellen. Mittlerweile bieten ca. 1.400 öffentliche Tankstellen in Deutschland und 100 Tankstellen in Österreich Biodiesel an. Insbesondere die so genannten freien Tankstellen sind – nicht zuletzt aufgrund des scharfen Wettbewerbes mit den Farbentankstellen – daran interessiert, ein Zusatzprodukt in ihr Angebot aufzunehmen, um vor allem neue Kunden für die Tankstelle zu gewinnen.

Anhand der Tankstellenanzahl wird aber auch deutlich, dass die Anzahl der Marktteilnehmer nicht nur auf der Endabgabeseite, sondern auch auf der Handelsstufe erheblich gestiegen ist. Auf Initiative der UFOP hatten sich deshalb bereits seit 1999 die Biodieselhersteller mit der Frage beschäftigt, wie bis zum Endkunden, also dem Fahrzeughalter oder Flottenbetreiber, eine gleich bleibende Qualität nach den in der E DIN 51606 vorgegebenen Mindestqualitätsparametern gewährleistet werden kann.

Das Ergebnis war im Dezember 1999 die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement Biodiesel e.V.. Diesem Verein gehören praktisch alle deutschen Biodieselhersteller und diejenigen Biodieselhersteller an, die im Ausland für den deutschen Markt produzieren. Weitere Mitglieder sind die bedeutendsten Biodieselhandelsunternehmen. (Eine Adressenliste kann bei der UFOP, Reinhardtstraße 18, 10117 Berlin angefordert werden.)

Gemeinsam mit den Unternehmen wurde inzwischen ein Qualitätssicherungskonzept entwickelt, das sich derzeit in der Umsetzungsphase befindet. Das Qualitätssicherungskonzept sieht vor, dass Biodiesel praktisch auf allen Stufen kontrolliert wird. Im Mittelpunkt stehen die Biodieselhersteller und die Tankstellen. Die Biodieselhersteller planen, hier noch einen Schritt weiterzugehen und für Biodiesel ein Gütezeichen nach den Kriterien des RAL, also dem Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V., zu entwickeln. Dieses Konzept sieht verschärfte Anforderungen an die Qualitätskontrolle in den Herstellerbetrieben und hiermit einhergehend an die labortechnische Ausstattung, Personalqualifikation usw. vor. Mit diesem Ansatz wird die Überlegung verfolgt, dass durch eine möglichst intensive Qualitätskontrolle auf der Herstellerstufe praktisch mehr als 90 % der Qualitätsparameter nach der E-DIN erfüllt bzw. kontrolliert werden und hiermit einhergehend der Kostenaufwand für die Qualitätssicherung insgesamt in einem angemessenem Verhältnis steht.

Am Ende der Produktkette steht die Tankstelle, die die Herkunft des Biodiesels aus der Arbeitsgemeinschaft ausloben soll. Zu diesem Zweck wird den Tankstellen, die bereit sind, sich Qualitätskontrollen zu unterwerfen, ein Kontrollzeichen vergeben. Das Interesse zur Mitarbeit ist von Seiten der Tankstellen außerordentlich groß. Im November wird voraussichtlich mit der Vergabe der Kontrollzeichen an die Tankstellen – als ein für den Fahrzeughalter sichtbares Kennzeichen für eine kontrollierte Qualität – begonnen. Gleichzeitig wird hiermit das Ziel einer Kundenbindung an den “Qualitäts-Biodiesel” verfolgt. Ziel ist es, durch diesen “qualitätspolitischen Sachzwang” alle an der Biodieselvermarktung beteiligten Unternehmen für dieses Qualitätssicherungskonzept zu gewinnen.

Ausblick/Handlungsbedarf

Ergänzend zu diesem Konzept plant die Bundesregierung ohnehin, durch die Einbindung von Biodiesel in die Kraftstoffqualitätsverordnung (10. BImSchV) die behördlichen Kontrollen auch auf dieses Produkt auszudehnen. Bei ca. insgesamt 17.000 Tankstellen in Deutschland sind 1.300 Biodieseltankstellen bereits ein wichtiger Angebotsfaktor. Diese Initiative haben UFOP und die Biodieselwirtschaft begrüßt und erwarten, dass die Bundesregierung baldmöglichst der Entschließung des Bundesrates vom 27.September entspricht und dem Bundeskabinett ein Entwurf zugeleitet wird. Der Bundesrat hat in seiner Entschließung betont, dass aufgrund der absehbar wachsenden Kapazitäten für die Produktion von Biodiesel ein Marktanteil von 2,5% realistisch ist und damit Handlungsbedarf für eine Gleichbehandlung mit den übrigen Kraftstoffen besteht. Sollte die Schaffung einer europäischen Norm nicht in absehbarer Zeit zu einem Ergebnis führen, ist die nationale Vornorm (E-DIN 51606) als Grundlage für die Festlegung der Prüfparameter heranzuziehen.

Die Anforderungen an die Qualitätsproduktion werden mit der Schaffung einer europäischen Norm (pr EN 14214 – beim Beuth-Verlag in Berlin erhältlich) für Biodiesel nochmals erheblich steigen. Im Sinne der Anwendungssicherheit sieht die europäische Norm beispielsweise den zusätzlichen Parameter Oxidationsstabilität vor. Dieser Parameter ist wichtig für die Kraftstoffstabilität, insbesondere bei Motoren, die mit den neuen Einspritzsystemen common-rail oder Pumpe-Düse-System ausgestattet sind.

Die deutsche Biodieselindustrie wird bereits zu Beginn des kommenden Jahres, auch wenn die europäische Norm bis dahin noch nicht gültig ist, entsprechende Additive freiwillig einsetzen, um diesen wichtigen Parameter erfüllen zu können. Auch diese Additive werden auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt. Eine Änderung der Wassergefährdungsklasse ist mit dem Einsatz dieser Additive damit nicht verbunden.

Die europäische Norm sieht einen höheren maximalen Wassergehalt im Vergleich zur deutschen Norm vor. Die in der Arbeitsgemeinschaft organisierten Biodieselhersteller werden auch in Zukunft ausschließlich Biodiesel auf Basis von Rapsöl anbieten, der weniger als 300 ppm Wasser enthält (EU-Norm 500 ppm max.). Die konsequente Erfüllung der Anforderungen der Qualitätsparameter nach der E-DIN 51606 oder zukünftigen pr EN 14214 wird die entscheidende marktpolitische Herausforderung für die Biodieselwirtschaft und damit aber auch für die Rohstoffproduktion sein. Diese grundsätzlich zu erfüllende Voraussetzung ist die wichtigste technische Herausforderung, der sich aktuell und auch in Zukunft die Biodieselwirtschaft stellen muss. Die Kundenzufriedenheit ist letztendlich der entscheidende Parameter für den Marktverbleib.

Autor: Dieter Bockey
Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP)
Reinhardtstraße 18
10117 Berlin
Tel.: 030-31 904-215
Fax: 030-31 904-485
E-Mail: d.bockey@bauernverband.de
Internet: www.UFOP.de und www.AGQM-Biodiesel.de

(Vgl. auch Meldung vom 2002-02-05.)

Source:

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email