16 Juli 2003

Biodiesel: Keine Freigabe mehr für Neuwagen?

Autohersteller sehen Qualitätsunterschiede als problematisch an – schafft Biodiesel-Sensor Abhilfe?

Während Deutschlands Autofahrer zunehmend auf Biodiesel auf Rapsölbasis umsteigen, steht seitens der Autohersteller ein vorläufiger Biodiesel-Freigabestopp für Neuwagen an. Dies betrifft laut Angaben von Audi-Unternehmenssprecher Udo Rügheimer zunächst die TD-Versionen des neuen Audi A 3 sowie die TDI-Modelle des Kompaktvans Touran, wie auch VW-Sprecher Alexander Skibbe mitteilte. Die künftige Golf-Generation soll ebenfalls hierin eingeschlossen sein.

Die Unternehmen berufen sich hierbei auf die unsichere Qualität des Rapsölmethylesters, das speziell in der Mischung mit Normaldiesel Ablagerungen im Kraftstoffsystem lösen und dadurch die Motorenfunktion beeinträchtigen könne. Solcherart Betroffene sind kaum davon zu überzeugen, dass das Problem beim Biodieselproduzenten und nicht beim Autohersteller liege. Speziell Audi fürchtet auf diese Weise Imageverluste. Mit ins Feld führen die Konzerne ihre Zweifel daran, dass mit Biodiesel der neuen Euro-4-Abgasnorm entsprochen werden könne. Die TD-Versionen des neuen A 3 und des Touran lägen aber bereits in dieser Emissionsklasse.

Derzeit arbeiten die RME-Produzenten gemeinsam mit Volkswagen an einem Biodiesel-Sensor, den Dieter Bockey von der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen hoffnungsvoll als Lösung dieses Problems ansieht. Das Gerät soll den RME-Anteil im Kraftstoffsystem erkennen und die Einspritzelektronik entsprechend anpassen. Hierdurch würde auch ein zu hoher Stickstoffoxyd-Ausstoß vermieden. Auch an der Standardisierung der Kraftstoff-Qualität arbeiten die Experten, wie Bockey ankündigte.

Mit dieser Problematik ist seit einiger Zeit schon die Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement Biodiesel (AGQM) betraut, die bereits Herstellung, Vertrieb und Lagerung des biogenen Kraftstoffs sowie die Qualität des an Tankstellen angebotenen Biodiesels kontrolliert. Wenn der Sprit der RME-Norm (E DIN 51606) entspricht, erhalten die geprüften Stationen neben der DIN-Plakette ein Kontrollzeichen, das ein grünes Q auf blauem Grund mit einem goldenem Rapsöltropfen in der Mitte aufweist. Immerhin 1.300 der bislang 1.600 Biodiesel-Tanken erhielten bereits dieses Zertifikat.

Hiermit erhoffe sich die Biodieselindustrie ein Einlenken seitens der Autoproduzenten, so Bockey, denn für den “grüne Kraftstoff” gäbe es neben dem Kostenvorteil auch ökologische Argumente, wie seine biologische Abbaubarkeit oder geringerer Emissionswertigkeit gegenüber herkömmlichem Diesel.

Wie Bockey allerdings betonte, solle selbst bei der eventuellen Hersteller-Freigabe nur qualitätsgeprüfter Biodiesel getankt und nach spätestens zwei Tankfüllungen der Kraftstofffilter ausgetauscht werden. ADAC-Sprecher Maximilian Maurer wies darauf hin, dass die Hersteller-Freigabe in jedem Fall die Hauptvoraussetzung zur Biodiesel-Nutzung bleibe, ansonsten trage der Autofahrer die Risiken eventueller Schäden.

(Vgl. Meldung vom 2002-11-19.)

Source: Agra-Europe 27/03 vom 2003-07-07.

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