18 April 2006

Bio-Ethanol: Wettrüsten nicht nur an der Börse

Alkoholsprit boomt - Umweltbilanz fragwürdig

Während sich in Deutschland die Südzucker AG noch im zähen Ringen um Marktanteile und flächendeckende Tankstationenversorgung befindet, ist der Biosprit an der Börse längst vorn im Rennen.

Die so genannten Flex-Fuel-Fahrzeuge sollen künftig Unabhängigkeit vom fossilen Brennstoff ermöglichen. Bisher bieten Ford, Saab und Volvo solche PKW an, weitere Hersteller werden folgen.

Während Bioethanol in Schweden und Brasilien mit ihrer günstigen Biomasse – Schweden nutzt Abfälle der Holzindustrie, Brasilien Zuckerrohr – schon eine reichliche Infrastruktur vorweisen können, befindet sich die USA immerhin voll im Umstieg.

Wie der Branchenverband “Renewable Fuels Association” angibt, betrug die Tagesproduktion in den USA im November 2005 275.000 Barrel Ethanol, wobei der Verbrauch mit 297.000 Barrel schon deutlich darüber lag. Derzeit produzieren dort 97 Anlagen und weitere 31 befinden sich in Planung. Nach Aussage von Senator Pete Dominici soll sich der Ethanolausstoß in den kommenden Jahren verdreifachen. In diesem Fall könnten die USA Brasilien noch die Rangspitze streitig machen.

Die Umweltbilanz des “Biosprits” ist indes nicht ungetrübt: Monokulturen und Intensivanbau mit Unmengen an Düngemitteln rufen Umweltschützer auf den Plan: “Es gibt gute Gründe, eine weitere Zunahme der Biokraftstoffe nicht zu favorisieren”, so das Institut für Energie und Umweltforschung in Heidelberg. (Vgl. Meldungen vom 2006-02-15 und 2005-07-14.)

Solche Argumente verhallen indes leider ungehört, sobald sich Gewinne für die Branche ankündigen. Die Börsenkurse der Ethanolhersteller liegen auf Rekordständen, Tendenz weiter steigend.

So verdreifachte die Abengoa SA, Sevilla, ihren Kurs innerhalb eines Jahres und Unternehmenstochter Abengoa Bioenergia will die Produktion ihrer USA-Kapazitäten bis 2007 auf 745 Mio. Liter verdoppeln.

Microsoft-Chef Bill Gates hat mit seiner Cascade Investment fünf Mio. Aktien der Pacific Ethanol Inc. erworben, womit diese unter anderem im kalifornischen Madera eine neue Fabrik errichten möchte. (Vgl. Meldung vom 2005-12-23.)

Archer Daniels Midland (ADM) aus Decatur (Illinois) konnte ihren Kurs im vergangenen Jahr immerhin verdoppeln. Das Unternehmen ist mit 30% Marktanteil der größte Ethanol-Hersteller in den Staaten.

Auch der New Yorker Ethanolproduzent Xethanol Corp. ist unter den Börsianern gefragt. Sein Aktienkurs schwankte indes seit Jahresbeginn zwischen 2,30 und 7,10 US-Dollar.

Im EU-Heimspiel setzt inzwischen auch die österreichische Agrana Beteiligungs AG auf das Biokraftstoff-Business. Mit Gründung ihrer Tochtergesellschaft Agrana Bioethanol GmbH ist eine für 2007 geplante Produktionsanlage in Pischelsdorf schon Kurs bestimmend: Die Agrana-Aktie konnte bereits seit Februar einen Aufwärtstrend von 20% verbuchen.

(Vgl. Meldungen vom 2005-09-02 und 2005-05-02.)

Source: VDI nachrichten Nr. 15 vom 2006-04-13.

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